Detmold. 30 Jahre Buchhaus am Markt – und 24 Jahre begleitet von Alfred und Regine Westermann. Doch jetzt ist Schluss: Zum 31. Juli werden die Westermanns das Geschäft abgeben. Hugendubel übernimmt und wird zum 2. August neu eröffnen. Die langjährige Mitarbeiterin Sabine Deppenmeier wird die Filiale leiten. „Es ist eine sehr emotionale Situation, denn ich betrachte das Buchhaus als mein Lebenswerk“, sagt Alfred Westermann, und wer ihn kennt, der glaubt das sofort. Er lese gerade ein Buch von Strindberg. Da gehe es um einen jungen Mann, der das Dorf in Richtung Stadt verlässt und sich bei seinem Arbeitgeber verabschiedet: „Du warst der Beste“, sagt der. Und ein Stockwerk höher arbeitet dessen Frau und sagt beim Abschied: „Ich schneide nur Zwiebeln, deswegen sind die Augen feucht.“ Buchhändler mit Leib und Seele Die Westermanns: Buchhändler mit Leib und Seele. Aber irgendwann müsse aus Alters- und Gesundheitsgründen Schluss sein und ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Dazu verlässt das Ehepaar Detmold und geht zurück nach Dortmund, wo der Sohn und die Enkel leben. Das sei ohnehin gut so, sagt Westermann: Er wolle keiner sein, der aus dem Hintergrund immer noch auf das Geschäft linst und nicht abschließen kann, und sagt: „Unser großer Dank gilt unserer treuen Kundschaft, die uns über so viele Jahre begleitet hat – besonders auch in herausfordernden Zeiten wie während der Corona-Pandemie. Warum ist ausgerechnet jetzt Schluss? Westermann kann sich die Spitze nicht verkneifen und betont, dass das letzte Jahr mit der Großbaustelle auf dem Schlossplatz und der Tatsache ausschlaggebend gewesen sei, dass durch ausbleibende Schulbuchkäufe der Stadt Detmold 16 Prozent Umsatzeinbußen eingefahren worden seien. Alfred Westermann freut sich in jedem Fall, mit Hugendubel für das Buchhaus am Markt und den Buchsalon am Schlossplatz ein langjähriges Familienunternehmen für die Nachfolge gefunden zu haben, das gut zu Detmold passe. Der Übergang werde fließend sein - mit gewohnter Beratung, vertrautem Team. „Die Leidenschaft für Bücher und die persönliche Beratung standen für mich immer im Mittelpunkt – und genau diese Werte werden auch bei Hugendubel gelebt. Die Entscheidung zur Übergabe fiel ganz bewusst zugunsten eines inhabergeführten Unternehmens; und gegen ein großes Filialunternehmen, das in der Region bereits stark vertreten ist. Damit soll die buchhändlerische Vielfalt in der Region erhalten bleiben“, erklärt Westermann. Auf dem Markt gehe gerade eine enorme Zentralisierung vor sich. Auch Thalia war in Gespräch, aber: „Detmold bleibt das gallische Dorf.“ „Führen Westermanns Lebenswerk fort“ Worüber sich Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin, sehr freut: „In Nordrhein-Westfalen sind wir bislang kaum vertreten. Es gibt nur Filialen in Unna und Siegen.“ Insgesamt verfügt das 1893 in München gegründete Buchhaus über 96 Niederlassungen sowie 500 Shop-in-Shop-Angebote und rund 2500 Regale in Supermärkten. „Alfred Westermann hat mit großem Engagement die Bedürfnisse seiner Kundschaft in den Mittelpunkt gestellt“, betont Nina Hugendubel. „Es ist uns eine Freude, diese Tradition fortführen zu dürfen. Als familiengeführter Buchhändler stehen auch wir für Kundennähe, Leseförderung und buchhändlerische Vielfalt.“ Sie sei sehr froh, „das Lebenswerk“ von Alfred Westermann fortzuführen. Detmold sei ein toller Standort und eine wunderschöne Stadt. Große Veränderungen werde es nicht geben. Die Konzepte von Hugendubel und dem Buchhaus seien sehr ähnlich. Alle elf Mitarbeiter würden übernommen - unter der Leitung von Sabine Deppenmeier, die seit zwanzig Jahren im Buchhaus arbeitet. Die beiden Standorte blieben erhalten sowie die Beteiligung an allen Projekten, an denen bislang das Buchhaus am Markt beteiligt gewesen ist. Mit dem Wechsel blieben auch die vielfältigen Sortimente erhalten, und das Schulbuchgeschäft werde wie gewohnt weitergeführt. Der Online-Shop der Buchhandlung wird mit der Übernahme von Hugendubel modernisiert und ausgebaut. Stärkere Online-Präsenz Natürlich, ergänzt Alfred Westermann, werde die Online-Präsenz auch in Social Media durch Hugendubel nun eine ganz andere sein – logisch, da steht eine ganz andere Infrastruktur bereit, auch beim zentralen Callcenter, der mit ausgebildeten Buchhändlern besetzt sei. Und wer Gutscheine habe, könne die natürlich auch künftig einlösen. Dennoch werde es hier in den kommenden Wochen Anreize geben, ins Buchhaus zu kommen und sie einzutauschen. Solche wird es auch bei einem Dämmershopping geben, das am 31. Juli für die Westermanns die Endphase einläutet. Abends werden auch so einige lippische Krimiautoren im Buchhaus präsent sein, um dort Bücher zu signieren und mit Lesern ins Gespräch zu kommen. „Dafür wird fünf Euro Eintritt genommen“, erklärt Westermann, „die jedoch in voller Summe der Stiftung für Lippe für die Leseförderung zukommen sollen.“ Einen Tag lang wird das Buchhaus dann am 1. August geschlossen sein, bevor es am 2. August als „Hugendubel“ eröffnen wird – „Buchhaus am Markt“, sagt Unternehmens-Chefin Nina Hugendubel, „wird es dann nicht mehr heißen.“