Der Rat der Stadt Bad Salzuflen hat am Mittwochabend die dritte stellvertretende Bürgermeisterin der AfD abberufen. Die falsche Entscheidung, meint LZ-Redakteur Sven Kienscherf. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein (später) Erfolg der Ratsmehrheit, ist bei genauer Betrachtung genau das Gegenteil. Nämlich ein Sieg für die AfD. Sie kann sich nun als verfolgte Unschuld präsentieren, die von den „Systemparteien“ von den ihr zustehenden Posten ferngehalten wird. Zumindest bei ihren Sympathisanten dürfte das verfangen, möglicherweise aber auch über diesen (nicht ganz kleinen) Kreis hinaus. Denn auch wenn man die Rechtsaußenpartei ablehnt und alles, für das sie steht, muss man fairerweise sagen: In diesem Fall hat sie nicht ganz unrecht. „Wählen, bis das Ergebnis passt“ – so müsste das Stück heißen, das die Ratsmehrheit hier am Mittwoch aufgeführt hat. Dass es nicht schief ging und mehr als die erforderliche Zweidrittelmehrheit für eine Abberufung Reinknechts zustande kam, dürfte auch viel Druck, Versprechungen und Spucke innerhalb und zwischen den übrigen Fraktionen zuzuschreiben sein. Das ging offenbar so weit, dass drei Ratsmitglieder, die nicht der AfD angehören und die noch vor zwei Wochen Reinknecht ihre Stimme gaben, nun für ihre Abberufung stimmten. Ob die Ratsmehrheit der AfD wirklich gewachsen ist, muss sie erst noch beweisen. Fest steht, dass die Partei mit 13 Sitzen im Rat über erhebliches Störpotenzial verfügt, wenn sich die anderen uneins sind.