Lage. Die Stadt Lage probt den Aufstand: Obwohl sich die Staatskanzlei in Düsseldorf gegen ein generelles Verbot von Gottesdiensten über Ostern ausgesprochen hat, sollen nach dem Willen des Stadtrates bis zum 18. April keine Gottesdienste erlaubt sein. Bürgermeister Matthias Kalkreuter hatte am Freitagabend in einer Sondersitzung des Rates vom Infektionsgeschehen (Inzidenzwert 811,9) berichtet. Bekanntlich sind 1100 Mitglieder der Evangeliums-Christen-Baptistengemeinde in Quarantäne, rund ein Drittel ist positiv getestet worden, alle mit der britischen Mutante. Die meisten hätten nur wenig oder keine Symptome. Für einige der Getesteten ende die Quarantäne Ende März. Fünf Mal sei in der Vergangenheit am Eschenweg kontrolliert worden – ohne Beanstandungen. Die Ansteckungsquote sei deutlich höher als in den Monaten zuvor, teilte der Kreis Lippe auf Anfrage mit. Die Präsenzgottesdienste ließen sich nicht als alleiniger Treiber des Infektionsgeschehens benennen. Es habe auch zahlreiche Treffen der Gemeindemitglieder im privaten Bereich gegeben. Es lasse sich nicht mit absoluter Sicherheit feststellen, wo der Ursprung einer Infektion liege. Der Bürgermeister erklärte, dass er wieder eine Maskenpflicht auf öffentlichen Parkplätzen angeordnet habe. Er stellte der Politik anheim, dennoch einen Beschluss fassen zu können, dass alle Gottesdienste sämtlicher Kirchengemeinden in der Stadt bis nach Ostern verboten werden. „Ich werde dann Ihrem Wunsch folgen", so Matthias Kalkreuter. Politische Stimmen Uwe Detert (AfD) meinte, dass der höhe Inzidenzwert durch mehr Testungen entstanden sei. Er bedauerte den „Shitstorm" gegen die Baptisten-Gemeinde. Die Infektionen seien weitgehend im privaten Raum entstanden, so Thomas Assmann (Aufbruch C). Es gebe zu viel Spekulationen darüber. Sein Fraktionskollege Andreas Epp fand, es dürften nicht alle Gemeinden über einen Kamm geschoren werden. Jürgen Rosenow (Bündnis 90/Die Grünen) bedauerte, dass sich einige wenige Gemeinden nicht an die Anordnungen hielten, geführte Listen seien unvollständig. „Es gibt in der Stadt eine unheimliche Wut, dass sich Leute nicht daran gehalten haben." Familiäre Treffen fänden weiter statt. Von Solidarität sprach Martina Hannen (FDP). Einige Menschen seien nicht verantwortungsbewusst gewesen. Nun müssten alle darunter leiden, durch die verschärften Kontaktbestimmungen. Wütend sei er auch darüber, gab Michael Biermann (CDU) zu. Es müsse bei Quarantänebrechern der Bußgeldkatalog angewendet werden. Für Anton Volk (FWG/BBL) ist es unvorstellbar, dass Gottesdienste mit einer Person pro zehn Quadratmeter stattfinden könnten. Er beantragte, alle Gottesdienste für alle Kirchengemeinden bis nach Ostern zu verbieten. Für diesen Antrag sprach sich ebenfalls Angelika Schapeler-Richter (FWG/BBL) aus. „Was die Staatskanzlei sagt, ist nicht Gesetz. Wir sollten nach außen dokumentieren, dass wir handeln." Gottesdienste ließen sich digital abhalten. Über die Reaktion aus der Staatskanzlei zeigt sich auch Hans Hofste (SPD) verärgert und plädierte für den Antrag. Schließlich gehe es um körperliche Unversehrtheit, so Christoph Löhning (CDU), die es bei anderen Menschen zu gewährleisten sei. Der Antrag, sämtliche Gottesdienste bis 18. April zu verbieten, fand eine deutliche Mehrheit bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.