Leopoldshöhe. Was sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet hatte, ist nun offiziell: Die Kindertagesstätte Greste bleibt vorerst bestehen. Der Gemeinderat hat am Donnerstagabend einstimmig den Vorschlag der Verwaltung abgelehnt, die Kita zum kommenden Kindergartenjahr 2026/27 zu schließen. Statt einer schnellen Entscheidung setzen die Fraktionen auf eine umfassende Prüfung der gesamten Kitalandschaft in Leopoldshöhe. Eine abschließende Entscheidung soll im Oktober fallen. Das Interesse an der Ratssitzung war so groß, dass der Rat statt im Rathaus in der Aula der Felix-Fechenbach-Gesamtschule tagte. Eltern, Beschäftigte und zahlreiche Unterstützer der beliebten Kita füllten den Raum – die Anspannung war spürbar. Mehrere Anträge, die von den Fraktionen im Vorfeld eingereicht wurden, standen zur Diskussion. Den Vorstoß machte die Fraktion „Bürger für Leopoldshöhe“ (BFL) und forderte die Verwaltung auf, das Thema vor einer Entscheidung zunächst im zuständigen Fachausschuss für Bildung und Kultur zu beraten. Die CDU schlug darüber hinaus eine Arbeitsgruppe vor, die sich mit der Situation der gesamten Kitalandschaft in Leopoldshöhe befassen und einen tragfähigen Gesamtvorschlag erarbeiten soll. SPD und Grüne beantragten gemeinsam, die Schließung der Kita Greste auszusetzen, bis belastbare Daten zur künftigen Kitabedarfsentwicklung vorliegen – auch mit Blick auf Neubaugebiete wie die Brunsheide und das Möbel-Filies-Gelände. Wie auch SPD und Grüne forderte die PUB-Fraktion die Verwaltung auf, unverzüglich die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine kurzfristige Sanierung der Räume an der Dorfstraße 65b zu ermöglichen – mit dem Ziel, dass die Kita Greste dort wieder vollständig in Betrieb gehen kann. Schnell zeichnete sich ab, dass der Rat dem CDU-Vorschlag, eine Arbeitsgruppe zu bilden, – mit einigen Ergänzungen – folgen würde. Beschlossen wurde schließlich die Bildung einer Arbeitsgruppe zur gesamten Kitalandschaft in Leopoldshöhe. Parallel dazu soll die Verwaltung mit der Instandsetzung des Kita-Gebäudes beginnen. Außerdem sollen die baulichen Zustände aller kommunalen Kitas miteinander verglichen werden. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen im Oktober im Gemeinderat vorgestellt werden; die Beratungen sollen transparent begleitet werden. Als der einstimmige Beschluss feststand, brach in der Aula lauter Jubel aus. „Erleichterung pur – bei Eltern und Beschäftigten“, sagte der Vorsitzende des Fördervereins der Kita Greste, Tobias Schilling, am nächsten Tag im Gespräch mit dieser Zeitung. Alle seien sie überwältigt von dem eindeutigen Ergebnis. Förderverein und Elternbeirat hätten im Vorfeld intensive Gespräche mit allen Fraktionen geführt. „Unsere Argumente haben Gehör gefunden“, sagt Schilling und lobt den aus seiner Sicht sehr konstruktiven Austausch. Während die Ratsmitglieder im Anschluss noch zu einer kurzen, nicht öffentlichen Sitzung zusammenkamen, feierten Eltern und Beschäftigte draußen vor der Mensa bereits ihren Erfolg. Mit einem Banner mit der Aufschrift „Kita Greste soll bleiben, Kita Greste darf bleiben, Kita Greste muss bleiben“ machten sie ihrer Freude sichtbar Luft. Anlass zur Feier gab es gleich doppelt: Bereits am Dienstagabend war die Kita mit dem Courage-Kita-Preis ausgezeichnet worden. Die Courage-Initiative aus Bad Salzuflen setzt sich für Sterbe- und Trauerbegleitung ein und würdigt erstmals Kitas, die sich intensiv mit den Themen Trauer, Tod, Sterben und Emotionen auseinandersetzen und daraus eine gemeinsame pädagogische Haltung entwickeln. „Wir haben es geschafft“, sagte die Kita-Leiterin Claudia Schneider noch am Abend der Ratssitzung und kündigte lächelnd an: „Jetzt gibt es erst mal einen Sekt.“ Eltern, Förderverein, Beschäftigte und Kita-Leitung standen beisammen. „Einfach eine schöne Gemeinschaft“, fasste der Fördervereinsvorsitzende die Stimmung zusammen.