Toter Labrador: Urteil schlägt im Netz und bei Hundeverein hohe Wellen

Joern Spreen-Ledebur

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Partner mit der kalten Schnauze: Auch Labrador-Hunde zählen zu den treuen Begleitern tierlieber Menschen. - © Pixabay
Partner mit der kalten Schnauze: Auch Labrador-Hunde zählen zu den treuen Begleitern tierlieber Menschen. (© Pixabay)
Rahden/Espelkamp. Das Amtsgericht Rahden hat einen 34-jährigen Mann aus Pr. Oldendorf zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 20 Euro wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilt. Die Wellen schlagen hoch.

Der Mann, der als Hundetrainer arbeitet, hatte auf einem Hundeübungsplatz in Espelkamp einen knapp drei Jahre jungen Labrador durch Fußtritte so schwer verletzt, dass der treue Vierbeiner starb. Diagnostiziert wurden beim Labrador schwere innere Verletzungen, in der Anklage war von einer zerfetzten Leber die Rede. Ein Tierarzt konnte ebenfalls nichts mehr für das Tier tun.

Veterinäramt prüft mögliches Berufsverbot

Gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts hatten der Pr. Oldendorfer und sein Anwalt Einspruch eingelegt, der auf die Höhe der Strafe beschränkt wurde. Folglich ging es vor Gericht fast ausschließlich um die finanziellen Belastungen des Mannes. Über die eigentliche Tat wurde so gut wie nichts gesagt.

Hunde ausbilden darf der Mann nach dem Vorfall nicht, hatte das Veterinäramt entschieden. Dafür hat der 34-Jährige nun einen Mitarbeiter angestellt. Das Veterinäramt des Kreises Minden-Lübbecke prüft, ob gegen den Pr. Oldendorfer ein Berufsverbot verhängt wird.

Schäferhundfreunde haben mit Angeklagtem nichts zu tun

Im Kommentar war die Gesetzgebung für den Tierschutz in Deutschland als viel zu lasch und das Rahdener Urteil als nicht abschreckend kritisiert worden. Der Tod des Vierbeiners einer heimischen Familie und das Urteil des Rahdener Amtsgerichts sorgen für reichlich Gesprächsstoff im Lübbecker Land.

Entsetzt über die Tat sind die Mitglieder des Schäferhundvereins OG Espelkamp. Der Verein ist nach eigenen Angaben schon angesprochen worden, ob auf seinem Platz Hunde totgetreten würden. Der Schäferhundverein OG Espelkamp aber hat mit dem verurteilten Pr. Oldendorfer überhaupt nichts zu tun. Es gebe keinerlei Verbindung. Auf diese Feststellung legt der Vorstand des Vereins großen Wert. „Wir unterstützen jegliche rechtliche Schritte gegen Menschen, die Tiere quälen", sagte der Vorstand.

Leser sind angesichts des Urteils fassungslos

Bestürzt reagieren auch Bürger in den sozialen Netzwerken auf den Fall. Da vertraue man seinen Liebling einem Ausbilder an und dann passiere so etwas schreckliches, schreibt etwa eine Nutzerin auf der Facebookseite der NW Lübbecke. Eine andere Leserin berichtet, dass Hunde in ihrer Familie vollwertige Familienmitglieder seien. Fassungslos sei sie, dass der angeklagte Hundetrainer mit einer Geldstrafe „egal wie hoch" davonkommen solle.

Das Traurige sei leider die Tatsache, dass ein Tier immer noch bei Gerichten wie ein Gegenstand behandelt wird, hier sei der Fehler im System, merkt ein anderer Leser an. „Ein Tier ist vom Gesetz her gleich gestellt wie ein TV-Gerät oder ein Kleiderschrank. Traurig aber leider wahr! Hier haben unsere Politiker versagt und daher kommen auch diese Urteile!"

Harte Kritik am Gesetzgeber

„Tiere sind auch Lebewesen und keine Gegenstände", schreibt eine Facebook-Nutzerin. „Was sind das für Menschen, die Tieren so etwas antun?" Ein anderer Nutzer geht mit der Gesetzgebung ins Gericht. Laut der gelten Tiere in Deutschland als Sache. In Neuseeland sind Tiere als fühlende Wesen anerkannt. Selbst schlimmere Straftaten seien im Vergleich zu dem Schaden, den die Opfer und Hinterbliebene oft tragen müssten, ein Witz beziehungsweise nicht adäquat genug, merkt der Nutzer an. „Da werden Täter sogar noch verhätschelt...".

Auf die Rechtsprechung verweist auch eine Nutzerin der Facebookgruppe „Espelkamp ... hier geht was". Tiere seien eine „Sache" – sie hätten aber ein Herz, ein Backofen nicht. Unfassbar traurig sei der Fall, schreibt sie.

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