Detmold. Die wirtschaftliche Lage in Lippe bleibt auch im Herbst angespannt. Besonders Industrie, Handel und Gastgewerbe kämpfen mit hohen Kosten, fehlenden Aufträgen und Investitionshemmnissen, während der Dienstleistungssektor etwas stabiler dasteht. Die Unternehmen blicken vorsichtig auf die kommenden zwölf Monate. Besonders die Industrie steht unter Druck. Fehlende Inlandsaufträge, hohe Energiepreise und steigende Personalkosten bremsen die Produktion, wie von den Teilnehmern bei einer Konjunkturumfrage der IHK beschrieben wird. Selbst die Exportnachfrage kann die Lücke aus dem Inland nicht mehr schließen. Hinzu komme laut IHK-Präsident Volker Steinbach noch die Konkurrenz von Unternehmen aus China, welche auf den Markt drängen. Auch im Handel habe sich die Stimmung deutlich verschlechtert. Trotz leicht gestiegener Einkommen bleibt die Konsumzurückhaltung groß. Viele Händler leiden unter gestiegenen Einkaufspreisen und den daraus resultierenden Nachfrage-Rückgang der Kunden. Im Gastgewerbe liegen die Umsätze noch immer deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Das bestätigt auch Anja Limberg, die die Gaststätte Leeser Krug betreibt. „Gäste gehen seltener essen, geben weniger aus und verkürzen ihre Aufenthalte.“ Etwas besser steht der Dienstleistungssektor da. Hier beurteilt ein größerer Teil der Betriebe ihre Lage als gut. Verhaltene Erwartungen Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate sind die Unternehmen vorsichtig, ebenso wie die Hauptgeschäftsführerin der IHK, Svenja Jochens. Nur 16 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, ebenso viele mit einer Verschlechterung. Ob es zu künftigen Wachstumschancen oder neuen positiven Impulsen für die lippische Wirtschaft kommt, konnte Jochens nicht sagen: „Das ist, als würde man in eine Glaskugel gucken.“ Die IHK erwartet von der Politik entschlossenes Handeln. Deutschland müsse insgesamt schneller werden, insbesondere bei Investitionen in die Infrastruktur, bei Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie bei der Digitalisierung, da langsame Abläufe private Investitionen und wirtschaftliche Aktivitäten behindern würden. Gleichzeitig sei eine sichere und bezahlbare Energieversorgung entscheidend, um Unternehmen Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Darüber hinaus müsse die Bürokratie reduziert werden. Ein weiteres drängendes Problem sei der Fachkräftemangel, der nahezu alle Branchen betreffe und bereits jetzt zu Einschränkungen bei Produktion, Dienstleistungen und Innovationen führe. Schließlich fordert die Wirtschaft steuerliche Entlastungen und stärkere Investitionsanreize, um Investitionen zu erleichtern und die Innovationskraft deutscher Unternehmen zu stärken. Sorgen bereitet der IHK der deutliche Rückgang bei den Ausbildungszahlen. In Lippe haben in diesem Jahr 943 Jugendliche eine Berufsausbildung begonnen – rund 300 weniger als im Vorjahr. Von ihnen starteten 568 in kaufmännischen Berufen, 375 in technischen Ausbildungen wie Mechatronik oder IT-Berufen.