Auf Schloss Brake wird die Ausstellung "Mach’s Maul auf" eröffnet

Barbara Luetgebrune

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Machen Druck: Dietmar Arends, Anke Peithmann, Dr. Heiner Borggrefe und Dr. Vera Lüpkes (von links). - © Barbara Luetgebrune
Machen Druck: Dietmar Arends, Anke Peithmann, Dr. Heiner Borggrefe und Dr. Vera Lüpkes (von links). (© Barbara Luetgebrune)

Lemgo-Brake. Martin Luther mag seine 95 Thesen vor 500 Jahren ja durchaus in Wittenberg angeschlagen haben - „durchgesetzt worden ist die Reformation allerdings an Weser, Werra und Fulda", sagt Dr. Heiner Borggrefe. Das ist eine in dieser Form neue Erkenntnis, die der Vize-Museumschef und sein Team in der Ausstellung „Mach’s Maul auf" im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake und dem umfangreichen Begleitband beleuchten. Die Vernissage beginnt am Sonntag, 3. September, um 11.30 Uhr.

„Die Reformation war eine politische Entscheidung", sagt Borggrefe. „Landgraf Philipp von Hessen war das politische Gesicht der Reformation. Ohne ihn hätte es die Reformation, wie wir sie heute kennen, nicht gegeben." Landgraf Philipp von Hessen habe neben Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg und den Räten der Städte Bremen und Braunschweig die neue Konfession, deren Einführung mit viel Gewalt, Aufruhr und Bilderstürmen einher gegangen sei, bereits Mitte der 1520er Jahre durchgesetzt.

„In diesem Windschatten konnten sich die Regionen nördlich von Hessen viel leichter zu Reformation bekennen", so Borggrefe. In Sachsen geschah das erst 1539. Damit sei der Weserraum die Region, in der sich die Reformation zuerst entfaltete. Damit das geschehen konnte, so der Kurator, musste erstmals die Trennung von Kirche und Politik stattfinden. „Im Grunde ist das die Geburt des säkularen Staates – hier im Weserraum ist er entstanden."

Eine fulminante Ausstellung mit sensationellen Leihgaben hätten Borggrefe und sein Team geschaffen, lobte Museumsdirektorin Dr. Vera Lüpkes. Wichtige wissenschaftliche Unterstützung kam von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, als weitere bedeutende Partner nannte sie das Gemanische Nationalmuseum Nürnberg und das Georg-Eckert-Institut Braunschweig.

Ein Höhepunkt der Schau, die zuerst ein Bild der vorreformatorischen Zeit zeichnet, in der die Gläubigen vor Fegefeuer und Höllenqualen zitterten, sei das berühmte Porträt Martin Luthers im Original, gemalt und handsigniert von Lucas Cranach dem Älteren. Es gibt ein Gemälde von Ludger tom Ring dem Jüngeren, einer Leihgabe der Staatlichen Museen zu Berlin, das den Mindener Superintendenten Herrmann Huddaeus zeigt. Schlösser und Kirchen haben ihre Schatzkammern geöffnet und dem Museum wertvolle Exponate zur Verfügung gestellt.

Sie alle zeichnen die kulturellen, politischen und kulturellen Bedingungen der Reformation im Weserraum nach. Veranschaulicht werden diese auch durch Medien wie Touchscreens, Hörstationen und Filme.
Stichwort Medien: „Die Reformation hat sich nur durchsetzen können, weil es die neuen Medien der Lutherzeit gab, Buchdruck und Bilderdruck. Sie haben zu einer viralen Verbreitung der neuen Lehre geführt", sagt Borggrefe.

Landesverbandsvorsteherin Anke Peithmann hob die Aktualität des Themas angesichts der heute nach wie vor bedrohten Glaubensfreiheit hervor - und dankte der Lippischen Landeskirche für die „wunderbare Kooperation". Landessuperintendent Dietmar Arends betonte die kirchliche Kernbotschaft der Reformation: „Der Mensch muss und kann sich nicht selbst rechtfertigen. Er lebt in der von Gott geschenkten Freiheit."

Umfangreiches Begleitprogramm

Den Katalog zur Schau mit 200 Seiten und vielen farbigen Abbildungen sehen die Macher als Handbuch zur Reformation im Weserraum. Sonntags um 15 Uhr und mittwochs um 17 Uhr gibt es Führungen. Ein umfangreiches Programm und viele museumspädagogische Angebote begleiten die Ausstellung, die bis zum 7. Januar läuft. Alle Infos: www.machs-maul-auf.de.

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