Lemgo-Brake. Es sei ein ganz besonderes Projekt, eines, bei dem aus Büchern Erlebnisse werden. So beschrieb es Jörg Düning-Gast, Verbandsvorsteher des Landesverbandes Lippe am Dienstagvormittag. Bereits zum dritten Mal waren der bekannte Schauspieler Roman Knižka und das Ensemble Opus 45 im Weserrenaissance-Museum zu Gast - dieses Mal mit dem Programm „Dass ein gutes Deutschland blühe. Leben nach Kriegsende“. In den Zuschauerreihen haben rund 70 Schüler der Karla-Raveh-Gesamtschule aufmerksam die musikalische Lesung verfolgt. Aus der Geschichte zu lernen und Fehler nicht zu wiederholen, das sollte das erklärte Ziel sein, sagte Schauspieler Roman Knižka. Als „Opus 45“ beschreite er mit dem Bläserquintette, bestehend aus Musikern der Hamburgischen Staatsoper, der Dresdner Philharmonie, dem Beethoven Orchester Bonn und der NDR Philharmonie Hannover seit einiger Zeit disziplinübergreifende Wege. Demokratische Werte erkennen und verteidigen, das würden sie auf ihre ganz eigene Art machen und zwar mit gleich acht verschiedenen Programmen. Es war nicht direkt alles in Ordnung Am Dienstagvormittag widmete sich das Ensemble der Zeit vor, während und nach dem Kriegsende 1945 in Deutschland. Die Gedanken und Gefühle junger Soldanten an der Front, die Geschehnisse, nachdem die amerikanischen Soldaten Deutschland von Hitler befreit hatten, all das drückten sie mit vorgetragenen Texten und Musik aus. Dass nach dem Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 in Deutschland die Welt nicht plötzlich wieder in Ordnung war, das wurde den Schülern schnell klar, handelten die Geschichten doch von deutschen Flüchtlingen, die niemand aufnehmen wollte, von jungen Frauen, die von amerikanischen Soldaten geschändet wurden und daraufhin Selbstmord begangen oder von Menschen, die nur wenige Tage nach Kriegsende so taten, als sei nichts passiert und Konzerte und Kinovorstellungen besuchten. Wie etwa am 26. Mai 1945, als Leo Borchard als frisch ernannter Chefdirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters sein erstes Konzert im Berliner Titania-Palast gab. Das Quintett spielte daraufhin Felix Mendelssohn Bartholdys „Tanz der Rüpel“ aus der Schauspielmusik zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Lokale Bezüge Die Texte, etwa von Bertolt Brecht, Wolfgang Borchert oder Nelly Sachs, von Zeitzeugen und aus den Schützengräben gingen unter die Haut. Roman Knižka lieferte mit seiner Lesekunst die entsprechende Dramaturgie. Die Musiker transportierten mit ihrem perfekten Spiel stets die Stimmung der Geschichte. Und wie bei jeder Aufführung des Programms üblich, gab es auch einen Auszug aus der lokalen Geschichte, hier also von Lemgo. Selbstredend, dass auch Karla Ravehs Leben seinen Platz in diesen Ausführungen fanden. Dass Roman Knižka und das Ensemble Opus 45 bereits zum dritten Mal zu Gast waren, habe laut Museumsleiterin Silvia Hermann einen ganz einfachen Grund: „Es passt hervorragend in das Förderungsprogramm des Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!““, sagte sie. Außerdem sehe sie es auch als Aufgabe eines Museums, sich in dieser Angelegenheit zu engagieren.