Kreis Lippe. Als „Unternehmerpersönlichkeit mit Herz für Lippe und den Handel“ hat die Industrie- und Handelskammer Lippe Alfred Westermann verabschiedet. Der Buchhändler, wohnhaft in Lage, hatte bis vor Kurzem das „Buchhaus am Markt“ in Detmold geführt und sich nach zwölf Jahren als Vizepräsident der IHK und Vorsitzender des IHK-Handelsausschusses zurückgezogen. Westermann fühlt sich von den Worten des IHK-Präsidenten Volker Steinbach geehrt und gibt das Kompliment gern zurück: „Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Die IHK Lippe leistet eine großartige Arbeit.“ Die IHK lobt, Westermanns Engagement im Ehrenamt sei „ein Grundpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts“. Ja, sagt Westermann, „und ich kann jedem nur empfehlen, vor allem den jüngeren Kollegen, sich für unsere Zunft einzusetzen“. Voneinander zu lernen, Input zu bekommen, lokale Kontakte zu knüpfen - „Das Ehrenamt gibt so viel zurück. Es lohnt sich, Lebenszeit zu investieren.“ Kontakte sind nicht hoch genug einzuschätzen Der Wert der Kontakte untereinander, der gegenseitige Erfahrungsaustausch seien ohnehin nicht hoch genug einzuschätzen. „Mir hat ganz zu Anfang meiner Tätigkeit ein Kollege gesagt, die Zeiten des stetigen Wachstums seien vorbei, es werde Rückschläge geben und dann wieder vorwärtsgehen. Das hat mir Mut gemacht. Der spielte in einer ganz anderen Liga als ich.“ Dabei muss er lächeln, wie er überhaupt einen sehr entspannten Eindruck macht. Um welchen Kollegen aus welcher Liga es sich handelte, verrät er nicht. Nur so viel: Ohne den entstressenden Ratschlag des Kollegen wäre ihm der Buchhändler-Alltag wohl schwerer gefallen. Und ohne das Engagement bei der IHK hätte er ihn nie vernommen. Die wiederum würdigt ihn: „Als Mann der leiseren, aber klar-formulierten Töne hielt er stets die lippische IHK-Flagge bei unzähligen Veranstaltungen hoch“, sagte IHK-Präsident Volker Steinbach. Der Abschied von Alfred Westermann falle allen „sehr schwer“. Die IHK danke ihm „von Herzen für sein außerordentliches Engagement sowie seine besonnenen und rhetorisch wunderbaren Einwürfe.“ Alfred Westermann war schon vor seiner Detmolder Zeit in Gremien aktiv - im Prüfungsausschuss für Buchhändler in Dortmund. „Azubis haben ihre Projekte vorgestellt, ihre Ideen in Sachen Marketing und Kundenbindung. Da habe ich gelernt, mit solchen Ideen konstruktiv umzugehen.“ Sie auszuprobieren, Finanzierungsmöglichkeiten abzuklopfen. Dies gelte selbstverständlich nicht nur für Buchhändler: „Ich kann nur appellieren: Bildet aus! Die jungen Leute helfen uns, den Trott zu hinterfragen.“ Sein persönliches A und O: Service bieten, um die Kunden zu binden, und den Mitarbeitern Wertschätzung entgegenbringen. Und er weiß: Das Wohl und Wehe der kleinen Läden steht und fällt mit den Menschen hinter dem Verkaufstresen, mit Freundlichkeit, der Pflege der Stammkundschaft. Ob sie, wenn sie wie jeder andere auch, mal einen schlechten Tag haben, diesen die Kunden spüren lassen, ob die Kollegen das auffangen ... Lob fürs Stadtmarketing Er lobt das Engagement der Stadtmarketingleute, die gute Arbeit leisteten, kann die Aufs und Abs einordnen - mal fahren die Kunden lieber nach Lemgo, mal nach Detmold, mal hierhin, mal dorthin. „Das hängt auch von der persönlichen Wahrnehmung ab.“ Was allen Kommunen gemein ist: Sie müssen darum kämpfen und viel dafür tun, dass die jungen Leute in die Stadt gehen. Der Amazon-Zug sei zwar wohl weitgehend abgefahren, aber die Innenstädte hätten dennoch Zukunft - in einer Kombination von Gastronomie, Handel- und Kulturangeboten. „Ich male da nicht so schwarz. Innenstädte können Zufluchtsorte in einer digitalen Welt sein.“ Und Läden seien vor allem für Ältere zuweilen die einigen Orte der Kommunikation und der Begegnung. Das berühmte „Netzwerken“ klappe in den kleineren Städten mit kürzeren Wegen etwa in die Verwaltung zuweilen besser, weiß Westermann aus einer Erfahrung im IHK-Handelausschuss und als IHK-Vizepräsident. Besuche bei den Händlern in Barntrup, Bad Salzuflen oder Blomberg gehörten zu seinen Aufgaben im Ehrenamt. Und welche Themen werden angesprochen? Oft gehe es um die „Ankommensqualität“, also darum, wie die Kunden in die Stadt kommen - um Parkplätze, Baustellen-Umleitungen und anderes. Da sei viel Potenzial nach oben. Westermann Fazit vor seinem Rückzug nach Dortmund fällt also eindeutig aus - ob zu Zeiten der IHK-Präsidenten Hannes Frank, Ernst-Michael Hasse oder jetzt Volker Steinbach: „Es war mir eine Ehre, mich für die lippische Wirtschaft und ganz besonders für den regionalen Handel einsetzen zu dürfen. Es gibt nichts Schöneres, als sich gemeinsam für eine Sache zu engagieren, die einem wichtig ist. Ich wünsche der IHK und allen Unternehmen weiterhin viel Erfolg und Glück.“