Lemgo. Wie hat sich die Stadt entwickelt, was trieb die Lemgoer vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten an? Wichtige Informationen dazu liefern Akten, Aufzeichnungen und Fotos, die im Stadtarchiv vorliegen. Einmal im Monat sucht Stadtarchivarin Julia Plötzgen eine besondere Geschichte oder Anekdote heraus. Im „Archival von Juli/August“ geht es um die Gesundheitsvorsorge. Der zunehmende Verkehr stellte die Lemgoer 1925 hier vor besondere Probleme. Ein Sprengwagen sollte die Lage verbessern, doch der half zwar bei Staub, nicht aber bei anderen großen Hygiene-Problemen. Im Juli 1925 erreichte der Sprengwagen die alte Hansestadt. Lemgo hatte ihn für 430 Mark der Stadt Bochum abgekauft, die ihrerseits auf motorisierte Sprengwagen umgestiegen war. Zu modern damals noch für die Lemgoer, die sich mit der von Pferden angetriebenen Variante begnügten. Müll lagerte jahrelang Auslöser für den Kauf war laut Stadtarchivarin Julia Plötzgen ein Antrag des Ärztevereins Lemgo. Der hatte die Stadtverordnetenversammlung darauf aufmerksam gemacht, dass „die Staubaufwirbelung durch den Jahr für Jahr zunehmenden Automobilverkehr [ ] sich für die Anwohner und die Passanten der Hauptverkehrsstrassen der Stadt zur unerträglichen Belastung entwickelt“ habe. Außerdem würden die auf der Straße spielenden Kinder „bei trockenem Wetter den beständig aufwirbelnden Staub einatmen, [der] in die Augen, in die Nase und die Atmungswege [eindringe] und sicherlich der Ueberträger mancher Erkrankung“ sei. Der Sprengwagen diente also ab Juli 1925 in Lemgo der Gesundheitsvorsorge. Mit der ebenfalls vom Ärzteverein angesprochenen fehlenden „geregelten von der Stadt durchgeführten Müllabfuhr“ nahm es der Magistrat hingegen nicht so genau. Weder der angesprochene Gestank durch „Abfälle aller Art“ die „oft in grossen Ansammlungen hinter den Häusern [ ] Monate und selbst Jahrelang“ lagerten, noch der Verweis auf die „tausenden von Fliegen“ und die große Gefahr der Verbreitung von Krankheiten konnten die Ratsherren überzeugen. Von der Anschaffung eines städtischen Müllwagens oder auch der Müllabholung durch die Stadt nahmen die Ratsherren, so steht es im Protokoll, Abstand. Wer mehr über die Geschichte Lemgo erfahren möchte, wird fündig unter https://www.archive.nrw.de/stadtarchiv-lemgo