Missbrauchsfall Lügde: Weiterer Camper unter Verdacht - Parzelle wird durchsucht

Erol Kamisli und Janet König

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Die Parzelle des neuen Tatverdächtigen wird auf dem Campingplatz "Eichwald" durchsucht. - © Bernhard Preuss
Die Parzelle des neuen Tatverdächtigen wird auf dem Campingplatz "Eichwald" durchsucht. (© Bernhard Preuss)

Lügde-Elbrinxen/Detmold. Das flatternde Absperrband ist ein vertrautes Bild auf dem Campingplatz „Eichwald" in Elbrinxen – nur der Einsatzort der Spurensicherung ist ein unbekannter. Im Fall Lügde ist ein weiterer Camper in den Fokus der Ermittler gerückt. Der 57-Jährige soll wegen schweren sexuellen Missbrauchs unter Verdacht stehen. Während in Detmold der dritte Prozesstag verhandelt wird, suchen Beamte auf dem Platz nach Beweisen.

Der Einsatz soll gründlich sein. „Wir wollen nicht sieben Mal durchsuchen, sondern nur ein Mal", stellt Einsatzleiter Andreas Starken am oberen Rand des Areals klar. Rund 50 Meter Luftlinie liegen zwischen dem neuen Einsatzort und der Ex-Behausung von Mario S.. Der 57-jährige Camper zählte laut Polizeiangaben bisher nicht zu den Beschuldigten im Lügde-Komplex, erst durch die Vernehmung eines minderjährigen Opfers seien die Ermittler auf ihn aufmerksam geworden.

Nach LZ-Informationen soll es sich bei dem neuen Beschuldigten um einen langjährigen Freund von Mario S. handeln, dessen Enkelkinder teilweise selbst zu den Opfern im Fall Lügde zählen. Die beiden Steinheimer sollen sich einige Jahre eine Parzelle geteilt haben. „Er hat nach Marios Verhaftung nur noch schlecht über ihn gesprochen, darum bin ich echt überrascht", sagt ein Bekannter. Eine Mutter hatte den 57-jährigen Camper bereits im Sommer 2018 beschuldigt, ihre damals 15-jährige Tochter nach einer Gartenparty auf dem Platz vergewaltigt zu haben. Die Detmolder Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren damals aus Mangel an Beweisen eingestellt (die LZ berichtete). „Ich hoffe, jetzt unternimmt man endlich was gegen ihn", sagt die Mutter.

Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) soll auch die Wohnung des Verdächtigen, die sich im selben Haus wie die von Mario S. und seinen Eltern in Steinheim befindet, durchsucht worden sein. Das minderjährige Opfer, das den Hinweis gab, sei erstmals am Mittwoch befragt worden. Unmittelbar darauf hätten die Durchsuchungen begonnen. Für Campingplatz-Betreiber Frank Schäfsmeier nimmt der Albtraum kein Ende. Er sei von den neuen Durchsuchungen überrascht worden: „Plötzlich stand die Polizei hier, und alles geht wieder von vorne los."

Natürlich sind die neuerlichen Durchsuchungen auf dem Campingplatz Gesprächsthema bei Prozessbeteiligten. „Ich habe schon immer gesagt, dass wir bei den Tätern das Ende der Fahnenstange nicht erreicht haben", sagt Opferanwalt Peter Wüller. Jetzt müsse der gesamte Campingplatz auf den Kopf gestellt werden: „Mir kann doch keiner erzählen, dass Jahrzehnte lang keiner was gesehen oder gehört hat." Sein Kollege Roman von Alevensleben spricht von einem Moloch: „Ich bin mir sicher, dass noch weitere Tatverdächtige hinzukommen."

Überrascht zeigen sich auch die Rechtsanwälte Johannes Salmen und Jürgen Bogner, die die Angeklagten verteidigen. „Das Ganze erinnert mich an einen Sumpf, der dringend mal trocken gelegt werden müsste", sagt Salmen. Er gehe davon aus, dass die erneute Durchsuchung auf dem Campingplatz eine „reine Vorsichtsmaßnahme ist", sagt Verteidiger Jürgen Bogner. Die Ermittler stünden unter Druck und wollten sich nicht nachsagen lassen, dass Hinweise ignoriert worden seien. „3000 Seiten umfasst die Ermittlungsakte und auf keiner gibt es einen Hinweis auf diese Person deuten," erklärt der Verteidiger von Mario S.. Der jetzt neu Beschuldigte sei von den Ermittlern schon selbst als Zeuge vernommen worden.

Der dritte Prozesstag im Video

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