Video: Biologen untersuchen das Fischsterben in der Bega nach dem Großbrand

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Bad Salzuflen-Schötmar. Viele tote Fische im Wasser: Ein Team von Wissenschaftlern untersucht den Fischbestand in der Salzufler Bega. Kontrolliert werden die Bestände vor und hinter dem Ort des Großbrands an der Ladestraße. Dabei wird Strom ins Wasser geleitet. Die Sorge um die Tiere ist gewaltig. Wir haben die Fachleute mit der Kamera begleitet. Das Video gibt es oben zu sehen.

Jennifer Hermann leitet von einem kleinen Boot Strom in die 
Bega. Warum tut die 
Diplom-Biologin das? Sie macht damit die Muskeln von Fischen kurzfristig lahm, die nach oben treiben und dann durch ihre Kollegen Fabian Fester und Jan Eikerling registriert werden, um anschließend wieder davon schwimmen zu können. Die „Volkszählung" hat einen ernsten Hintergrund: Das Team des Büros für Umweltplanung, Gewässermanagement und Fischerei (BUGeFi, Bielefeld) soll herausfinden, was der Großbrand in einer Doppelhalle am Bahnhof Schötmar Ende September mit dem Fischbestand an der Bega angerichtet hat.

„Wir haben große Sorgen", sagt Axel Straube, Gewässerwart des Sportfischervereins Bad Salzuflen. Nach wie vor ist der Abschnitt von der Ladestraße am Schötmaraner Bahnhof bis zur A 2-Autobahnbrücke am Sportplatz in 
Ahmsen für die Mitglieder und Vereinsaktivitäten gesperrt. Rund 80 Angler sind laut Straube in dem Bereich normalerweise aktiv. „Für uns ist das Ganze eine Katastrophe nach der Katastrophe – mit völlig ungewissem Ausgang", sagt Straube.

Seine Mitstreiter und er befürchten, dass durch das Großfeuer und die daraus folgende unkontrollierte Einleitung von Löschwasser jahrelange Naturschutzarbeit in die Bega zerstört worden ist. „Allein in unser Eigenvermehrungsprogramm für die Bachforelle haben wir unzählige Stunden im Ehrenamt investiert", so Straube. Dabei streifen Mitglieder des Sportfischervereins bei laichreifen Fischen vorsichtig die Eier ab. Die zwei Zentimeter großen Brütlinge werden nach dem Ausbrüten ins Wasser gesetzt, damit sich die Bachforelle (Fisch des Jahres 2005) vermehrt. „Von allein passiert das leider nicht in ausreichendem Maße, weil die Bega auch ohne den Großbrand schon genug belastet ist", sagt Straube.

Wie steht es jetzt um den Fischbestand in der Bega?

„Belastbare Ergebnisse können wir erst in zwei bis drei Wochen präsentieren", sagt 
Diplom-Biologe Dr. Andreas Hoffmann. Der erfahrene Gewässerexperte leitet die Untersuchung des Bielefelder Büros. Das Team im Boot trifft jedenfalls auf Fische – auch in dem Bereich, in dem während des Brandes der Löschschaum eingeleitet wurde. Dieser ist zwar biologisch abbaubar, entzieht aber dem Wasser Sauerstoff. Mit der Folge, dass Fische und die für sie wichtigen kleinen Bodenlebewesen ersticken.

Das ist in Folge des Großbrandes in Schötmar auf jeden Fall in der Bega passiert. Mitglieder des Sportfischervereins fanden in den Tagen danach viele tote Fische. Die Frage lautet, wie weit sich die „Todeszone" zieht. Deshalb wird von dem Biologenteam auch der weitere Verlauf der Bega über die Einmündung in die Werre in Höhe des Bega-Bads hinaus untersucht.

Die bereits im ersten Abschnitt angetroffenen Fische sind im Übrigen kein Beweis, dass es auch in Höhe der Ladestraße Überlebende des Großbrandes und seiner Folgen gibt. Die Tiere können von nicht betroffenen Abschnitten der Bega stammen und sich erst seit kurzem an der Stelle befinden. Deswegen untersucht das Biologenteam auch den Bestand oberhalb des Orts der Brandkatastrophe.

Eine weitere Untersuchung der Wasserqualität wird es übrigens nicht geben. Das vorläufige Ergebnis der Proben, von denen die ersten bereits am Morgen nach dem Ausbruch des Feuers aus Bega und Werre entnommen wurden, hat laut Torsten Kraatz, Abteilungsleiter Gewässer bei der Stadt Bad Salzuflen, keine besorgniserregenden Werte ergeben. Deshalb hätten sich Kreis und Stadt abgestimmt, auf weitere Untersuchungen des Wassers in Bega und Werre zu verzichten.

Anders beim Fischbestand: Den überprüft in dieser 
Woche das BUGeFi-Team im Auftrag der Stadt – vor allem wegen des Einsatzes von Löschschaum.

„Ich glaube, dass es nicht so schlimm ist", sagt Biologe Dr. Hoffmann und blickt auf die Bega. Um im selben Atemzug einzuschränken: „Wie es genau aussieht, müssen aber erst die Untersuchungen zeigen."

Information

15.000 Liter Löschschaum


Laut Angaben von Daniel Hobein, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bad Salzuflen, sind in Schötmar 15.500 Liter Löschschaum eingesetzt worden, um das Großfeuer zu ersticken. Aktuell ist die Wehr dabei, die angefallenen Einsatzstunden zu ermitteln. Alle Schläuche, die vor Ort von lippischen Einheiten im Einsatz waren, sind mittlerweile im Feuerwehrausbildungszentrum des Kreises in Lemgo-Brake gewaschen worden. Bei dem Einsatz ist eine Pumpe der Bad Salzufler Feuerwehr durchgebrannt.

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