Rechnet sich im Raum Köln die Nutzung von Erdwärme aus großen Tiefen? Um dies herauszufinden, startet bald eine Forschungsbohrung im Kölner Stadtteil Dellbrück. Der Geologische Dienst NRW will dabei auf dem Gelände eines ehemaligen Sportplatzes bis zu 1.000 Meter tief bohren.
Die Geologen wollen dabei Kalkgestein untersuchen, in dem durch Hohlräume Wasser fließen und sich erwärmen kann. «Je tiefer diese Gesteine vorkommen, desto wärmer ist darin enthaltenes Wasser, womit man heizen könnte», teilte die Behörde mit. Die Ergebnisse fließen in die Entscheidung ein, ob in der Region künftig die sogenannte tiefe Geothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden kann.
Warmes Tiefenwasser gibt Wärme an Fernwärmenetz ab
Das liefe dann so ab: Das warme Wasser wird aus der Tiefe an die Oberfläche gepumpt. Dort gibt es seine Wärme über Wärmetauscher etwa an ein Fernwärmenetz, an Industriebetriebe oder Gewächshäuser ab. Das abgekühlte Wasser wird über eine zweite Bohrung dann wieder in die Tiefe gebracht. Vorteil: Das warme Tiefenwasser steht immer zur Verfügung, wetterunabhängig auch im Winter.
Für genaue Analysen, ob sich das Kalkgestein als sogenanntes geothermisches Reservoir eignet, werden die Bohrkerne an die Erdoberfläche geholt. Untersuchungen soll es auch im Bohrloch selbst geben. «An diesem Standort haben wir die Möglichkeit, den Massenkalk in den oberen 1.000 Metern zu untersuchen», erklärte Projektleiter Ingo Schäfer.
Die Forschungsbohrung dauert zwei bis drei Monate
Bei der Forschungsbohrung spielt Umweltschutz eine wichtige Rolle, betont der Geologische Dienst. So gebe es technische Schutzvorrichtungen für das Grundwasser, aber auch Lärmschutzmaßnahmen für die Nachbarn. Für die eigentlichen Bohrarbeiten und das Fördern der Bohrkerne veranschlagen die Geologen zwei bis drei Monate.
Sollte sich der Untergrund als geeignet herausstellen, wird das Bohrloch trotzdem nicht zur Wärmegewinnung genutzt, sondern wieder verfüllt. Der Grund: Eine Forschungsbohrung erfüllt nicht die technischen und rechtlichen Anforderungen einer Produktionsbohrung, erklärt die Behörde. Außerdem: «Für eine echte geothermische Wärmegewinnung würde man eher einen Standort wählen, an dem der Kalkstein tiefer liegt und damit wärmer ist», so Schäfer.
Konkrete Planungen in Münster
In Nordrhein-Westfalen gibt es zwar schon oberflächennahe Geothermie, aber anders als etwa in München noch keine Tiefengeothermie. In NRW sind die Planungen dafür nach früheren Angaben des Geologischen Dienstes am weitesten in Münster fortgeschritten. Ein «Masterplan Geothermie» sieht mehrere Forschungsbohrungen bis Ende 2028 vor. Ziel ist es, bis 2045 rund 20 Prozent des Wärmebedarfs durch Geothermie zu decken.
Im vergangenen Jahr hat der Geologische Dienst bereits eine erste tiefe Forschungsbohrung in Krefeld vorgenommen. Die Forscher fanden heraus: Die wasserführende Kalksteinschicht dort ist deutlich mächtiger und ergiebiger als zuvor angenommen. «Das sind sehr gute Voraussetzungen für die Nutzung von Geothermie in der gesamten Region», lautete ein Fazit nach der Bohrung. Die Bohrung in Köln ist jetzt die zweite Tiefbohrung im Rahmen des Projekts «Geowärme – Wir erkunden NRW».
Bis 2028 soll es auch in Mönchengladbach eine Forschungsbohrung geben. Ist sie erfolgreich, soll das Bohrloch anschließend - anders als jetzt in Köln - für die dauerhafte Wärmegewinnung genutzt werden.