Missbrauchsskandal auf Campingplatz: Zahl der Opfer steigt auf 31

Erol Kamisli und Janet König

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Der Campingplatz "Eichwald" in Lügde-Elbrinxen soll der Tatort von 31 Fällen sexuellen Missbrauchs gewesen sein.  - © Vera Gerstendorf-Welle
Der Campingplatz "Eichwald" in Lügde-Elbrinxen soll der Tatort von 31 Fällen sexuellen Missbrauchs gewesen sein.  (© Vera Gerstendorf-Welle)

Lügde/ Bielefeld. Im Fall um den jahrelangen Missbrauch auf dem Campingplatz "Eichwald" in Elbrinxen sind inzwischen 31 Opfer identifiziert worden, das teilen die Ermittlungskommission "Eichwald" und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Dabei handelt es sich um 27 Mädchen und vier Jungen, heißt es weiter. Die meisten Opfer sollen zur jeweiligen Tatzeit zwischen vier und 13 Jahren alt gewesen sein. Insgesamt sind bisher 63 weitere Hinweise bei der Hotline der Polizei eingegangen. Die Untersuchungen dazu dauern weiter an.

Mehr Personal für Ermittlungskommission "Eichwald"

Neben den Opferzahlen ist auch die Zahl der Ermittler gestiegen. Inzwischen sind 51 Beamte Teil der Ermittlungskommission "Eichwald", vergangene Woche waren es noch um die 20 Beamte. Dazu zählen auch Polizeibeamte anderer Behörden aus dem Regierungsbezirk Detmold sowie aus ganz NRW, heißt es weiter. Die IT-Auswertung findet dabei auch teilweise dezentral und nicht im Polizeipräsidium Bielefeld statt. Neben den Ermittlungen initiiert die Polizei Bielefeld Opferschutzmaßnahmen für die Geschädigten und bietet psychosoziale Unterstützung für eingesetzte Polizeibeamte an, heißt es weiter.

Ziel der Ermittlungskommission sei es, genügend Beweise für das Strafverfahren zusammenzustellen und mögliche weitere Opfer und Tatverdächtige zu identifizieren. Außerdem soll weiterer Missbrauch verhindert werden. Dazu finden aktuell IT-Auswertungen, Vernehmungen, Durchsuchungen und weitere Ermittlungsstrategien statt. Daneben ermittelt das Polizeipräsidium Bielefeld wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt gegen Polizeibeamte und wegen des Verdachts der Verletzung der Fürsorgepflicht gegen Mitarbeiter von Jugendämtern.

Ein Haftprüfungstermin steht an

Nach den Ermittlungen der lippischen Polizei befinden sich drei Männer - ein 56-Jähriger aus Lügde, sein 33-jähriger Komplize aus Steinheim und ein 48-Jähriger aus Stade - in Untersuchungshaft, weil sie im Verdacht stehen, Kinder über mehrere Jahre sexuell missbraucht und für Pornofilme benutzt zu haben. Durchsuchungen der lippischen Ermittler hatten zur Auffindung von zahlreichen Beweismitteln, darunter verschiedene Datenträger und Speichermedien, geführt. Die Polizei muss insgesamt 14 Terabyte Material sichten.

Für den 48-Jährigen aus Stade hat das Amtsgericht Detmold am Dienstag eine Haftprüfung angesetzt. Rechtsanwalt Jann Popkes aus Schlangen hat sie für seinen Mandanten beantragt, der 2010 und 2011 per Videochat dem Missbrauch auf dem Campingplatz in Lügde zugesehen haben soll. Popkes: „Er räumt die beiden Taten und den Besitz von Kinderpornos ein. Ich werde die Aufhebung des Haftbefehls beantragen."

Sein Mandant habe niemanden zum Missbrauch angestiftet. „Das haben die Haupttäter von sich aus getan", so Popkes. Er hoffe, dass sich der Haftrichter dem öffentlichen Druck nicht beuge. „Ohne die Taten der beiden Hauptverdächtigen wäre mein Mandant schon längst in Freiheit", meint Popkes. Die Verteidiger der anderen beiden Beschuldigten, Johannes Salmen und Jürgen Bogner, haben keine Haftprüfung beantragt. „Die hätte gegenwärtig auch gar keinen Erfolg", sagt Johannes Salmen aus Lage, der den Hauptbeschuldigten Andreas V. vertritt.

Wegen der laufenden Ermittlungen und um die Opfer zu schützen, werden derzeit zu einzelnen Hinweisen und Einzelsachverhalten sowie zur Herkunft der identifizierten Opfer keine Angaben gemacht. Das gilt auch für das persönliche Umfeld von Tatverdächtigen und Opfern. Interviewanfragen zu Hintergrundgesprächen mit Ermittlern werden ebenfalls zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt, da die Untersuchungen uneingeschränkt im Fokus stehen sollen.

Weitere Ermittlungsergebnisse von Staatsanwaltschaft und Polizei Bielefeld sollen in den nächsten Wochen regelmäßig in gemeinsamen Presseerklärungen zusammenfassend berichtet werden.

Alle Artikel zum Missbrauchsskandal in Lügde finden Sie hier.

Information
Das Hinweistelefon beim Polizeipräsidium Bielefeld ist unter Telefon 0521-5454215 erreichbar.


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