Kreis Lippe/ Lage. Eigentlich sollten die Züge durch Lippe Anfang Dezember wieder regulär rollen, doch es sind wie berichtet weiter Busse im Einsatz: Die Bauarbeiten an den Schienen zwischen Lage und Lemgo dauern länger als geplant. Bedeutet für Fahrgäste, die von Detmold aus nach Bielefeld, Herford oder auch zum Lüttfeld nach Lemgo fahren möchten, noch bis voraussichtlich zum 19. Dezember längere Wartezeiten und volle Busse. Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ kritisiert nicht nur die Verzögerungen, sondern auch die Informationspolitik der Deutschen Bahn (DB) und der zuständigen Infrastrukturtochter „DB InfraGO“, die seit Oktober mit den Arbeiten zugange ist. Eigentlich hätten ab Mittwoch, 3. Dezember, wieder Züge fahren sollen. Nun gilt aber gut zwei Wochen länger Bus- statt Bahnverkehr. Der Detmolder Rainer Engel, Vorsitzender von „Pro Bahn“ OWL, hatte die Fahrpläne am Montagmorgen kontrolliert und erwartet, dass die Fahrgäste frühzeitig über solche Verzögerungen informiert werden. „Fahrplanauskünfte sagen, dass am 2. Dezember noch Ersatzbusse fahren, dass aber vom 3. Dezember an wieder Züge fahren“, hat er laut einer Pressemitteilung festgestellt. „Tatsächlich ist aber seit Freitag bekannt, dass die Bauarbeiten nicht rechtzeitig fertig werden und noch bis zum 18. Dezember einschließlich dauern. Die Fahrgäste erfahren das aber nicht rechtzeitig“, ärgert er sich. Zorn bekommen Busfahrer ab Eine Stichprobe der Fahrplanauskünfte auf den Internetseiten der Deutschen Bahn und der Eurobahn am Montagnachmittag durch die LZ-Redaktion bestätigt Engels Beobachtungen. Auch am Dienstagvormittag lassen sich weder Züge noch die Ersatzbusse in den Fahrplanauskünften ab dem 3. Dezember finden, nur Regionalbusse werden angezeigt. „Verantwortlich ist dafür die ,DB InfraGO’ und das sehr schleppend funktionierende Informationssystem der Fahrplanauskünfte“, meint Engel. „Selbstverständlich steht die DB in engem Austausch mit dem zuständigen Aufgabenträger und den vor Ort fahrenden Eisenbahnverkehrsunternehmen, um die Auswirkungen auf die Fahrgäste möglichst gering zu halten beziehungsweise einen stabilen Schienenersatzverkehr anzubieten“, teilt eine Sprecherin der DB auf Nachfrage mit. Die Ersatzbusse werden vom zuständigen Bahnunternehmen - in diesem Fall die Eurobahn - organisiert. Auch die Fahrplananpassungen würden von ihr vorgenommen. Auf Nachfrage erklärt deren Sprecherin Elke Sajovitz, es sei ein Ersatzkonzept erarbeitet worden, dieses werde ab dem heutigen Mittwoch in den Auskunftssystemen zu finden sein. „Hintergrund ist der, dass Erneuerungen zweimal wöchentlich in die Systeme gespielt werden, die mittwochs und freitags für die Fahrgäste sichtbar sind.“ Immer wieder fielen Busse aus, kritisiert Engel, Fahrgäste müssten teils lange warten, Wagen seien überfüllt. Die Eurobahn müsse sehen, wo sie kurzfristig Busse und Busfahrer herzaubere „und Busfahrer, die einspringen, bekommen die Wut der Fahrgäste ab“. Doch wie ist es für die Eurobahn, immer wieder kurzfristig von Verlängerungen der Bauarbeiten zu erfahren und einen Ersatzbusverkehr zu organisieren? „Am liebsten fahren wir natürlich selbst mit unseren Zügen“, sagt Elke Sajovitz. „Aber wir sind erprobt und vorbereitet für einen Schienenersatzverkehr.“ Die nächste Sperrung kommt bestimmt Als Grund für die abermalige Verzögerung nennt die DB, kurzfristig weiteres Material sowie Bautrupps organisieren zu müssen. Auf Nachfrage erklärt eine Sprecherin, es gebe weiteren Instandsetzungsbedarf an der Strecke. Dieser sei ursprünglich nicht eingeplant gewesen. „Nach Prüfung der Schieneninfrastruktur wurde jedoch festgestellt, dass weitere Arbeiten notwendig sind. Hierfür ist entsprechend mehr Baumaterial nötig, das in einem ersten Schritt bestellt und dann geliefert werden muss. Zudem musste die DB kurzfristig weiteres Baupersonal organisieren, welches die zusätzlichen Arbeiten umsetzen kann.“ Dazu erklärt Engel: „Was wir bisher erfahren konnten, sind windelweiche Erklärungen, die keine Nachprüfung erlauben“, er spricht gar vom Abspeisen mit inhaltslosen Worthülsen und mutmaßt, „dass Missstände bei den beauftragten Unternehmen oder Organisationsmängel bei ,DB InfraGO’ selbst eine wesentliche Rolle spielen“, wie er schreibt. „Pro Bahn“ fordere die lippischen Politiker auf, an höchster Stelle in Berlin zu protestieren. Schließlich sei es nicht das erste Mal, dass rund um Lage Probleme auftauchen. Ursprünglich sollten bereits im Sommer 2024 Bauarbeiten durchgeführt werden, die Strecken wurde vier Wochen lang gesperrt, „aber es konnten keine Bauarbeiter gesichtet werden“. Wie die ,DB InfraGo’ damals einräumen musste, hatte sie kein Unternehmen gefunden. „Von Ende März bis Anfang Mai ist schon wieder eine lange Sperrung des Bahnhofs Lage angekündigt, sodass der Schienenverkehr in weiten Teilen des Kreises Lippe stillstehen wird“, berichtet Engel. „Vor bösen Überraschungen ist der Kreis Lippe nicht sicher.“