Kreis Lippe. Alexandra Schinkel ist immer voller Energie gewesen: Anfang 50, Mutter, Großmuttermehrerer Enkelkinder, berufstätig als Erzieherin in der Kinderklinik – kurzum, sie stand mitten im Leben. Sie liebte es, sich zu bewegen, von Snowboarden über Walken bis zum Trainieren im Fitnessstudio. Herzprobleme? Die kannte sie nicht. Bis sich im Februar vergangenen Jahres ihr Leben schlagartig änderte. Die Diagnose: eine erweiterte Hauptschlagader (Aortenaneurysma) samt undichter Herzklappe - lebensbedrohlich, doch die Warnsignale waren da. Etwa ein halbes Jahr vor der Diagnose fühlte sich Alexandra Schinkel zunehmend abgeschlagen. „Ich war einfach oft müde und träger als sonst“, erinnert sie sich heute, wie das Klinikum Lippe schreibt. Sie schob es auf die Wechseljahre, das Alter, arbeitete weiter. An einem Wochenende kamen körperliche Beschwerden hinzu: Schmerzen im Rücken und im linken Arm, auch die Schulter tat ihr weh. Das kannte sie schon, denn sie hatte Bandscheibenvorfälle hinter sich - also kein Grund zur Sorge. Doch ihre Kollegin Anne Janings blieb hartnäckig, mahnte: „Lass das bitte mal checken.“ Alexandra Schinkel winkte zunächst ab. „Ich habe das nicht so ernst genommen“, sagt sie heute nachdenklich. An einem ganz normalen Arbeitstag klopfte ihr Herz plötzlich ungewohnt heftig. Ein kurzer Termin bei ihrer Hausärztin brachte keine Klarheit: Das EKG war unauffällig, ein leichtes Herzgeräusch feststellbar, aber nichts Akutes. Doch Alexandra Schinkel vereinbarte einen Termin in der Kardiologischen Hochschulambulanz. Der brachte Klarheit und ein unerwartetes Ergebnis. Alexandra Schinkel bekomme heute noch eine Gänsehaut, wie sie erzählt. Die Funktionsoberärztin Irma Bagdoniene (Universitätsklinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin) nahm sich Zeit. „Die Ärztin war toll. Freundlich, zugewandt, konzentriert“, erinnert sich Alexandra Schinkel – und sei plötzlich sehr ernst geworden, holte ihren Chef dazu. Per Hubschrauber in die Spezialklinik Wenig später standen Prof. Dr. Stephan Gielen (Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin) und Irma Bagdoniene gemeinsam im Untersuchungsraum. Und was Alexandra Schinkel dann hörte, ließ sie für einen Moment alles um sich herum vergessen. Die Diagnose lautete: Aneurysma der Aorta ascendens mit über sechs Zentimeter Durchmesser sowie eine hochgradige Aortenklappeninsuffizienz. Sprich: Die Hauptschlagader direkt am Herzen war stark erweitert, normal wären etwa drei bis dreieinhalb Zentimeter. Zusätzlich schloss die Herzklappe, die das Blut vom Herzen in die Aorta leitet, nicht mehr richtig, es floss Blut zurück ins Herz. Beides zusammen war lebensbedrohlich und erforderte eine schnelle Operation, erklärt das Klinikum. Noch am selben Tag wurde sie stationär aufgenommen. Ein Schock für Alexandra Schinkel, sie habe ihren Mann angerufen und „einfach nur geweint“. Sie war zwar in großer Gefahr, wie das Klinikum betont, aber nicht im akuten Notfall, sodass Zeit für eine kontrollierte, planvolle Operation und die Verlegung blieb. Alexandra Schinkel erinnert sich: „Ich weiß noch, dass ich im Aufzug stand und ein Pfleger mich nach der Untersuchung begleitete. Als er auf die Taste für die oberste Etage, also das Dach des Klinikums, drückte, hielt ich das zunächst für ein Versehen.“ Auf Nachfrage habe er ihr dann erklärt, sie seien zum Hubschrauberlandeplatz unterwegs. Per Hubschrauber ging es für die Patientin ins Herzzentrum nach Bad Rothenfelde. Die Operation an ihrem Herzen dauerte sechseinhalb Stunden. Die Chirurgen setzten eine Aortenprothese ein, die Herzklappe konnte repariert werden – eine neue war zum Glück nicht nötig. Nach Krankenhausaufenthalt und Reha erholte sich Alexandra Schinkel gut. Ihre Herzleistung ist heute wieder vollständig hergestellt, heißt es vom Klinikum. „Wenn das Herz ruft, sollten wir zuhören“ Und doch blieb die Herzerkrankung für Alexandra Schinkel nicht ohne Folgen: „Ich habe heute noch leichte kognitive Einschränkungen“, erzählt sie. „Konzentration, Merkfähigkeit – das ist nicht mehr ganz wie vorher.“ Und doch sei sie dankbar. Für die rechtzeitige Diagnose. Für die schnelle medizinische Hilfe. Und vor allem für Anne, ihre Kollegin. „Ohne sie wäre ich heute nicht mehr hier“, sagt Alexandra Schinkel leise. Heute, ein Jahr nach der OP, arbeitet Alexandra Schinkel wieder. Sie achtet mehr auf sich, nimmt Signale ernst – und spricht offen über das, was ihr passiert ist. Vor allem möchte sie andere sensibilisieren: „Gerade wir Frauen neigen dazu, alles andere wichtiger zu nehmen als uns selbst. Familie, Arbeit, Alltag – wir funktionieren einfach weiter. Aber wenn das Herz ruft, sollten wir zuhören.“ Prof. Dr. Stephan Gielen und Irma Bagdoniene freuen sich, dass es Alexandra Schinkel heute wieder gut geht. Sie wissen: Diese Diagnose ist oft ein Zufallsbefund und lebensbedrohlich, wenn er nicht rechtzeitig erkannt wird. Alexandra Schinkel hatte Glück im Unglück - dank einer Kollegin, die genau im richtigen Moment nicht locker ließ.