<p data-end="904" data-start="441">Detmold. Das Hermannsdenkmal ist nicht nur ein nationales Wahrzeichen mit langer Geschichte, sondern für viele Detmolder auch ein Identifikationssymbol. Wie stark die Stadt und ihre Bürger seit jeher mit dem Denkmal verbunden sind, zeigt eine <a href="https://www.lz.de/lippe/detmold/24116444_150-Jahre-Hermannsdenkmal-Ausstellung-beleuchtet-die-VerbindungDetmolds-zum-Monument.html">neue Ausstellung des Stadtarchivs im Rathaus am Markt</a>. Sie wurde am Mittwochabend von der stellvertretenden Bürgermeisterin Christ-Dore Richter und Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink eröffnet.</p> <p data-end="904" data-start="441">„Die Stadt und ihr Denkmal – das ist eine Beziehungsgeschichte mit vielen Facetten“, sagt Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink. Die neue Ausstellung stellt diese vielschichtige Verbindung zwischen Detmold und dem Hermannsdenkmal in den Mittelpunkt. Im Fokus stehe dabei vor allem jene Aspekte, die bis in die Gegenwart relevant geblieben sind: Wie wurde das Denkmal in verschiedenen Epochen gedeutet – und wie hat sich der Umgang damit verändert? Schon vor der Grundsteinlegung 1838 engagierten sich Detmolder Bürger für den Bau des Denkmals, informiert Sunderbrink. Die feierliche Einweihung 1875 war für die Stadt ein Ereignis von nationaler Bedeutung – und der Auftakt für eine enge symbolische Bindung. Detmold schmückte sich, beherbergte Gäste aus dem ganzen Reich und wurde weit über die Region hinaus bekannt. Es folgte ein regelrechter Touristenschub, von dem die Stadt und das Umland profitierten.</p> <p data-end="2343" data-start="1827">Auch bei späteren Jubiläen wie 1909 oder 1925 zeigte sich die Begeisterung der Bevölkerung in opulenten Festzügen, historischen Inszenierungen und großem Engagement. Doch mit der Geschichte des Denkmals verbinden sich auch Schattenseiten. Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Monument zunehmend zur Projektionsfläche für revanchistische und nationalistische Ideologien. Der 50. Jahrestag 1925 wurde, wie historische Fotografien belegen, von antidemokratischen Tönen und einem militaristischen Geist geprägt.</p> <p data-end="2846" data-start="2345">„Ein markanter Wendepunkt war das Ende der NS-Zeit.“, informiert Sunderbrink. 1945 wurde Detmold von amerikanischen Truppen eingenommen, die im Nachkriegsbericht sarkastisch vermerkten: „Hermann muss Tränen vergossen haben.“ In der Nachkriegszeit versuchte man in Detmold, dem Denkmal neue Bedeutung zu verleihen. So schlug Bürgermeister Moes 1950 vor, es zum Symbol der Deutschen Einheit zu erklären – doch die politischen Würdenträger lehnten ab. Bundespräsident Heuss erklärte offen, mit dem Denkmal könne er nichts anfangen.</p> <h2 class="Zwischenzeile">Leistung des Erbauers im Vordergrund</h2> <p data-end="3171" data-start="2848">„Die Stadt hat aus diesen gescheiterten erinnerungspolitischen Versuchen gelernt“, so Sunderbrink. In der Folge verlagerte sich der Fokus: Statt nationaler Symbolik rückte man die Leistung des <a href="https://www.lz.de/lippe/detmold/23023771_Der-Schoepfer-des-Hermannsdenkmals-im-fiktiven-Interview.html">Erbauers Ernst von Bandel in den Vordergrund</a> – eine Perspektive, die in der Nachkriegsgesellschaft gut ankam. Doch reicht das aus?</p> <p data-end="3713" data-start="3173">Die Ausstellung stellt genau diese Frage. Sie beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Denkmals, seine symbolische Aufladung im Kaiserreich, die Instrumentalisierung im Nationalsozialismus und die oft zögerliche Auseinandersetzung in der Bundesrepublik. Heute, 150 Jahre nach der Einweihung und 80 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft, bleibt das Hermannsdenkmal ein Ort der Erinnerung – aber auch der Debatte. Kann ein Denkmal mit nationalistischem Ursprung zum Friedenssymbol werden? Oder braucht es neue, regionale Formen der Aneignung? „Ein offener Umgang mit der komplexen Geschichte wäre sicherlich ein Fortschritt“, betont Sunderbrink. Die Ausstellung bietet dafür einen fundierten Einstieg – historisch präzise und zugleich mit Blick auf die Zukunft.</p>