Bad Salzuflen-Schötmar. Auf die Frage nach seiner Lieblingsecke muss Dr. Stefan Wiesekopsieker nicht lange überlegen. Es ist das Schloss Stietencron an der Schlossstraße in Schötmar. Es begleitet ihn seit seiner Kindheit. Geboren wurde Wiesekopsieker 1964 im Krankenhaus in der Heldmanstraße, aufgewachsen ist er an der Asper Straße. Schon in jungen Jahren interessierte sich der spätere Historiker und Lehrer am Rudolph-Brandes-Gymnasium für Geschichte. „Und das Schloss ist natürlich ein geschichtsträchtiger Ort“, sagt er. In den 1970er Jahren befand sich in dem imposanten Bau eine Nebenstelle der Stadtbibliothek. „Mit der Büchereikarte hatte man also Zugang ins Innere“, erinnert sich Wiesekopsieker. Heute beherbergt das Gebäude die Städtische Musikschule – doch hinter den Sandsteinmauern verbirgt sich eine über 350-jährige Geschichte, die eng mit dem Ort Schötmar und der Region Lippe verbunden ist. Was als Rittergut begann, wurde zum Familiensitz adliger Familien, überstand Kriege, Umbauten und Eigentümerwechsel – und blieb bis heute ein markantes Zeugnis lippischer Kulturgeschichte. Die Geschichte des Ritterguts Schötmar beginnt mit dem Obristen Simon Moritz von Donop, der das Gut 1664 begründete. Militärische Karriere „Dieser hatte während des Dreißigjährigen Krieges eine glänzende militärische Karriere gemacht, die er in Friedenszeiten im Dienste der lippischen Landesherren als Rat und Landdrost fortsetzen konnte“, berichtet Wiesekopsieker. Ausgestattet mit einem gewissen Vermögen, erwarb von Donop Anfang der 1660er Jahre den Schötmaraner Kirchspielkrug samt Privilegien. Bald darauf kaufte er weitere Ländereien hinzu, wodurch sich ein ansehnliches Besitztum ergab. 1831 übernahm die Familie von Stietencron das Gut. Johann Friedrich Carl Gustav von Stietencron, der zuvor als Drost in Hannover tätig war, erwarb das gesamte Anwesen. Unter Margarethe von Stietencron, geborene von Lengerke, wurden kurz vor dem Ersten Weltkrieg umfangreiche Umbauten vorgenommen. Dazu gehörte eine neue Eingangshalle mit einem Kamin und einem imposanten Treppenhaus, weshalb der Haupteingang von der Nord- auf die Südseite verlegt wurde. 1949 kaufte die damalige Stadt Schötmar das Anwesen für 240.000 DM. Dazu gehörte natürlich auch der Park. Weitläufiger, als man meint „Der ist viel weitläufiger, als man auf den ersten Blick meint, und stellenweise schön verwinkelt“, sagt Wiesekopsieker. Ein Kapitel lippischer Erinnerungskultur, zu dem er geforscht hat, ist ebenfalls mit dem Areal verbunden: das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, das sich ab 1922 an der südöstlichen Ecke des Parks befand. Finanziert durch Spenden und initiiert von einem Denkmalbauverein, sollte es einen Ort des Gedenkens für die „gefallenen Helden der Amtsgemeinde“ darstellen. „Überraschend schnell konnte die Frage gelöst werden, wo das Denkmal errichtet werden sollte, da Hartwig von Stietencron die dem Marktplatz zugewandte Ecke seines Schlossparks für das Projekt zur Verfügung stellte“, so Wiesekopsieker. Das Denkmal bestand aus einer Figurengruppe des Bildhauers Hartwig Bornemann und vier Steinplatten mit den Namen der Gefallenen. Es wurde Anfang der 1960er Jahre abgerissen, als das nahe gelegene Mausoleum, unter dem drei und vor dem sechs Angehörige der Familie Stietencron bestattet sind, zur neuen zentralen Gedenkstätte beider Weltkriege umgestaltet wurde. Mausoleumskeller Da die Grabstätte im Keller des Mausoleums zusehends verfiel und sich Unbefugte immer mal wieder Zugang verschafften, wurden die sterblichen Überreste der Stietencrons zu Beginn der 2000er Jahre dort noch einmal ordnungsgemäß bestattet und die Zugänge erneut zugemauert. Sechs Grabplatten erinnern vor dem Mausoleum an die Verstorbenen der Familie Stietencron. „Allerdings werden die Gräber von der Stadt, die zuständig ist, so gut wie nicht gepflegt. Das finde ich sehr bedauerlich, alles macht einen lieblosen Eindruck“, sagt Wiesekopsieker. Denn seine Biografie und die des Schlosses sind bis heute eng miteinander verbunden. Trug das Schloss in seiner Kindheit und Jugend einiges dazu bei, später Geschichte zu seinem Studienfach zu machen, so setzt er sich heute als Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Bad Salzuflen (HVV) für die Bewahrung der Erinnerung an die Vergangenheit des Gebäudes und des Parks ein, beispielsweise hat der HVV dort Bäume gepflanzt und Wiesekopsieker am „Tag des offenen Denkmals“ dort Führungen gegeben.