Gütersloh. Wohin steuert das Miele-Werk Gütersloh? Wie wird es künftig noch ausgelastet sein? Darüber laufen seit Monaten Gespräche. Am Donnerstag trafen sich Vertreter der Geschäftsleitung, der IG Metall und des Betriebsrates zu einem neuen, ungewöhnlichen Format: einer „Fishbowl-Diskussion“. Dieses Format, so Miele, sei im Rahmen des Zukunfts- und Tarifvertrages vereinbart worden. Fishbowl ist eine Methode der Diskussionsführung. Es trägt seinen Namen nach der einem Goldfischglas ähnelnden Sitzordnung und hilft, geordnet in größeren Gruppen zu diskutieren. Die Veranstaltung stand unter der Überschrift: „Das Gütersloher Werk wird kein Industriemuseum“. Die IG Metall und ihre Vertrauensleute wählten diese Überschrift nicht nur aus Gründen der Zuspitzung: Vertrauenskörperleiter Dirk Weltring sagte, der Umbau in Gütersloh sei in vollem Gang. Von den 700 Stellen, die Miele in sein Waschmaschinenwerk nach Polen verlagern will, sei inzwischen die Hälfte weg. „Tatsächlich ist es bislang eher ein Abbau als eine Verlagerung“, sagt Weltring. Es handele sich um Mitarbeiter, die vorzeitig ausscheiden, in den Ruhestand gehen. Miele hatte ein Programm zum freiwilligen Ausstieg mit durchaus großzügigen Abfindungen vereinbart. Lesen Sie auch: Unternehmer aus Gütersloher Miele-Familie bei bekannter TV-Show: „Liebe es, zu gewinnen“ Absatz bei Miele entwickelt sich anders als erhofft Dass der Personalabbau relativ zügig vonstattengehe, liegt laut Weltring auch daran, dass sich der Absatz nicht so gut entwickele wie erhofft. Das gelte generell für weiße Ware und somit auch für andere Hersteller. Umso wichtiger sei es, gemeinsam mit der Geschäftsleitung tragfähige Konzepte zu entwickeln, die Miele stärken. Der Dialog sei freundlich und konstruktiv. Das zeige auch die Fishbowl-Debatte. Sie fand in der „Zink Factory“ statt, einer früheren Werkshalle, die mit Besprechungsräumen, Leinwänden und Sitzgelegenheiten für solche Veranstaltungen geeignet ist. Im mittleren Ring, der Arena, nahmen unter anderem Rebecca Steinhage, Personalchefin und Mitglied der Geschäftsleitung, sowie Patrick Loos von der Bezirksleitung der IG Metall NRW Platz. Die Unternehmerseite war noch mit weiteren Führungskräften aus dem technischen und dem Personalbereich vertreten, die Beschäftigtenseite mit rund 40 Vertrauensleuten der IG Metall und Betriebsräte. „Wir wissen es sehr zu schätzen, dass Miele sich auf ein solches Format einlässt und sich unseren Fragen stellt“, sagt Patrick Loos. Alle seien bestrebt, in Gütersloh, aber auch in den anderen Werken möglichst viele Fertigungsoptionen zu erhalten. Auch interessant: Unternehmen Miele aus Gütersloh präsentiert weltweit einzigartigen neuen Grill Standortgarantien gelten bis Ende 2028 Miele bezeichnete die Fishbowl-Diskussion in einer Stellungnahme als „Teil eines normalen Prozesses, in dem wir die Beschäftigten regelmäßig über die Veränderungen bei Miele informieren und im Dialog mit allen Beteiligten nach konstruktiven Lösungen für die aktuellen Herausforderungen suchen“, so eine Sprecherin. Ein Teil davon sei auch der „Zielbildprozess“, in dem Miele bis Ende des Jahres Zielbilder für alle Standorte definieren wolle. Weltring nennt diesen Vorgang einen „echten Kulturwechsel“. Eine derart enge Einbindung der Belegschaft sei neu. Er besagt, dass man für jedes Werk Perspektiven erarbeitet, wo es hingehen soll – und zwar gemeinsam mit den Beschäftigten. An manchen Standorten, so Weltring, sei der Prozess bereits fortgeschritten. Konkret läuft die Beteiligung so, dass an jedem Standort Workshops stattfinden, vorbereitet von kleinen Teams aus IG Metall, Betriebsrat und Arbeitgeber, moderiert von einem Unternehmensberater. Das Ergebnis der Gespräche lässt Miele offen Die Workshops dauern drei bis vier Stunden. Die Werkleiter stellen dort ihre Strategie vor, die Funktionsleiter leiten daraus abteilungsscharf die Folgen ab. So bekommt die Belegschaft einen Überblick, was wo geplant ist. Daran anknüpfend, wird diskutiert: Was wird benötigt, wo liegen die Probleme, wie setzt man um? Diese Vorschläge fließen in die weitere Zielbildung ein. Zu welchem Ergebnis all diese Gespräche führen, ist noch offen. Miele sagt, sich nicht zu Zwischenständen und Inhalten äußern zu wollen. Man werde am Ende des Prozesses informieren.