Bad Salzuflen-Lockhausen/Bielefeld/Leopoldshöhe-Asemissen. Es gibt Bauprojekte, die offenbar unter keinem guten Stern stehen. Dazu zählt wohl auch der Lückenschluss der Ostwestfalenstraße, der Landesstraße 712 n. Das rund 2,6 Kilometer lange Verlängerungsstück zwischen dem heutigen Ende in Lockhausen und der Herforder Straße auf Bielefelder Gebiet (B 61) sollte mit dazugehöriger Brückenquerung über die Milser Straße bereits in diesem Sommer fertig sein. Doch anstelle einer hohen Brücke befindet sich dort ein tiefes Bauloch mit unfertigen, vor sich hin rostenden Stahlbetonfundamenten. An diesem Zustand wird sich in den nächsten Wochen nicht viel ändern. Ein Anwohner, dessen Grundstück direkt an die Baustelle angrenzt, berichtet, dass seit Februar dieses Jahres die Arbeiten stillstehen. Sämtliche Baufahrzeuge sind abgezogen worden. Die beauftragte Baufirma aus Beckum sei insolvent, habe er gehört. Eine Nachfrage in der Bielefelder Niederlassung von „Straßen.NRW“, die die Firma mit dem Bau beauftragt hatte, bestätigt die Vermutung des Anwohners. Neue Baufirma wird gesucht „Die verbliebenen Arbeiten an der Maßnahme L 712 n Ostwestfalenstraße werden neu ausgeschrieben, da die ausführende Baufirma insolvent ist und die Straßen NRW-Regionalniederlassung Ostwestfalen-Lippe den Bauvertrag deshalb gekündigt hat“, sagt Maximiliane Plöger von „Straßen.NRW“. Bereits im vergangenen März berichtete der „Westfälische Anzeiger“, dass das betroffene Unternehmen von einem Insolvenzverwalter übernommen worden sei. Wichtige Aufträge, darunter der Weiterbau der Ostwestfalenstraße samt Brücke, sind der Firma dadurch weggebrochen. Das Unternehmen ist mittlerweile von einer Gruppe übernommen worden. Die Mitarbeiter sollen ihre Jobs behalten, hieß es in dem Zusammenhang. Diese Tatsache ändert allerdings nichts an der Neuausschreibung für den Weiterbau der Ostwestfalenstraße. Wann die Arbeiten wieder aufgenommen werden, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden, heißt es weiter von „Straßen.NRW“. „Die Ausschreibungen sind in der Vorbereitung“, sagt Plöger dazu. Wann diese allerdings fertig sind, konnte nicht beantwortet werden. Und dann muss zunächst noch eine Baufirma gefunden werden, die den Auftrag annimmt. Es bleibt zu vermuten, dass dieser Prozess noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. Provisorische Ampelanlage Seit Monaten wird der Verkehr am betreffenden Bauabschnitt über eine provisorische Baustraße an dem großen Loch mit einer Ampelanlage umgeleitet. Den Anwohner der Baustelle, der anonym bleiben möchte, stört der Stillstand nicht. „Es ist momentan wieder schön ruhig, da keine Lastwagen die Baustelle anfahren“, sagt er. Die Befürworter des Bauprojekts, die durch das Teilstück auf eine baldige Umleitung des gesamten Verkehrs von der Ostwestfalenstraße aus auf die Herforder Straße hofften, müssen sich weiter in Geduld üben. Bereits von Beginn der Planungen an wurde das Bauprojekt, dass mittlerweile ein Volumen von rund 34 Millionen hat – veranschlagt waren einst 17 Millionen –, torpediert. Nachdem 2014 die Planfeststellung erfolgt war, gab es eine Klagewelle. 2017 wies das Verwaltungsgericht Minden drei Klagen zurück, da die gesamte neue Trasse nicht zu beanstanden sei. Zu einem späteren Zeitpunkt kamen Streitigkeiten wegen zweier Grundstücke hinzu, die im Besitz der Stadt Bielefeld waren. Schlussendlich hatte „Straßen.NRW“ die Grundstücke von der Leineweberstadt erhalten. Nachdem im Herbst 2023 die Bauarbeiten an der Brücke endlich begonnen hatten, stehen sie nun auf unbestimmte Zeit still. Auch B66n ist betroffen Die Insolvenz der Beckumer Baufirma beeinträchtigt auch andere Projekte des Landesbetriebs Straßenbau („Straßen.NRW“). So ist auch der Ausbau der B 66 n in Höhe Asemissen betroffen. Hier geht es konkret um eine neue Brücke über die Bundesstraße, die die Gewerbestraße mit der Detmolder Straße (K15) verbinden soll. Wie im Fall des Weiterbaus der Ostwestfalenstraße hat „Straßen.NRW“ diesen Vertrag nach der Insolvenz gekündigt. In der Folge musste auch diese konkrete Bauleistung erneut ausgeschrieben werden. In Kürze sollen diese Arbeiten beginnen, so ?„Straßen.NRW“. Darüber hinaus sei es unter anderem aufgrund der Corona-Pandemie und des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sowie wegen witterungsbedingter Einschränkungen zu Verzögerungen gekommen. Die Gesamtmaßnahme in Höhe Asemissen soll voraussichtlich Anfang 2027 fertiggestellt sein.