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Sparkurs der Kirche

Kirche im Rheinland muss trotz Rekordeinnahmen sparen

Die Evangelische Kirche im Rheinland tut sich nicht leicht mit ihrem selbstverordneten Sparkurs. Die Landessynode hat einige Kürzungspläne der Kirchenleitung gestoppt. So fallen nach einem Beschluss des Kirchenparlaments die Einschnitte etwa bei der Flüchtlingsarbeit oder bei der Unterstützung von Menschen in Notlagen weniger stark aus als geplant.

Das Geld müsse nun an anderer Stelle im Kirchenhaushalt eingespart werden, sagte Oberkirchenrat Henning Boecker. Wo das möglich sei, werde geprüft. Durch die sinkende Zahl der Kirchenmitglieder rechnet die Landeskirche bis 2060 mit einem drastischen Rückgang ihrer Kirchensteuerkraft um 65 bis 74 Prozent.

Die rheinische evangelische Kirche ist mit gut zwei Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Landeskirche in Deutschland. Ihr Gebiet umfasst Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland.

Sparen bei Wohnheimen und kirchlichen Schulen

Als eine wichtige Sparmaßnahme im Landeshaushalt will die Kirche im Rheinland die von ihr betriebenen Studenten-Wohnheime abstoßen. Bislang finden in den Häusern 381 Studierende Platz - bis 2030 will die Kirche die Wohnheime aufgeben und möglichst an andere Träger übergeben.

Auch bei den zehn evangelischen Schulen der Kirche, die von 7.400 Kindern und Jugendlichen besucht werden, wird gespart. Derzeit bezuschusst die Landeskirche die Schulen mit knapp zehn Millionen Euro im Jahr. Für einen großen Teil dieser Summe sollen in Zukunft die Eltern der Schülerinnen und Schüler mit einem freiwilligen Beitrag aufkommen.

Auch die Diakonie muss künftig mit weniger Geld für ihre Arbeit auskommen. Die Landessynode hat beschlossen, 20 Prozent weniger an das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe zu überweisen.

Die Kirche müsse wegen der sinkenden Mitgliederzahlen mit weniger Ressourcen auskommen, betonte Präses Thorsten Latzel. Trotzdem wolle man weiter für andere da sein. «Wir sind weiter engagiert für die Gesellschaft und vor allem für die Schwächsten der Gesellschaft», versicherte er.

2025 bringt Rekord bei Kirchensteuer-Einnahmen

Entgegen dem langfristigen Trend hat die Evangelische Kirche im Rheinland 2025 sogar noch einmal Rekordeinnahmen bei den Kirchensteuern verzeichnet. Das Steueraufkommen sei um 7,7 Prozent auf 802 Millionen Euro gestiegen. Der Grund dafür seien vor allem Einmaleffekte bei den Abgaben, die Kirchenmitglieder auf ihre Kapitalerträge zahlen. Vor der Einführung von Zöllen durch die USA im April 2025 hätten viele Kapitalanleger ihre Aktiendepots umgeschichtet - und dabei Gewinne realisiert, auf die Steuern fällig wurden, erklärte Boecker.

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