Kreis Lippe. Der Landesverband Lippe (LVL) solle in Sachen Finanzierungs- und Gesellschafterstruktur des Theaters langfristig neue Wege suchen, außerdem erwarte sie „deutlich mehr Finanzerträge“ aus regenerativen Energien und der Forstwirtschaft: Diese beiden Hausaufgaben hatte die Gemeindeprüfungsanstalt vor vier Wochen dem Landesverband Lippe mitgegeben. Dessen Vorsteher Jörg Düning-Gast ist in einer „Wir schaffen das“-Mentalität durch und durch optimistisch, sie erledigen zu können. Das Heimatministerium in Düsseldorf hatte dem LVL - wie berichtet - bis 2031 Zeit gegeben, eine schwarze Null zu schreiben - mit der Option auf drei weitere Jahre. Im Streit um die geplanten Windkraftanlagen in Horn-Bad Meinberg und Schlangen setze er nach der „zugegeben schiefgegangenen Kommunikation“ auf gute Gespräche und einen Kompromiss. „Und zwar nicht mit dem Kopf durch die Wand.“ Auch in Barntrup hatte es Ärger gegeben. Erneuerbare Energie müsse zweifellos ausgebaut werden. Und es gehe auch darum, Wertschöpfung in den Kommunen und beim Verband zu halten. Wenn die Gemeindeprüfer nun forderten, mehr Geld einzunehmen, gehörten zudem Flächen-Photovoltaik, die Bereitstellung von Ausgleichsflächen für Bauprojekte anderer oder für Stromtrassenbau in diesen Katalog. „Wir sind nicht ausschließlich auf Windkraft fokussiert.“ Renovierungspläne in der Schublade Und was sagt er zum Theater? Erstes Ziel des LVL bleibe es, so viel Geld zu verdienen, dass „wir unseren Anteil am Theater leisten können.“ Strukturveränderungen beim Theater habe es immer schon mal gegeben und seien natürlich nicht auszuschließen, im Moment aber kein Thema. Und wenn es Fördermittel vom Land oder vom Bund aus dem Investitionstopf geben würde, seien die 50-Millionen-Euro Renovierungspläne fürs Theatergebäude sofort umzusetzen, sie lägen in der Schublade. Dies werde „ein Mammutprojekt, in dem das Theater vielleicht zum Teil abgerissen und neu gebaut, in jedem Fall aber saniert sowie konzeptionell neu ausgerichtet werden soll“, hatte die LZ vor zwei Jahren geschrieben. Im Moment werde jedoch nicht nichts gemacht, betont Düning-Gast: In Brandsicherheit, Beleuchtung und Dächer fließe Geld. „Werte zu erhalten ist für uns vordringlich“ Von der Konstruktion „Landesverband“ als solcher sei er vollkommen überzeugt. Die Diskussion über den Sinn und Zweck des Verbandes als Hüter des lippischen Erbes könne man natürlich führen und auch immer wieder mal aufkommende Gedanken, die Aufgaben dem Kreis zuzuordnen, diskutieren. „Aber im Wertekanon des Kreises steht nichts vom Vermögenserhalt. Unserem Hauptzweck.“ Dieses führe zu anderen Entscheidungen. „Werte zu erhalten ist für uns vordringlich, und diese Denkweise hat ihre Berechtigung.“ Und sie gehe auf, sagte er mit Blick auf den Hermann, Schloss Varenholz, Landestheater, -museum und -bibliothek, auf Wald- und Ackerflächen. Der Verbandsvorsteher ist überzeugt: „Wir leben in einer globalisierten Welt. Das kann nur bedeuten, dass wir gucken müssen, was vor unserer Haustür los ist. Da stehen wir in der Verantwortung.“ Der LVL müsse etwa aufpassen, dass die typisch lippische Landwirtschaftsstruktur bleibt: Also kleinteilig, mit nicht überproportional steigenden Pachtpreisen. Der Landesverband müsse allerdings Geld verdienen und angemessene Preise nehmen. Diese Gedanken seien Jahrzehnte auch bei den Bürgermeistern andere gewesen. „Aber der Landesverband hat seinen Wert, kann Dinge ermöglichen. Es gibt beispielsweise so gut wie keinen Radwegbau an Bundesstraßen ohne den Landesverband, da finden sich immer Lösungen.“ Es gebe „unendlich viele“ kleinteilige ökologisch sinnvolle Projekte auf LVL-Flächen in ganz Lippe, etwa Teichanlagen in Extertal oder Zuflüsse am Norderteich; der LVL betreibe bei Weitem nicht nur traditionelle Forstwirtschaft. In fünf Jahren 30 Stellen abgebaut Stehen denn die auf großen Widerstand stoßenden Windkraft-Pläne nicht im Widerspruch zu dieser ökologischen Ausrichtung? Nein, wiederholt Düning-Gast das oberste Ziel „Klimawandel stoppen“ und verweist auf 36 Grad im Juni, auf Starkregen und Dürre. Die Kritik des Landesrechnungshofes an zweieinhalb neuen Stellen ordnet Düning-Gast abwägend ein. „Wir haben, seit ich vor fünf Jahren gekommen bin, 30 von 160 Stellen abgebaut, und selbst die 130 sind nicht alle besetzt.“ In den Siebzigerjahren - mit dem Kurbetrieb in Bad Meinberg - arbeiteten noch 1300 Leute beim Landesverband. „Welche Verwaltung hat es denn hinbekommen, so viele Stellen abzubauen?“