Bielefeld/Hannover. Der sogenannte „Maschseemörder“ wird aus der Haft entlassen und will nach Informationen dieser Redaktion in die Region OWL ziehen. Die Behörden sind offenbar alarmiert – denn der Mann soll nach wie vor als gefährlich gelten, heißt es aus Sicherheitskreisen. Der 37-Jährige stammt aus der Ukraine, kam im Kindesalter mit seinen Eltern nach Minden und verbrachte später einen großen Teil seiner Jugend in Kinderheimen, auf der Straße oder im Gefängnis. In Minden soll er an einer Messerstecherei beteiligt gewesen sein. Später erlangte er in der rechtsextremen Szene als sogenannter „NS-Rapper“ Prominenz. 2012 ermordete der Mann eine Prostituierte, die lange in Bielefeld lebte, zerstückelte die Leiche und versenkte die Überreste im Maschsee bei Hannover. Sie soll sich zuvor über seine rechtsextreme Gesinnung lustig gemacht haben. .responsive23-J6GRs5pBPA2twyb5-map-maschsee-moerder { width: 100%; padding-top: 100%; } @media (max-width: 600px) { .responsive23-J6GRs5pBPA2twyb5-map-maschsee-moerder { padding-top: 100%; } } @media (max-width: 360px) { .responsive23-J6GRs5pBPA2twyb5-map-maschsee-moerder { padding-top: 142.86%; } } „Maschseemörder“ wechselt in den normalen Vollzug Der Mann wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt sowie einer Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die Richter gingen von purer Mordlust als Motiv aus. Ihm wurde eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert, ausgelöst durch eine Persönlichkeitsstörung, weshalb er nicht „lebenslang“ in Haft musste. Eine anschließende Sicherungsverwahrung war nicht Teil des Urteils. Er wurde damals aber als extrem gefährlich beschrieben. Zeitweise stand die Vermutung im Raum, er habe eine weitere Frau umgebracht. Der Fall beschäftigte später auch den niedersächsischen Landtag: Der Mann sollte schließlich die Psychiatrie verlassen und in den normalen Vollzug wechseln. Das wurde 2021 auch umgesetzt, und er wurde in der JVA Sehnde bei Hannover untergebracht. In der Politik kamen deshalb Fragen auf. Im Mai endet die Haft des „Maschseemörders“ Das Ende der regulären Haftzeit ist für Ende Mai 2025 terminiert, dann hat er seine volle Strafe verbüßt. Eine vorzeitige Entlassung kam nicht infrage. Danach befindet er sich unter Führungsaufsicht und erhält bestimmte Auflagen. Welche das sind, blieb bisher unbeantwortet. Weder die Staatsanwaltschaft Hannover noch das Landgericht Hildesheim, das die Führungsaufsicht angeordnet hatte, äußerten sich dazu auf Anfrage dieser Redaktion. Generell dauert eine Führungsaufsicht mindestens zwei und höchstens fünf Jahre. Im Rahmen der Aufsicht kann der Verurteilte Anweisungen der Behörden erhalten. Dazu zählt beispielsweise eine Therapie, Abstinenz oder die Anweisung, Orte oder Gruppen zu meiden sowie bestimmte Tätigkeiten zu unterlassen. Verstößt der Verurteilte gegen die Auflagen, kann sogar eine Haftstrafe drohen. Ist er geläutert – oder weiterhin gefährlich? Diese Redaktion erfuhr, dass Sicherheitsbehörden in NRW den ehemaligen „NS-Rapper“ und Mörder als gefährlich bewerten. Außerdem gab es Indizien, wonach der „Maschseemörder“ entgegen früheren Berichten alles andere als geläutert sein soll – beispielsweise soll er sich in Briefen an die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ („HAZ“) entsprechend geäußert haben. Die Behörden gaben dazu mit Blick auf Persönlichkeitsrechte und die Resozialisierung keine Aussage ab. Jedoch könnten Aussagen des Sohnes des Mordopfers Aufschluss geben. Dieser berichtete der „HAZ“, der Täter habe in den vergangenen Jahren Bücher sowie Posts und Zeichnungen in sozialen Medien veröffentlicht. Diese, so der Bericht weiter, zeigen angeblich Gewaltdarstellungen wie Blut oder abgetrennte Gliedmaßen. Der Sohn sagte über den „Maschseemörder“: „Der dürfte im Leben nie mehr freikommen.“ Kriminologe Christian Pfeiffer: „Staat hält ihn im Blick“ Der Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer sagte dem NDR, es sei unklar, wie der Mann heute zu der Tat steht und ob er weiter Gewaltfantasien hegt. Aus seiner Sicht könne der Mann allerdings weiterhin ein gefährlicher Mensch sein. Denn es sei völlig offen, ob seine Therapie tatsächlich erfolgreich war. Pfeiffer betonte zudem, es gebe keinen Grund, „Alarm“ zu schreien, da der Staat ihn weiter im Blick behalten werde. Das wird Aufgabe der Polizei Bielefeld sein. Denn der verurteilte Mörder hat nach Informationen dieser Redaktion angegeben, in eine Stadt in Ostwestfalen ziehen zu wollen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Polizei sei alarmiert und ergreife Maßnahmen. Die Polizei Bielefeld wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Sie verwies an das Landgericht Hildesheim, das die Führungsaufsicht anordnete und sich ebenso wenig äußern wollte.