Missbrauch auf Campingplatz: Dimensionen werden immer monströser

Martin Krause und Martin Hostert

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Auf dem Campingplatz "Eichwald" in Elbrinxen soll es zu einem Missbrauchsskandals monströsen Ausmaßes gekommen sein. - © Vera Gerstendorf-Welle
Auf dem Campingplatz "Eichwald" in Elbrinxen soll es zu einem Missbrauchsskandals monströsen Ausmaßes gekommen sein. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Lügde-Elbrinxen. Jetzt sind es mindestens 29 Kinder: Die Dimensionen des sexuellen Missbrauchs durch drei Männer auf einem Campingplatz in Lügde werden immer monströser. Das Bielefelder Polizeipräsidium hat nun die Ermittlungen übernommen. Die neue Ermittlungskommission „Eichwald" werde wegen der großen Menge sichergestellter Daten zudem von Polizisten anderer Behörden unterstützt.

Jahrelang sollen Kinder auf dem Campingplatz „Eichwald" sexuell schwer missbraucht und bei der Herstellung von Kinderpornos eingesetzt worden sein. Der Hauptverdächtige, ein 56 Jahre alter alleinstehender Dauercamper und zwei weitere Männer im Alter von 48 und 33 Jahren sitzen in Untersuchungshaft.

Information
Telefonberatung für Opfer

Der Kreis Lippe schaltet eine Telefonberatung für Opfer und Angehörige. Unter 05231-621633 helfen geschulte Fachkräfte von 9 bis 18 Uhr.
Das SOS-Beratungszentrum Blomberg bietet im Rathaus Lügde Sprechstunden an. Die Termine: 6. Februar, 9 bis 12 Uhr sowie am 11., 18., 25. Februar und 4. März, jeweils 14 bis 16 Uhr.

Hinweisen 2016 nicht nachgegangen

Die Bielefelder Ermittler haben neben der Aufklärung des eigentlichen Missbrauchsfalls eine zweite Aufgabe: Laut Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter wird auch gegen die lippische Polizei ermittelt. Denn schon 2016 hatten sich zwei Tippgeber an die Polizei in Blomberg gewandt, weil sie den 56-Jährigen Camper als potenziellen Kinderschänder im Verdacht hatten – darunter ein besorgter Vater. Den Hinweisen sei damals aber nicht nachgegangen worden. Die Bielefelder Dienststelle für Amtsdelikte prüft daher den gegen die lippischen Kollegen bestehenden Vorwurf der Strafvereitelung im Amt.

Auch die Landesregierung ist eingeschaltet: Wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte, hat das Landeskriminalamt den Bielefeldern die Ermittlungsarbeit zugewiesen – in Abstimmung mit dem Innenministerium. Interne Ermittlungen würden nie von Kollegen aus dem eigenen Haus geführt, sagte er.

„Nicht optimale" Wohnverhältnis kein Indiz für Missbrauch

Der Kreis Lippe hat den Opfern und ihren Familien jede Hilfe zugesichert und eine Telefon-Hotline eingerichtet. Landrat Axel Lehmann (SPD) will eine vom Kreis unabhängige Hilfe anbieten, da auch die Arbeit des Jugendamtes Lippe ebenso wie die des Kreises Hameln-Pyrmont von der Staatsanwaltschaft untersucht wird. Sollte das Kreisjugendamt Fehler gemacht haben, würden diese Konsequenzen haben.

Verantwortlich für die Unterbringung eines heute achtjährigen Pflegekindes bei dem 56-jährigen Hauptbeschuldigten auf dem Campingplatz war der Kreis Hameln-Pyrmont. Landrat Tjark Bartels erklärte, das „nicht optimale" Wohnverhältnis sei kein Indiz für Missbrauch.
Lehmann und Bartels mahnten, nun die Ermittlungen abzuwarten. „Nach einer ersten Akteneinsicht passten Aussagen des besorgten Vaters aus dem Sommer 2016 und Polizeiakten nicht überein", so Lehmann. Der Landrat wiederholte Forderungen, die Polizei Lippe müsse aufgestockt werden: „Hier gibt es 1,1 Beamte auf 1.000 Einwohner, NRW-weit sind es 1,3."

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