Britischer Soldat sucht seine Liebe in Oerlinghausen

Gunter Held

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1987 ist die Oerlinghauser Zeit für Ted Bradley bereits seit elf Jahren vorbei. Er ist, wie sein Vater vor ihm, selbst in die britische Armee eingetreten und zeitweise in Minden stationiert. - © Ted Bradley
1987 ist die Oerlinghauser Zeit für Ted Bradley bereits seit elf Jahren vorbei. Er ist, wie sein Vater vor ihm, selbst in die britische Armee eingetreten und zeitweise in Minden stationiert. (© Ted Bradley)

Oerlinghausen/Runcorn. Wer ist Karin L.? Manchmal liefert Facebook die schönsten Geschichten. Wie die von Ted Bradley, einem Briten aus Runcorn in der Nähe von Liverpool. Er schrieb in dem sozialen Medium von einer großen Liebe, die er Mitte der 70er Jahre in der Bergstadt kennen- und lieben gelernt hatte. Wenn Ted Bradley an Oerlinghausen denkt, dann denkt er an „lange Sommertage im Freibad mit dem schönsten Mädchen, das ich in meinen 63 Jahren kennengelernt habe".

Sogar ein selbst gestochenes Tattoo hat Bradley zur Erinnerung an das Mädchen Karin L., die jetzt 62 oder 63 Jahre alt sein müsste und mit der er nur ein Jahr lang zusammen war. Auf Facebook klingen seine Erinnerungen an die Bergstadt beinahe poetisch: „Oerlinghausen 1974 bis 1976 ist der Ort, an den ich in meinen Träumen von vergangenen Zeiten zurückkehre. Oerlinghausen ist die Zeit und der Ort, an den ich vor allem zurückkehren würde, wenn ich rechtzeitig reisen könnte."

Facebook-Community ist gerührt

Ende der 80er Jahre ist Ted Bradley Fallschirmspringer in der britischen Armee. - © Ted Bradley
Ende der 80er Jahre ist Ted Bradley Fallschirmspringer in der britischen Armee. (© Ted Bradley)

Die kurze Geschichte hat Facebook-Nutzer berührt. Bradley hat sogar das Angebot einer Unterkunft für eine Woche bekommen. Und er will tatsächlich nach Oerlinghausen kommen. Allerdings kann er noch nicht sagen, wann das sein wird. Im Februar 2021 hat er sich mit Corona infiziert und sechs Wochen im Krankenhaus verbracht, viel davon auf der Intensivstation.

So sieht Ted Bradley heute aus. - © Ted Bradley
So sieht Ted Bradley heute aus. (© Ted Bradley)

Nach drei Monaten Rekonvaleszenszeit zuhause, war er im August so weit genesen, dass er keine Sauerstoffflasche mehr benötigte. Er konnte sogar einem seiner Hobbys, der Kletterei, wieder nachgehen. Doch im November erwischte ihn das Virus zum zweiten Mal. Der Verlauf der Infektion war schlimmer als beim ersten Mal, so dass er selbst bei einfachen Spaziergängen zusätzlichen Sauerstoff braucht. Doch Bradley ist Optimist. Er arbeitet und ist voller Hoffnung, sich auch bald wieder ohne zusätzlichen Sauerstoff bewegen zu können.

Vater war Soldat

In den 70er Jahren war Bradleys Vater Soldat in der Rheinarmee. Während er in Deutschland stationiert war, wohnte die Familie in Bünde, in Berlin und in Bielefeld. Karin L. lebte in Oerlinghausen und sie wurde Ted Bradley von einem gemeinsamen britischen Freund vorgestellt, der Malcolm hieß.

Ted und Karin waren jung und ausgelassen. Sie haben in Karins Zimmer Musik gehört, mit Freunden abgehangen oder im Freibad gechillt. „Eine meiner schönsten Erinnerungen ist, dass ich 1976 mit Karin zum Dortmunder Rock Dream in die Westfalenhalle gegangen bin. Wir haben dort Caravan, Golden Earing, JJ Cale, Rainbow, die Scorpions und andere gesehen."

Herzschmerz beim Abschied von Karin

1976 wurde Bradleys Vater zurück nach Großbritannien beordert – die Familie musste natürlich mit. Die Freunde in Oerlinghausen und Bielefeld, er erinnert sich nur noch an die Vornamen Manfred, Hanno, Willi, Malcolm und Nick, zu verlassen, besonders aber, Karin L. zurücklassen zu müssen sei ihm sehr schwer gefallen.

„Ich musste mich in meinem Leben schon oft verabschieden,, aber ich kann ehrlich sagen, dass nichts so viel Herzschmerz verursacht hat wie dieser Abschied von Karin", berichtet er der Neuen Westfälischen. Die beiden blieben noch eine Zeit lang über Briefe in Kontakt, doch nach und nach verebbte der. „Es gab ja weder Facebook noch Handy damals", sagt Bradley.

Später Besuch

Doch vergessen konnte er die schöne Oerlinghauserin nicht. Ein Jahr nachdem er Bielefeld verlassen hatte, trat er selbst in die britische Armee ein, wurde nach Deutschland zurückgeschickt und in Minden stationiert. Eines Tages erhielt er den Auftrag, Ausrüstungsgegenstände für die Ripon-Kaserne in Bielefeld zu liefern. „Nachdem die Lieferung erledigt war, bin ich spontan nach Oerlinghausen gefahren. Es war lange her, seit Karin und ich uns das letzte Mal gesehen hatten, und ich weiß nicht, warum ich hingefahren bin. Ich hatte einfach das Bedürfnis.

Ich fuhr zu der Straße, an der Karin mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrer Großmutter lebte. Ich parkte mein Auto und saß einfach da. Obwohl ich wirklich zu ihr gehen und an ihre Tür klopfen wollte, wusste ich, dass es nach so langer Zeit das Falsche wäre. Also fuhr ich zurück nach Minden", erzählt Ted Bradley.

In den 40 Jahren, die dann folgten, war er verheiratet und wurde 2001, nach 17 Ehejahren geschieden. Bradley hat zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn, die mittlerweile selbst Kinder haben. Bradley hat sieben Enkelkinder. Er lebt jetzt mit einem Partner zusammen, der nach einer zweijährigen Trennung nach dem Krankenhausaufenthalt zu ihm zurückgekehrt ist und der sich selbst auch noch von der Corona-Infektion erholen muss. Nach 16 Monaten Krankheit und Rekonvaleszens arbeitet er jetzt wieder. Er ist als Patientenbetreuer für einen Medizinproduktlieferanten tätig. Er betreut eine große Anzahl von Patienten, die auf spezielle medizinische Geräte angewiesen sind.

Die Sehnsucht nach Oerlinghausen ist geblieben. Und wenn sich eine Frau in den Schilderungen wiedererkennt, kann sie sich gern an die Redaktion wenden. Wir würden dann einen Kontakt herstellen. Die Redaktion ist zu erreichen per E-Mail unter redaktion@lz.de oder unter Tel. (05207) 955523.

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