Lemgo. 61 Schülerinnen und Schüler haben am Freitag ihre Abiturzeugnisse an der Karla-Raveh-Gesamtschule erhalten, acht weitere die Fachhochschulreife erlangt. 25 Prozent von ihnen hatten einen Einser-Durchschnitt, doch Noten standen an diesem Nachmittag gar nicht im Mittelpunkt. Schülerin Levke Julia Sieweke erinnerte in ihrer beeindruckenden Rede an ein den Schülern wichtiges Thema: mentale Gesundheit. „Hinter jeder Note steckt eine Geschichte. Schule sollte nicht ein Ort des Prüfens, sondern des Wachsens sein“, sagte sie. Weiter hieß es: „Wir stehen hier heute nicht mehr als SchülerInnen, aber auch noch nicht als Erwachsene - und vor einer ungewissen Zukunft.“ Die Heranwachsenden hätten gelernt, mit Widerständen umzugehen und sich durchzubeißen. Sieweke erinnerte auch an die Namensgeberin der Schule, die Jüdin Karla Raveh aus Lemgo, die den Holocaust überlebte. „Sie steht für das, was in dunklen Zeiten unserer Geschichte passiert ist. Ihr Leben ist Mahnung und Hoffnung zugleich. Und ihr Name steht für Respekt, Menschlichkeit und den Glauben an eine bessere und gerechtere Zukunft“, sagte die Schülerin. Mitschülerin Neele Naomi Seitz erinnerte an die vergangenen 13 Jahre an der Schule und sagte: „Aus Mitschülern wurden Freunde, und Lehrer waren nicht mehr nur Erwachsene, sondern auch Vertrauenspersonen. So entstand ein Wir-Gefühl und ein Ort, an dem man gemeinsam wächst.“ „Eigene Träume verwirklichen“ Schulleiter Bernd Hendig zeigte sich beeindruckt von den Reden der Schülerinnen und sagte vor der Zeugnisvergabe: „Als Jahrgang habe ich Sie heute nochmal anders kennengelernt. Noten sind gewiss Orientierung und Feedback, drücken aber keine menschlichen Kompetenzen aus. Ich hoffe, es ist uns gelungen, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch wie man sich menschlich verhält und Verantwortung übernimmt.“ Er wünschte den Schülerinnen und Schülern, dass sie sich handlungsfähig fühlen, ihre Träume und sich selbst verwirklichen und so ihre eigene Bucket-List abarbeiten können. Auch Landrat Axel Lehmann sprach ein paar Worte, ist der Kreis doch Träger der Schule. Er griff das Abi-Motto „Astrabi - jetzt kommt die wirklich weite Welt“ auf und zeigte sich beeindruckt vom großen sozialen Engagement der Schüler. „Sie haben gezeigt, dass Schule nicht nur ein Lern-, sondern auch ein Lebensraum ist, der nur funktioniert, wenn man sich einsetzt, respektvoll und lösungsorientiert ist. Das zeigt Reife und Charakter. Behalten Sie diese Haltung und Offenheit bei. Mögen Sie die Sterne in ihrem persönlichen Universum finden, die Sie leiten.“ Kurzer Schreckmoment Schulpflegschaftsvorsitzende Franziska Seitz-Bierbaum verglich die Schulzeit mit den verschiedenen Genres von Büchern: „Spannend wie ein Thriller, manchmal emotional wie ein Drama oder lustig wie eine Komödie - insgesamt ein Bestseller.“ Es gab Videos mit zahlreichen Fotos aus der Schulzeit von den Schülern und von den Beratungslehrerinnen Edda Nickel-Stegemann und Katharina Nolte-Arnold. Zur musikalischen Unterhaltung trugen unter anderem Abiturientin Livia Amelung und Lehrerin Kristin Herten bei. Sie sangen „Unwritten“ und „Dreams“. Die Schülerinnen Hanna Beuche und Maya Felice Kechter übernahmen die Moderation. Kurz nach der Veranstaltung gab es noch einen kleinen Schreckmoment, als die Feuerwehr in direkter Nachbarschaft zu einer brennenden Hecke ausrückte. Der Rauch war auch über den Schulhof gezogen. Anwohner und Hausmeister konnten das Feuer aber bereits selbst löschen.