Lage. Welche Ziele verfolgen die Parteien in Lage in Sachen Umweltschutz? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, hat die Lagenser Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen entsprechenden Fragenkatalog ausgearbeitet und an die politischen Akteure verschickt. Laut Uwe Kruse, der als Mitglied der Ortsgruppe an dem Projekt mitgewirkt hat, sollten die Fragen einen konkreten Bezug zur Zuckerstadt haben, um den Wählern eine Informations- und Entscheidungshilfe zu bieten. „Wir haben natürlich versucht, Fragen zu finden, die gleichzeitig unsere Erwartungen widerspiegeln“, berichtet Kruse. So wolle die Gruppe, dass Lage bis 2035 klimaneutral ist, dass sich eine Mobilitätswende vollzieht und auch, dass sich im Bereich der erneuerbaren Energien noch mehr tut. Zudem sei es dem Ortsverein wichtig, dass das öffentliche Grün stärker geschützt wird. So sind acht Fragen entstanden, die von den Fraktionsvorsitzenden der Parteien SPD, FDP, CDU, Aufbruch C und Bündnis 90/Die Grünen beantwortet wurden. Für Die Linke antwortete die Sprecherin des Kreisvorstands Ursula Jacob-Reisinger. Die AFD ließ die Anfrage nach Angabe von Kruse unbeantwortet. Auch auf eine weitere E-Mail zur Erinnerung habe die Partei keinerlei Reaktion gezeigt. Aufenthaltsqualität in der Innenstadt Und wonach wurde konkret gefragt? Unter anderem wollte der BUND wissen, wie es um die Vorstellungen der Parteien zur Schaffung einer erhöhten Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, unter der Berücksichtigungder Anpassung an den Klimawandel steht. Mehr Bäume und mehr Grün scheinen dabei allen Befragten Parteien am Herzen zu liegen. „Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, wünscht sich die CDU mehr Bäume rund um den Marktplatz und in der Fußgängerzone, mehr Spielgeräte, mehr Sitzmöglichkeiten und attraktivere Laternen“, heißt es dazu von der CDU. Den Autoverkehr in der Langen Straße sehe man kritisch. Veränderungen müssten aber auch mit den Interessen der Geschäftsinhaber in Einklang zu bringen sein. Die SPD plane die Innenstadt Lages durch eine Neugestaltung des Marktplatzes, der Bergstraße und der Langen Straße attraktiver zu machen. Dabei solle die Aufenthaltsqualität durch Bänke, Bäume und Cafés gesteigert werden und eine Anpassung an den Klimawandel durch Entsiegelung befestigter Flächen, Schaffung dezentraler Versickerungsmöglichkeiten und Rückhaltung von Regenwasser sowie die Erhöhung der Verdunstungsrate durch klima- und insektenfreundliche Vegetationsflächen angestrebt werden. Die Grünen fordern „Fassaden und Dachbegrünung, wo immer es geht“. Baumbestand, Wasserspiele und Frischluftschneisen würden die zu erwartenden hohen Temperaturen um mehrere Grad Celsius abkühlen. Auch die FDP wünscht eine deutlich grünere Innenstadt. Dies solle aber nicht der optischen Aufwertung dienen, sondern eine wirksame Antwort auf Hitzeperioden und Starkregenereignisse sein. „Ein besonderer Schwerpunkt liegt für uns auf der Aufwertung des Werregeländes im Herzen der Lagenser Innenstadt“, heißt es weiter von der FDP. Klimaneutral bis 2035? Auch Aufbruch C plädiert für mehr Bäume und begrünte Dächer und Fassaden sowie Trinkwasserstellen und Sitzgelegenheiten. Die Linke fordert, dass die Flächenversiegelung im großen Stil rückgängig gemacht wird. In der „steinernen“ Innenstadt müssten mehr Grünflächen geschaffen werden. Die Parteien sprechen sich zudem alle für den Erhalt oder die Ausweitung der städtischen Grünflächen aus. Auch die Baumschutzsatzung wird nicht infrage gestellt. Dass die Stadt bis zum Jahr 2035 klimaneutral sein soll, wurde per Ratsbeschluss festgehalten. In der Befragung sehen die Parteien unterschiedliche Wege, um dieses Ziel zu erreichen. Häufig ist vom Ausbau der erneuerbaren Energieträger und energetischer Sanierung die Rede. Die CDU sieht das beschlossene Zeil allerdings als nicht erreichbar an - dazu fehle es an Haushaltsmitteln. Auch sei der Zeitraum zu eng gesteckt. Selbst bis zum Jahr 2045 werde es schwierig, die Klimaneutralität umzusetzen. Alle Ergebnisse online abrufbar Auch zur beschlossenen Nachhaltigkeitsstrategie bekennen sich die Parteien. Besonders die CDU weist aber auch auf finanzielle Hürden hin. Die Linke plädiert dafür, die großen Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen, da diese die größten Umweltsünder seien. Die Grünen sehen Nachhaltigkeit als Kernthema jeglichen Handelns von Politik und Verwaltung. Die Ortsgruppe des BUND sieht in der Befragung auch ein Mittel, um verbindliche Aussagen zum Umwelt- und Klimaschutz zu erhalten, an denen sich die Parteien in Zukunft messen lassen müssen. Auch wenn der Einfluss begrenzt sei, wolle man Präsenz zeigen. „Die Parteien sehen, dass sie nicht den Freifahrtschein haben, sondern dass es jemanden gibt, der darauf guckt und auch mal öffentlich macht, wenn etwas nicht passt“, erläutert Kruse. Sämtliche Fragen und die Antworten der Parteien sind auf der Internetseite der BUND-Ortsgruppe Lage einsehbar.