Kreis Lippe. Sichtlich bewegt erklärt Dietmar Arends den Synodalen, dass er nicht wieder für das Amt des Landessuperintendenten kandidieren werde: „Meine gesundheitlichen, physischen und psychischen Kräfte reichen nicht aus, um dieses Amt weiter zu führen.“ Alle 57 Synodale, die bei dieser Herbstsynode anwesend sind, sind sich einig: Es herrscht eine Ausnahmesituation, die Entscheidungen und Handlungen benötige. Denn nicht nur Dietmar Arends legt sein Amt zum 1. März nieder, auch der theologische Kirchenrat Thomas Warnke geht und übernimmt zum 1. Januar die Leitung des evangelischen Beratungszentrums in Detmold. Damit sind zwei Spitzenämter der Lippischen Landeskirche unbesetzt. Dazu kommen sinkende Kirchensteuereinnahmen und Defizite beim Haushalt. Ein Abschied Dietmar Arends hätte die Projekte gerne weiter als Landessuperintendent begleitet, sagt er. Es schien, als liebe er seinen Job, doch die Schwere, die er auf seinen Schultern trug, war deutlich zu spüren. Er sprach darüber, was es für ihn und auch für die Kirche bedeute, Gottes Botschaft missionarisch in der Welt zu verbreiten. Für ihn hieße es nicht, andere Menschen zu bekehren, sondern viel mehr Gottes Liebe auszustrahlen. Mission bedeute für ihn, an der Sendung Gottes teilzuhaben. Beispielsweise nannte er hier den Auftrag der Kirche im Bereich der Seelsorge: in Kliniken, in Altenheimen oder für Gefangene. In seiner Rede wies er auf die Rolle der Kirche in der Gemeinschaft hin: Es gehe darum, Versöhnung in der Welt zu gestalten, sich als Teil der Schöpfung zu sehen. Das Wichtigste sei, einen gemeinsamen Weg zu finden und Gottes Liebe in der Welt erfahrbar zu machen. Für diese Worte, die er auch mit Blick auf seine Ukraine-Reise wählte, gab es lang anhaltenden Applaus der anwesenden Gäste. Die Vertretung des Landessuperintendenten Im Anschluss begann eine Diskussion über die Vertretung des Amtes, das Dietmar Arends zwölf ganze Jahre besetzte. Dafür verließ der Landessuperintendent den Raum. Präses Michael Keil eröffnete die Diskussion: „Ich denke, dass Sie alle mit mir gemeinsam vollstes Verständnis dafür haben, dass die Gesundheit vorgeht und die Führung des Amtes nicht auf Kosten gesundheitlicher Beeinträchtigungen bestehen darf.“ Viele Teilnehmer teilten die Sorge, dass die Aufgaben, die so ein Amt mit sich bringe, für eine Person zu viel sein könnten. „Vor zwölf Jahren haben wir uns schon einmal gefragt, ob wir das Amt für zwölf Jahre besetzen – wir haben jetzt die Möglichkeit innezuhalten, zu überlegen, was wir verändern könnten“, sagte Kirchenvorstandsmitglied Christiane Nolting. Viele weitere Teilnehmenden sprachen darüber, die aktuelle Situation dafür zu nutzen, um die Struktur und die Aufgabenverteilung der Stelle des Landessuperintendenten zu überdenken. Im weiteren Verlauf wurde einstimmig beschlossen, dass Michael Keil in Zusammenarbeit mit dem juristischen Kirchenrat Martin Bock das Amt des Landessuperintendenten bis zur nächsten offiziellen Wahl vertritt. Darunter fallen auch die Aufgaben des theologischen Kirchenrates Thomas Warnke. „Ich habe höchsten Respekt vor dieser Aufgabe und bitte darum, dass dies keine Dauerlösung ist“, betonte Keil. Sein Fokus liege darauf, die Landeskirche nach innen am Laufen zu halten: „Ich sehe meine Aufgaben in Lippe und nirgendwo anders.“ Die Synode beschloss, dass die Aufgaben und Amtszeiten des Landessuperintendenten und des theologischen Kirchenrates in einem Strukturausschuss geprüft und zur Sondertagung im März vorgelegt werden sollen. Die nächste Wahl könnte zur Herbstsynode 2026 stattfinden. Zurückgehende Kirchensteuern Eine weitere Herausforderung: Die Kirchengemeinden werden kleiner und die Einnahmen sinken. Die Lippische Landeskirche prognostiziert, dass die Kirchensteuereinnahmen um 4,5 Prozent pro Jahr zurückgehen werden. Sie haben mit einem Kirchensteueraufkommen von 32,5 Millionen Euro für das Jahr 2026 gerechnet, sagte der juristische Kirchenrat Martin Bock vor der Lippischen Landessynode. Für das Jahr 2025 habe die Schätzung bei 34 Millionen Euro gelegen. Noch seien Rücklagen da, erklärte Martin Bock, doch langfristig müsse der Haushalt trotz der jährlich zurückgehenden Kirchensteuer ohne Rücklagen auskommen. Für den Haushalt der Landeskirche und auch für die Pfarrstellen hätten Konsolidierungsprogramme bereits begonnen, erklärte Bock. Auf der Sommersynode solle über weitere Maßnahmen beraten werden. Transparenzhinweis: Der Artikel wurde nachträglich verändert.