Neues Buch von Ex-Detmolder Timm Kruse handelt von Meditation

Schwebe ich schon?

Barbara Luetgebrune

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Meditiert: Der Ex-Detmolder Timm Kruse hat ein neues Buch geschrieben. Es befasst sich – mit einer Prise Witz – mit persönlichen Erfahrungen mit Yoga, Hypnose, Schweigen und Stillsitzen. - © Eden Books
Meditiert: Der Ex-Detmolder Timm Kruse hat ein neues Buch geschrieben. Es befasst sich – mit einer Prise Witz – mit persönlichen Erfahrungen mit Yoga, Hypnose, Schweigen und Stillsitzen. (© Eden Books)

Detmold/Kiel. Erst hat er 40 Tage gefastet, dann hat er einen Road-Trip mit Guru unternommen – und für sein drittes Buch meditiert sich Timm Kruse quer durch die Weltgeschichte. „Meditiere ich noch oder schwebe ich schon?" heißt das Buch, das der in Detmold aufgewachsene Autor soeben auf den Markt gebracht hat: ein Wegweiser durch die abenteuerliche Welt der Meditation.

Eigentlich, so erzählt Timm Kruse, der heute in Kiel lebt, war die Reihenfolge genau umgekehrt. „Mit dem aktuellen Buch hat alles angefangen. Erst durch den Clarity-Prozess, über den ich jetzt schreibe, bin ich damals auf das Fasten gekommen. Und erst dadurch hatte ich die Idee, zu dem Festival zu gehen, bei dem ich dann den Guru getroffen habe."

Yoga, Hypnose, Schweigen, Stillsitzen: Timm Kruse hat über die vergangenen Jahre hinweg alle möglichen Meditationstechniken in jeder erdenklichen Spielart ausprobiert. „Ich finde diese Welt so spannend. Die Spiritualität ist mein Hobby", sagt er. Kein Wunder, dass das Buch, das sich an Anfänger ebenso richtet wie an Leser mit einem spirituellen Grund-Know-how, sehr persönlich geraten ist. Zu 100 Prozent selbst getestet: Die persönlichen Erfahrungen machen, in Kombination mit einer guten Prise Witz, den Reiz des Buches aus.

Information
Persönlich

Timm Kruse wurde 1970 in Detmold geboren und studierte Sprach- und Literaturwissenschaften. Bereits während seines Studiums arbeitete er für verschiedene deutsche Tageszeitungen. Seit 1997 ist er Fernsehredakteur. 2012 erschien mit „40 Tage fasten" bei Heyne sein erstes Buch. 2014 folgte „Roadtrip mit Guru" bei Eden Books.

Da ist zum Beispiel das Meditieren in Form von Sandburgenbauen. „Gibt es wirklich", sagt Timm Kruse. Dazu bekommen die Teilnehmer einen Kasten von einem Quadratmeter Größe, etwa zehn Kilo Sand, und einen Eimer Wasser. Dann startet das Bauen, Kreativ-Sein, Zerstören und neu Bauen. „Das ist wie ein Abtauchen in die Welt der Form. Es geht darum, das Material und die Formen, die es annehmen kann, ständig neu zu erfahren. Und es geht auch darum, Zeit zu erfahren."

Es geht aber auch weniger spielerisch. Zum Beispiel mit Vipassana, der härtesten Meditation der Welt: zehn Tage schweigen, 15 Stunden pro Tag meditieren, keinerlei Ablenkung. „Vipassana", schreibt Timm Kruse, „ist die Hölle." Oder auch mit der „Insel-Übung": drei Tage stillsitzen mit verbundenen Augen. „Das ist schon heftig", sagt der Autor. „Da begegnest du nur noch dir selbst."

Seine Lieblingsmeditation ist übrigens die der kurzen Momente, die ihn in den Status des Nicht-Denkens führt, und die er mehrmals täglich praktiziert.

„Denken ist toll – aber Denken kann auch ein Problem sein. Die Gedanken kreisen bei jedem immer nur um den eigenen Käse. Da ist es gut, wenn man sie vorübergehend mal ausschalten kann. Wenn der Verstand aufhört zu arbeiten", sagt er. Eins sein mit sich selbst und dem, was man tut: Für Timm Kruse ist das die Essenz der Meditation.

Natürlich ist ihm bewusst, dass sich auf dem spirituellen Markt auch eine Menge Scharlatane tummeln. „Problematisch wird es immer, wenn die Leute nicht mehr authentisch sind. Wenn sie mit Heiligenschein unterwegs sind – das passiert viel in der Szene. Und wenn ein Guru sehr erfolgreich ist, kann er am besten bescheißen", sagt Timm Kruse, nicht zuletzt eine Erfahrung aus seiner Recherche zum Vorgänger-Buch „Road-Trip mit Guru".

Timm Kruse schreibt locker und bietet viel Service, etwa in Form von Links zum Weiterlesen. Und: Er missioniert nicht. Dennoch ist er überzeugt: „Für jeden Menschen gibt es eine passende Form der Meditation." Die unterschiedlichen Ansätze für die verschiedenen Charaktere gliedern sein Buch.

Im April reist Timm Kruse übrigens nach Italien, mal wieder zu einer Vipassana. Denn die mag ja durchaus die Hölle sein – sie ist für ihn auch die reinste und klarste Form der Meditation.

Timm Kruse, „Meditiere ich noch oder schwebe ich schon?", Eden Books, 224 Seiten, ISBN 978-3-9591-00069; 12,95 Euro.

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