Lemgo. Am 10. Mai 1933 brannten in vielen Städten des damaligen Deutschen Reiches die Scheiterhaufen. Bücher gingen in Flammen auf, johlend standen die Massen an den brennenden Bücherbergen, um die Flammen im wahrsten Sinne des Wortes zu befeuern. Vor allem in vielen Universitätsstädten hatten die Nazis Tausende Bücher aus Bibliotheken geraubt, um sie - angetrieben vom Deutschen Studentenbund - publikumswirksam zu verbrennen. Werke von Erich Kästner, Heinrich Mann, Heinrich Heine oder auch Kurt von Tucholsky gingen in Flammen auf, begleitet von sogenannten Feuerreden, die Autoren und Werke „wider dem Deutschen Geist“ diffamierten. Über 300 Philosophen, Wissenschaftler, Lyriker oder auch Romanciers waren betroffen. Ihre Werke wurden verboten, zeitgenössische Autoren verfolgt oder dazu verdammt, unter Zensur zu schreiben. An diese Zeit und an die Autoren will der Verein „Stolpersteine und Frenkelhaus in Lemgo“ erinnern und lädt dafür am Samstag, 10. Mai, dem offiziellen Gedenktag der Bücherverbrennung, zu der Lesung „Verbrannte Bücher - Lesung zum Gedenken an die Bücherverbrennung“ ein. Zwei Schauspieler werden aus Texten betroffener Autoren lesen. Gesa Schermuly und Janis Kuhnt gehören dem Ensemble des Stadttheaters Bielefeld an und bringen unter anderem Texte von Heinrich Mann, von Mascha Kaléko, von Kurt Tucholsky oder auch Ringelnatz zu Gehör. Erich Kästners Entsetzen am Feuer Auch aus dem „Buch der verbrannten Bücher“ werden sie lesen, in dem Volker Weidermann die damalige Zeit beleuchtet, erklärt, wie es zu den Bücherverbrennungen kam und was mit den Autoren geschah. Eindringliche Worte fand auch Erich Kästner. Als Augenzeuge verfolgte er, wie seine Bücher 1933 in Flammen aufgingen: „Ich stand vor der Universität eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. (...) Es war widerlich.“ Bedrückende Passagen, aber auch heitere und beflügelnde Texte werden die Schauspieler vortragen. „Uns war es wichtig, die Vielfalt darzustellen“, so Andi Wolff; gerade in den aktuellen Zeiten gehe es darum, an die vielen Autoren und ihre so ganz unterschiedlichen Werke zu erinnern und daran, dass Demokratie und Freiheit nicht selbstverständlich sind. Die Lesung beginnt am Samstag, 10. Mai, um 19 Uhr im Weserrenaissance-Museum. Einlass ist ab 18.30 Uhr. Zwischen den Lesungen gibt es musikalische Einschübe. Der Eintritt kostet fünf Euro. Karten im Vorverkauf gibt es bei Lemgo Marketing, in der Stadtbücherei und auch im Weserrenaissance-Museum. Annette Paschke-Lehmann und Detlef Höltke moderieren den Abend. Die Lesung findet im Rahmen der städtischen Veranstaltungsreihe „Erinnern, gedenken, gestalten“ anlässlich 80 Jahre Kriegsende statt.