Kreis Lippe. Der Fahrgastverband Pro Bahn OWL bemängelt „Schattenseiten“ im Konzept für die S-Bahn OWL. Als Reaktion auf das LZ-Interview zu den S-Bahn-Plänen äußert sich Dr. Rudolf Hüls, stellvertretender Bezirksvorsitzender von Pro Bahn: „Ich finde viele Punkte gut“ – doch viele Verbesserungen lägen in zu weiter Ferne. Planerin Anja Stocksieker, die das S-Bahn-Konzept beim Verband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) erarbeitet hat, verweist dagegen auf die Grenzen des Machbaren, und die seien vor allem finanzieller Natur. Licht und Schatten sieht Hüls beim für Ende 2029 geplanten Halbstundentakt zwischen Bad Salzuflen und Bielefeld, der mit einer „Flügelung“ in Herford und die Überlagerung mit der bestehenden Regionalbahn 72 erreicht wird. Dort wird der Triebwagen mit einer Einheit aus Richtung Rahden zusammengekoppelt. In Gegenrichtung werden die beiden Triebwagen dort entkoppelt. „Die Salzufler können sich freuen“, sagt Hüls. Doch die Fortsetzung des Halbstundentakts bis nach Detmold wäre nach Hüls’ Ansicht sinnvoll. „Zwischen den beiden größten lippischen Städten gibt es bislang nur einen Stundentakt.“ Vier bis fünf zweigleisige Kilometer Um das zu ändern, müsste die eingleisige Strecke eine Ausweichmöglichkeit bekommen. Am sinnvollsten wäre nach Hüls’ Überzeugung eine „fliegende Begegnung“, bei der keiner der sich kreuzenden Züge anhalten müsste. „Dafür brauche ich vier bis fünf Kilometer der Zweigleisigkeit“ – sinnvollerweise im Bereich Schötmar/Sylbach. Planerin Stocksieker kommentiert: „Machbar ist vieles, wenn man die nötigen Geldscheine, Geduld, Planungskapazitäten, Grundstücke etc. mitbringt. Eben deswegen ist der verlängerte Halbstundentakt (bis Lage) ja auch im Zielnetz 2040 vorhanden. Wir sprechen bei den Verbesserungen ab 12/2029 ja bewusst von einer Vorstufe.“ Die Vorstufe sieht auch, wie berichtet, Veränderungen bei der Regionalexpress-Linie 82 (RE 82, Altenbeken-Detmold-Bielefeld) vor. Nach Hüls’ Worten wird sie zu einem „Bummelzug“ herabgestuft. Das „Ass“ im lippischen Bahnverkehr schaffe die Strecke Detmold-Bielefeld bislang mit nur wenigen Halten in 30 Minuten – wenn nicht, wie zurzeit wieder, der Bahnverkehr in Lippe wegen Bauarbeiten sowieso weitgehend eingestellt ist. „Der Zug wird nach den Planungen ab Ende 2029 bis Lemgo an allen Haltepunkten stoppen und dann 45 Minuten brauchen“, sagt Hüls. Hintergrund ist auch hier das Konzept des „Flügelzugs“: Von Bielefeld aus startet ein aus zwei Triebwagen bestehender Zug. Die zusammengekoppelten Einheiten werden in Lage getrennt: Ein Teil fährt weiter nach Lemgo und ergänzt den bestehenden Stundentakt, der andere als RE 82 weiter nach Detmold und Altenbeken. Vorteil: 30-Minuten-Takt nach Lemgo Stocksieker verweist auf die Verbesserungen durch das Flügelzugkonzept: Es lege den Fokus darauf, möglichst schnell die Verbindung Lage-Lemgo im 30-Minuten-Takt bedienen zu können, „was leider in Sachen Fahrzeit nachteilig wirkt. Dafür können wir es aber eben schon zeitnah umsetzen.“ Die Fahrt zwischen Bielefeld und Detmold dauere zurzeit 31 Minuten. Künftig sollen es 39 Minuten sein, also acht Minuten länger. Das komme aufgrund der Zeit fürs Aneinander- oder Entkoppeln und der notwendigen Zugkreuzung in Bielefeld Ost zustande. „Um die Zeit zum Kreuzen mit dem Gegenzug nicht einfach nur sinnlos abzuwarten, werden die beiden Haltpunkte Ubbedissen und Oldentrup bedient“, hebt Stocksieker hervor. Außerdem werde das neue Konzept die Betriebsqualität positiv beeinflussen, mit anderen Worten: Es werde weniger Verspätungen geben. Neben den Plänen für 2029 gibt es auch das „Zielkonzept“ für die S-Bahn OWL, das bis 2040 verwirklicht sein soll. Das sieht nach Stocksiekers Angaben vor, dass der Regionalexpress die Strecke zwischen Detmold und Bielefeld in nur 25 Minuten schafft. Voraussetzung seien ein zusätzliches Gleis im Bielefelder Hauptbahnhof sowie zusätzliche Kreuzungsstellen zwischen Bielefeld und Lage. Allerdings: Der Ausbau im Bielefelder Hauptbahnhof und zweigleisige Abschnitte seien „zeitlich, planerisch und kostenseitig sehr umfangreiche Maßnahmen“, betont sie. Zusätzlicher Halt in Brake? Gerade zusätzliche zweite Gleise und höhere Streckengeschwindigkeiten sind nach dem Dafürhalten von Pro Bahn OWL in den nächsten Jahren aber notwendig, um möglichst bald Verbesserungen zu erzielen. „Pro Bahn darf Visionen haben“, sagt Hüls zu den Forderungen des Fahrgastverbands. Schließlich erneuert Pro Bahn OWL den Vorschlag, einen Haltepunkt „Lemgo-Schloss Brake“ anzulegen. Das lehne der NWL mit dem Argument ab, dass der Abstand zum Haltepunkt Lüttfeld mit 500 bis 600 Metern zu kurz wäre. „Gegenargument: Erschließung eines großen Lemgoer Ortsteils einschließlich Amtsgericht und Museum, die nur durch den Haltepunkt Lüttfeld so nicht gegeben ist“, betont Hüls. Überdies, sagt er, wäre ein Halt nahe dem alten Bahnhof Brake für längere Zeit der Endpunkt – solange die Strecke durchs Begatal bis Barntrup nicht für Personenzüge reaktiviert ist.