Harsewinkel. Als Lena Peter die schockierende Nachricht erhält, sitzt ihre Mutter neben ihr. Beide hören die Worte des Arztes. „Sie brauchen ein neues Herz.“ Die 22-Jährige beginnt, zu weinen. Auch ihrer Mutter laufen Tränen über die Wangen. Ein neues Herz. Und jetzt? Lena Peter kann sich noch ganz genau an den Moment Anfang des Jahres erinnern. Er hat sich in ihrem Gedächtnis eingebrannt. „Ich war im ersten Moment maßlos überfordert und unsicher“, sagt sie und ergänzt dann: „Aber ich habe mir schnell gedacht, dass der Arzt auch hätte sagen können, dass man mir gar nicht mehr helfen kann. Es hätte also noch schlimmer kommen können.“ Junge Frau geht wegen Migräne zum Arzt Bis zu ihrem 18. Lebensjahr war Lena Peter topfit. „Mir ging es immer gut“, berichtet sie, „ich war gesund und alles war in Ordnung.“ Dann bekam sie plötzlich Probleme mit Migräne. Immer wieder plagten sie extreme Kopfschmerzen. Ein Kardiologe sollte schließlich klären, ob die Migräne-Anfälle mit Betablockern unterdrückt werden können. Bei der damaligen Untersuchung stellte der Mediziner zufällig fest: Lena Peter leidet unter einer Verdickung der Herzspitze. „Damals hieß es aber, dass das nicht weiter dramatisch ist.“ Erst als die Auszubildende zur Bürokauffrau 2022 an einer Lungenembolie erkrankte und sich ihr Herz davon nicht erholte, wurde ihr bewusst, wie dramatisch die Diagnose des verdickten Herzmuskels ist. Kraftlosigkeit, Übelkeit, ständiges Erbrechen, Ohnmacht. „Mir ging es teilweise so schlecht, dass ich nicht mal kleinste Wege zurücklegen konnte.“ Das Problem: Durch ihre Herzschwäche wird zu wenig Blut durch ihren Körper gepumpt. Als sie plötzlich auch noch Wasser im Bauch hatte und unter akuten Bauchschmerzen litt, handelten die Ärzte sofort. Sie machten deutlich: Lena Peter ist auf eine Organtransplantation angewiesen. Mitten in der Nacht klingelt plötzlich das Telefon Nach zahlreichen weiteren Untersuchungen und Krankenhausaufenthalten wurde sie im Mai 2025 schließlich auf die Organspende-Liste gesetzt. Und damit begannen das Warten und die Zeit der Ungewissheit. Denn wie lange es dauerte, bis ein passendes Spenderherz für Lena Peter bereitsteht und ob es überhaupt dazu kommt, war unklar. „Man hat mir gesagt, dass es durchaus auch mehrere Jahre dauern kann, aber dass ich mich ständig bereithalten soll.“ Die 22-Jährige packte vorsichtshalber eine Kliniktasche. Dass der entscheidende Anruf schon ein paar Wochen später kommen würde, damit hatte Lena Peter nicht gerechnet. „Es war am 25. Juni um 3.37 Uhr“, sagt sie und grinst, „ich war sofort hellwach, als mein Handy klingelte und wusste, es geht los.“ Tatsächlich wurde ein passendes Herz für Lena Peter gefunden. Noch in der Nacht wurde sie ins Herzzentrum in Bad Oeynhausen eingeliefert. Am nächsten Morgen folgte die stundenlange Operation. Wer hat ihr das Herz gespendet? Von wem das Spenderherz ist, weiß Lena Peters nicht. Nur dass sie oder er an dem Tag gestorben ist, als sie den für sie lebensrettenden Anruf bekam. Die Organspende ist und bleibt anonym. Die 22-Jährige kommt damit gut zurecht. Vielleicht sogar besser, als wenn sie wüsste, wessen Herz sie nun in sich trägt, sagt sie heute selbst. „Ich spüre das Herz mehr als früher.“ Und: Ihre Hände, Füße und Nasenspitze sind seit der Transplantation plötzlich warm. „Das ist ein tolles Gefühl. Früher war mir immer kalt“, sagt sie und grinst. 22 Tage war die frühere Hobby-Handballerin und leidenschaftliche Reiterin nach der Operation im Krankenhaus. Immer wieder wurde sie untersucht. Schließlich stand fest: Es gibt keine Abstoßungsreaktion. Lena Peters Körper hat das neue Herz akzeptiert. Zwar bleibt das Risiko eines Abstoßens bestehen, vor allem im ersten Jahr nach der Transplantation, aber mit Medikamenten steuert Lena Peter dagegen. Thema Organspende soll präsenter werden Mittlerweile ist sie wieder zu Hause. Sie liebt es, endlich wieder länge als ein paar Minuten mit ihrem Freund spazieren gehen zu können. Auch der ersten Joggingrunde fiebert sie schon jetzt entgegen. „Ich bin gelassener und lebe bewusster“, sagt sie jetzt. Noch in diesem Jahr möchte sie ihre Ausbildung fortsetzen. Die Gespräche mit ihrem Arbeitgeber laufen bereits. „Ich bin dem Spender oder der Spenderin sehr dankbar, dass er oder sie auch an andere gedacht hat. Durch diese Entscheidung kann ich weiterleben. Ich lebe jetzt quasi für zwei Menschen.“ Sie wünscht sich, dass das Thema Organspende noch präsenter wird. „Jeder sollte sich damit auseinandersetzen und für sich eine Entscheidung treffen und diese auch kommunizieren.“ In Notfällen müssten Familienangehörige sonst in emotionalen Ausnahmesituationen oft schnell entscheiden, ohne zu wissen, was der Verstorbene gewollt hätte. „Es kann jeden treffen und darüber sollte man sich im Klaren sein.“