Westlipper Gastronomen hoffen auf gutes Wetter und stabile Zahlen

Karin Prignitz

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Carsten Petersen, Christian und Timo Wenzel sowie Karin Petersen (von links) genießen es am Segelflugplatz, nach so langer Zeit wieder ganz ungezwungen bei kühlen Getränken draußen sitzen zu können. - © Karin Prignitz
Carsten Petersen, Christian und Timo Wenzel sowie Karin Petersen (von links) genießen es am Segelflugplatz, nach so langer Zeit wieder ganz ungezwungen bei kühlen Getränken draußen sitzen zu können. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen/Leopoldshöhe. Sieben Monate waren Restaurants, Kneipen und Cafés geschlossen. Jetzt dürfen sie mit Auflagen auch wieder ihre Innenbereiche öffnen. Die Redaktion hat sich exemplarisch bei einigen Betreibern erkundigt, wie sie die Zeit, in der sie keine Gäste begrüßen und in ihren Räumen bewirten durften, überstanden haben. Auf der einen Seite sind viele, die mit Existenznöten zu kämpfen hatten, froh, dass sie wirtschaftlich überlebt haben. Andere denken bereits langfristig und stellen sich auf die erhöhten hygienischen Anforderungen ein.

„Draußen sitzen, ein kühles Getränk genießen, den Flugzeugen zuschauen", schön sei das, beschreibt Christian Wenzel das lange nicht mehr gekannte Gefühl. Die pure Erleichterung sei es, dieses Stück Freiheit wieder leben zu dürfen. Mit seinem Sohn Timo und der Familie seiner Schwester aus Gütersloh ist der Oerlinghauser zum Flugplatzrestaurant „Check In" gekommen. Alle haben sich ein Plätzchen im Außenbereich gesucht. Einen Test brauchen sie dafür nicht vorweisen. In Gütersloh sei das noch ganz anders, erzählen Carsten und Karin Petersen. „Deshalb kommen wir gerne hierher."

„Ohne Arbeit, das ist nichts"

Zur-Post-Wirt Stefan Mise Pavic ist froh, dass die viele Freizeit ein Ende hat. - © Karin Prignitz
Zur-Post-Wirt Stefan Mise Pavic ist froh, dass die viele Freizeit ein Ende hat. (© Karin Prignitz)

Im Gasthaus „Zur Post" in Leopoldshöhe klingelt das Telefon. Essen wird bestellt und es wird nachgefragt, ob es noch freie Plätze gibt. Stefan Mise Pavic ist froh, dass sich wieder etwas Normalität einstellt. „Ohne Arbeit, das ist nichts", sagt der 66-Jährige. Was er in den vergangenen Monaten gemacht hat? „Durchs Dorf gelaufen" und viele Dinge entdeckt, die ihm vorher gar nicht aufgefallen waren, „denn ich arbeite ja sonst jeden Tag". Ungewohnt sei das gewesen, plötzlich so viel Freizeit zu haben. „Jetzt hoffen wir auf schönes Wetter und gute Zahlen", sagt Pavic. Drinnen dürfen zwar auch Gäste Platz nehmen, aber der Wirt hat festgestellt, „dass viele keine Lust haben, vorher einen Test zu machen".

Christoph Kubus von den „Altdeutschen Bierstuben" und seine Familie nutzen die Coronazeit, um sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. „Die Zahlen sinken, wir werden aber weiter mit Corona leben müssen", da ist sich Kubus sicher. „Deshalb sorgen wir jetzt schon einmal vor." Innen und auch rund um das Traditionsgasthaus wird seit März verschönert und umgebaut.

Die Grundgestaltung innen bleibe, betont der 55-Jährige, „es wird aber neue Toiletten geben". Die sanitären Anlagen insgesamt sind künftig kontaktlos mit Touch zu bedienen. Dadurch könne das Infektionsrisiko erheblich gesenkt werden. Im Außenbereich, vor allem im Biergarten, wir es komplett neue Tische und Stühle geben, zudem eine Markise, große Schirme und Heizmöglichkeiten.

Parallel läuft jeweils von freitags bis sonntags der Außer-Haus-Verkauf. Ob das am kommenden Wochenende auch so sein wird, steht noch nicht fest. „Wir wollen uns derzeit voll auf die Baustelle konzentrieren", sagt Christoph Kubus, „und gehen davon aus, dass wir Ende Juni fertig sind."

Schützenkönig Sebastian Boer (l.) und Betreiber Andreas Lazaridis sitzen im Biergarten des "Jägerhauses". - © Karin Prignitz
Schützenkönig Sebastian Boer (l.) und Betreiber Andreas Lazaridis sitzen im Biergarten des "Jägerhauses". (© Karin Prignitz)

Danach werden die „Altdeutschen Bierstuben", wenn es die Inzidenzwerte zulassen, innen und außen geöffnet sein. „Wir freuen uns schon darauf, wieder schöne Teller anrichten zu können und nicht nur alles in Schalen zu übergeben." Und die Gäste, „die freuen sich auch, mal wieder reinzukommen".

Im „Jägerhaus" an der Hauptstraße sitzen die Gäste unterm Blätterdach. „Es ist schön, endlich mal wieder draußen zusammensitzen zu können", sagt der nun im dritten Jahr amtierende Oerlinghauser Schützenkönig Sebastian Boer. „Draußen ohne, drinnen mit Test", so seien die Vorgaben, erläutert Betreiber Andreas Lazaridis. Schwierig werde es, wenn es anfange zu regnen. Wer dann nicht voll geimpft ist und keinen aktuellen Test vorweisen kann, muss draußen bleiben. Das Jägerhaus schließt deshalb momentan spätestens um 23.30 Uhr.

Im „Alten Krug" in Helpup suchten Gäste, die eigentlich für den Biergarten reserviert hatten, am Freitagabend tatsächlich schnell das Trockene, als ein Schauer niederging. „Alle mussten dann noch schnell ihren Test vorzeigen", berichtet Geschäftsführer Falk Schwarzenberger. „Wer keinen hatte, der nahm es sportlich, blieb unterm Schirm und wartete ab." Denn insgesamt seien „alle Gäste total happy, dass sie wieder kommen dürfen".

„Zumindest haben wir wirtschaftlich überlebt"

Das Team des Alten Kruges, sagt er, habe die Zeit „im Großen und Ganzen gut überstanden". Auch dank der November- und Dezemberhilfen. Natürlich sei das Arbeiten während der harten Einschränkungen „nicht das Schönste gewesen, aber zumindest haben wir wirtschaftlich überlebt", betont Schwarzenberger. Der Abholservice kam gut an. „Viele unserer Stammgäste haben das oft und gerne in Anspruch genommen", sagt er und ist dankbar für die Unterstützung. Auch dafür, dass die Kontakte nicht verlorengegangen sind.

Insgesamt seien im täglichen Arbeitsablauf „in den vergangenen sieben Monaten die Strukturen verändert" worden. Nun heiße es, die vor Corona gewohnten Abläufe wieder zu verinnerlichen. „Ein bisschen ist das wie Radfahren, man verlernt es nach längerer Pause nicht, muss es sich aber wieder ins Gedächtnis rufen."

Das beliebte Sonntags-Buffet wird es im Alten Krug „erst wieder geben, wenn die Inzidenzwerte stabil unter 35 liegen", kündigt Falk Schwarzenberger an. „Ich hoffe, wir können Ende Juni damit starten." Insgesamt sehen die meisten Wirte der zweiten Jahreshälfte optimistisch entgegen.

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