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Lemgo

Besuch in Lemgo: Warum Schulen in Kenia überlebenswichtig sind

Lemgo. Es war ein spannender Ideenaustausch und „Blick über den Tellerrand“, wie die Stadt schreibt: Martin und Josphine Guchu aus Nairobi haben Bürgermeister Markus Baier im Rathaus besucht und von ihrer Arbeit in Kenia berichtet. Dort betreiben sie in Kagera, unweit von Nairobi, eine Privatschule für Kinder aus armen Familien.

Unterstützung für ihr Projekt erhalten sie bereits seit 1996 auch aus Lemgo, verbinden den engagierten kenianischen Pastor doch Partnerschaften mit der Gemeinde St. Pauli und mit der August-Hermann-Francke-Grundschule mit der Alten Hansestadt. Werner Kuloge und Brigitte Langer von der St. Pauli-Gemeinde begleiteten die Gäste daher auch zum Empfang im Rathaus. Im Gespräch zwischen den Gästen und Markus Baier ging es um Gemeinsamkeiten und Herausforderungen in beiden Ländern. Denn manche Probleme kennen beide Seiten, etwa die komplizierten Zuständigkeiten verbunden mit der Frage, wer welche Kosten in Sachen Bildung zu tragen hat.

Martin Guchu hat „The Fountain School“ in Kagera gegründet, um den Kindern der armen Kaffeebauern eine Chance auf eine Zukunft zu geben. In Kenia sei der Schulbesuch mit Kosten verbunden: Schuluniformen und Bücher müssten die Familien selbst finanzieren, die zahlreichen Privatschulen nehmen auch Schulgeld. Das sei grundsätzlich auch in seiner Schule so, die den in Kenia vorgegebenen Bildungsstandards entsprechen müsse. Aber die finanzielle Beteiligung der Familien werde an deren Möglichkeiten individuell angepasst, die Schule wird vor allem durch Spenden finanziert.

Josphine Guchu ist Leiterin der Schule, die in der Coronazeit ganz andere Aufgaben stemmen musste als hiesige Einrichtungen: Statt Homeschooling einzurichten, ging es um das Überleben der Kinder, die ohne Präsenzunterricht kein Schulessen bekamen. „Wir haben das Essen teilweise zu den Häusern der Familien gebracht, für andere haben wir Lebensmittelpakete vorbereitet“, berichtet Martin Guchu von dieser schwierigen Zeit.

Bei allen Unterschieden sahen Martin und Josphine Guchu und Markus Baier aber auch gemeinsame Herausforderungen in beiden Ländern, etwa wachsende soziale Ungleichheit und Klimawandel. Vor allem letzterer könne nur gemeinsam bewältigt werden. Der Blick von außen könne immer helfen, Probleme aufzudecken und neue Lösungswege zu finden.

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