Mit Frauen gibt es eine andere Politik

Thomas Dohna

  • 0
Politische Frauen: (von links) Ursula Niemeier (SPD), Kornelia Siebert (Gemeindeverwaltung), Barbara Lehne (SPD), Birgit Kampmann (Grüne), Peggy Balke (Verwaltung), Meike Kastner (SPD), Elke Hokamp (Verwaltung), Birgitt Psiorz, Meret John und Jacqueline Tockaja (Felix-Fechenbach-Gesamtschule im Bildungsausschuss) sowie die Gleichstellungsbeauftragte Cordula Wiemer engagieren sich für mehr Frauen in der Politik. - © Thomas Dohna
Politische Frauen: (von links) Ursula Niemeier (SPD), Kornelia Siebert (Gemeindeverwaltung), Barbara Lehne (SPD), Birgit Kampmann (Grüne), Peggy Balke (Verwaltung), Meike Kastner (SPD), Elke Hokamp (Verwaltung), Birgitt Psiorz, Meret John und Jacqueline Tockaja (Felix-Fechenbach-Gesamtschule im Bildungsausschuss) sowie die Gleichstellungsbeauftragte Cordula Wiemer engagieren sich für mehr Frauen in der Politik. (© Thomas Dohna)

Leopoldshöhe. Ursula Niemeier hat lange an der Schnittstelle von Verwaltung und Politik gearbeitet. Mit dem Eintritt in den Ruhestand engagiert sich die 69-Jährige als Sachkundige Bürgerin im Bildungsausschuss. 50 Jahre jünger ist Merrit John. Sie hat gerade erst mit der Politik angefangen, als Schülervertreterin im gleichen Ausschuss. Die beiden sind zwei von zwölf Frauen in der Leopoldshöher Kommunalpolitik. Sie wollen, dass es mehr werden.

Das Ziel hat auch Cordula Wiemer. Sie ist die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde. In ihrem bislang letzten Gleichstellungsbericht blickt sie recht zufrieden auf die Gemeindeverwaltung. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten sind weiblich. Auf der Ebene der Fachbereichsleitungen ist ein Gleichstand zwischen weiblichen und männlichen Führungskräften erreicht. In der Politik sieht das anders aus.

Fünf der zwölf Frauen haben ein Ratsmandat, die sieben anderen sind Sachkundige Bürgerinnen. Vier weitere Frauen sitzen beratend im Bildungsausschuss: Die Leiterinnen der Grundschulen und zwei Schülervertreterinnen für die Felix-Fechenbach-Gesamtschule (FFG). Keine der Frauen sitzt einem Ausschuss vor, ist stellvertretende Bürgermeisterin oder sitzt im Ältestenrat. Dennoch bewegen sie einiges. Ursula Niemeier zum Beispiel: Die Schulamtsdirektorin im Ruhestand schob in Zusammenarbeit mit der Diplom-Pädagogin Meike Kastner die neue Schulentwicklungsplanung an, in deren Folge alle drei Schulen Anbauten bekommen, um den bis dahin oft bestrittenen Raummangel zu bekämpfen.

Neue Blickweise

„Ich denke, dass Frauen aktiv werden sollten", meint Niemeier. Sie hätten aus ihrem Leben heraus oft einen anderen Blick auf die Gesellschaft als Männer. Das Engagement der Frauen in der Politik scheitere oft an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Frauen wollten zu oft alles zu 100 Prozent gut machen. „Bei dreimal 100 Prozent, Familie, Beruf und Politik sind sie dann zu 300 Prozent kaputt", stellt Niemeier fest. In der Öffentlichkeit zu stehen, verändere das eigene Selbstbewusstsein. Auch daran müssten die Frauen noch arbeiten.

Birgit Kampmann ist über die frühe Umweltbewegung in die Politik gekommen. Die Frauenquote bei den Grünen findet sie immer noch gut, sonst wäre die Besetzung der Ratsmandate bei den Grünen nicht so wie sie ist. „Viele Frauen können es nicht ab, wenn sie gegen einen Mann kandidieren müssen", hat sie beobachtet. Die 63-Jährige sieht in der derzeitigen Politisierung der Gesellschaft eine Chance, mehr junge Frauen in die Politik zu bekommen.

Zwei junge Frauen sind beratend im Bildungsausschuss. Sie vertreten die Schülerschaft der Felix-Fechenbach-Gesamtschule (FFG). Merrit John (19) und Jaqueline Tokaja (18) hatten sich im Workshop zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) der Gemeinde für die FFG engagiert. Eine Sitzung des Bildungsausschusses haben sie bisher mitgemacht. „Es war spannend", sagt Merrit John.

Cordula Wiemer hat bei den bisherigen Aktionen der Politik-Frauen interessierte Frauen kennengelernt, die sich gern für Leopoldshöhe engagieren wollen – aber nicht in den Parteien. Großes Interesse gebe es an der Broschüre, die die Frauen erstellt haben, um sich und die Möglichkeiten von Politik vorzustellen. Wiemer will noch mehr Aktionen auf die Beine stellen. Denn im Herbst 2020 ist Kommunalwahl.

Frauen in der Kommunalpolitik

Dem Rat der Gemeinde gehören fünf Frauen an: Barbara Lehne (SPD); Cornelia Risy und Claudia Birkmann (CDU), Birgit Kampmann und Heidrun Bode (Grüne). Hinzu kommen die Sachkundigen Bürgerinnen Meike Kastner und Ursula Niemeier (SPD), Renate Köster und Sabrina Birkmann (CDU), Nucan Aymandir und Ilse Werner (Grüne).

Zusammen sind sie in verschiedenen Ausschüssen: Haupt- und Finanzausschuss: Lehne, Risy. Rechnungsprüfungs- und Bilanzausschuss: Lehne. Ausschuss für Straßen, Plätze und Verkehr: Bode. Sozialausschuss: Lehne, Kastner, Risy, Köster, S. Birkmann, Kampmann, Aymandir. Bildungsausschuss: Kastner, Niemeier, Risy, S. Birkmann, Werner, Kampmann. Betriebsausschuss Wasser / Abwasser: C. Birkmann. Umweltausschuss: S. und C. Birkmann.
In den übrigen Ratsgremien sitzt keine Frau.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2019
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!