Gefährliche Asphalthügel auf Oerlinghauser Radwegen

Karin Prignitz

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Auf dem kombinierten Rad- und Fußweg zwischen dem Buchen- und dem Eschenweg hat sich Wolfgang Müller an einem der von Rissen durchzogenen Asphalthügel den Reifen seines E-Bikes demoliert. - © Karin Prignitz
Auf dem kombinierten Rad- und Fußweg zwischen dem Buchen- und dem Eschenweg hat sich Wolfgang Müller an einem der von Rissen durchzogenen Asphalthügel den Reifen seines E-Bikes demoliert. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Um etwas für ihre Gesundheit zu tun, haben sich Wolfgang Müller und seine Frau E-Bikes angeschafft. Vor allem in Oerlinghausen, dort, wo sie leben, wollen sie damit unterwegs sein und immer öfter auf das Auto verzichten. Schon bald aber haben beide festgestellt, dass die Fahrradfreundlichkeit in der Bergstadt deutlich zu wünschen übrig lässt.

Wolfgang Müller deutet auf den Vorderreifen seines E-Bikes. „Den musste ich gerade austauschen", sagt er. Anfang August war der 69-Jährige auf dem Radweg Richtung Helpup unterwegs und zack, war es passiert: Reifendecke durchgeschlagen, Schlauch kaputt. „Ich hatte Glück, dass nicht mehr passiert ist", sagt Müller. Ebenso gut habe er vor einem der dicken Eichenstämme landen können.

Auf der Strecke zwischen Buchen- und Eschenweg ist der Zustand des kombinierten Fuß- und Radweges besonders schlimm. Die Wurzeln der Eichen haben an mehreren Stellen das Pflaster nach oben gedrückt.

Tiefe Risse im Asphalt

Im Asphalt zeichnen sich große Risse ab. Offensichtlich hat es hier vor Jahren schon einmal Ausbesserungsarbeiten gegeben. Längst aber erheben sich wieder große Hügel, die gerade bei Dunkelheit nicht zu sehen seien. „Zumal die Strecke abends nicht beleuchtet wird. Wenn einer nicht auf diese Schäden gefasst ist, kann das schlimm ausgehen", gibt Müller zu bedenken.

Ein Mountainbikefahrer strampelt den Berg hinauf. Der niederländische Tourist Kees Versprille ist auf dem Weg nach Bad Essen. Hier in der Gegend habe er viele Schäden feststellen müssen. „Solche Risse und Erhebungen auf der Strecke sind sehr gefährlich", sagt er. Ursula Schmidtpott, die an der Bielefelder Straße wohnt, geht mit ihrem Hund Gassi. „Ich bin hier schon gestolpert, gestürzt und habe mich verletzt", berichtet die 74-Jährige.

Auch sie hat sich ein Elektrorad angeschafft, „aber in Oerlinghausen damit zu fahren, das ist mir viel zu gefährlich", sagt sie. Sie könne nicht verstehen, dass nichts unternommen werde, um die Schäden auszubessern. „Wenigstens ein Schild, das auf eine schlechte Wegstrecke hinweist, müsste doch erst mal aufgestellt werden", schimpft sie.

Allgemein schlechter Zustand der Straßen und Wege

Müller, der Platzwart auf dem Segelflugplatz Oerlinghausen ist, könne verstehen, dass viele Radfahrer auf die Detmolder Straße ausweichen. Insgesamt seien die Bedingungen in Oerlinghausen mies für Radler. Neben dem Kopfsteinpflaster, „das sowieso eine Katastrophe ist", gebe es kaum Strecken, die problemlos zu befahren seien. In der Südstadt beklagen Bürger schon lange den Zustand der Fuß- und Radwege.

Das neu gemachte Stück Stukenbrocker Weg Richtung Hellweg sei ein Anfang, meint Müller. Auch die Bahnhofstraße in Helpup sei eigentlich annehmbar, wenngleich man sich als Radfahrer auf dem vorgesehen Streifen neben den Autos auch nicht wirklich sicher fühle. Wolfgang Müller vermisst in der Stadt insgesamt Hinweise auf Radwege und hat weitere Mängel festgestellt. „Die Detmolder Straße ist viel zu eng", sagt er. Dort parken Autos auf beiden Seiten. Schon für den Begegnungsverkehr der Pkw sei es dort kritisch. Für Radfahrer erst recht.

Verbote gefährden Radfahrer

Auch an anderer Stelle sieht er Verbesserungsbedarf. „Wenn man vom Altenzentrum an der Robert-Koch-Straße kommt, darf man nicht auf dem Bürgersteig fahren", erklärt Wolfgang Müller. Warum der nicht teilweise freigeben werden könne, sei ihm unerklärlich. Ähnliches gelte für die Strecke am Freibad. Er zieht den Vergleich zu Hövelhof: „Da sind die Bürgersteige für Radfahrer freigegeben, teilweise mit Mittellinie." Warum das in Oerlinghausen nicht auch funktionieren sollte, hält er für nicht nachvollziehbar. Unter der Howe könnten Radfahrer eigentlich gut fahren, aber darauf gebe es überhaupt keinen Hinweis.

„Dort existiert auch gar kein Radweg", gibt Dirk Schäfer von der Stadt zu bedenken. Schäfer ist vor einigen Wochen mit dem Verkehrsbeauftragten des Kreises Lippe in Oerlinghausen unterwegs gewesen. Eine umfangreiche Vorlage zum Thema „Mobilität, zu Rad- und Gehwegen" sei erstellt worden.

„Es gibt vieles, was man kurzfristig umsetzen könnte", meint er an. Das sei auch dringend nötig, betont Müller. „Als ich noch überwiegend mit dem Auto unterwegs war, ist mir das alles nicht so aufgefallen", sagt er. Auch die Ratsmitglieder sollen sich auf ihre Räder schwingen und die Mängel begutachten.

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