Blomberg. So manche Schule hat die landesweite Absage des Präsenzunterrichts am Montag auf dem falschen Fuß erwischt. Teils tauchten technische Probleme auf, die an die ersten Corona-Tage erinnerten. Teils schwänzten Schüler die eiligst einberufenen Videokonferenzen. Teils gabs die nicht einmal, sondern Aufgabenblätter zum Herunterladen. Vollends digital unterwegs war die Sekundarschule Blomberg, die schon Freitag, als das Wetter ebenfalls unwägbar schien, freiwillig auf „online“ geschaltet hatte. Der Grund: Die Sekundarschule ist beim Thema regelmäßig am Ball. Mindestens einmal im Quartal gibt es an der Blomberger Ulmenallee einen „Digitalen Tag“, betont Jenny Wolf als Digitalisierungsbeauftragte. Selbst dann, wenn Wetter oder Infektionsgeschehen völlig unauffällig sind. Rektorin Monika Precker verweist auf den entsprechenden Beschluss der Schulkonferenz vor etwa zweieinhalb Jahren. Digitaler Alltag im Stundenplan Nach der neuen NRW-Verordnung zum Distanzunterricht 2022 hatte die Sekundarschule mit „Digitalen Wochen“ experimentiert, gelandet ist sie inzwischen bei der Ein-Tages-Variante, dafür ein Mal im Quartal. Dann gilt, wie Lehrer André Kahle sagt, der ganz normale Stundenplan. Verlagert wird er aber komplett ins Digitale. Damit nicht immer die gleichen Fächer online laufen, wechseln die Wochentage, betont Kahle. „Auch Sport soll zum Beispiel mal online unterrichtet werden, was durchaus eine Herausforderung kann“, sagt der Pädagoge, der selbst Sport gibt. Fünftklässler Naeven Lindow berichtet: „Wir hatten sogar mal Schwimmen am „Digitalen Tag“. Da haben wir die Baderegeln ganz genau gelernt.“ Auf jeden Fall sei es etwas Besonderes einmal im Jahr und „sogar ein bisschen aufregend“. Das gelte natürlich auch für Lehrer, die unterschiedlich digital affin sind, wie Precker einräumt. Fairness und gleiche Chancen Auf eine Basisfähigkeit der Zukunft zu verzichten, sei in Absprache mit der Elternschaft trotzdem nicht infrage gekommen, nachdem Corona kein Grund für Distanzunterricht mehr war. Fairness ist für Precker das Stichwort. So wie bei Glatteis nicht nur die Schüler unterrichtet werden sollten, bei denen der Schulbus fährt, sollten nach Meinung der Rektorin nicht nur die Schüler digital fit sein, die dies vom Elternhaus her mitbekämen. Also schrieb die Sekundarschule ihr Konzept für den „Digitalen Tag“, das sie sich bei niemandem abgucken konnte, „weil wir das so sonst nirgends gefunden haben“, unterstreicht André Kahle. Und nun war die Aufregung gering, als der Freitag und Montag von jetzt auf gleich auf der digitalen Schulplattform unterrichtet werden sollten. „Wir sind auf solche Krisensituationen vorbereitet, weil wir es einfach regelmäßig üben“, sagt Digitalisierungsbeauftragte Wolf. Weniger Ablenkung, mehr Fokus Schüler, die zu Hause nicht mindestens ein Tablet haben (ein Smartphone soll aufgrund dessen Größe nicht verwendet werden), können mithilfe der Medienscouts ein Gerät ausleihen. Während das Heben und Senken der virtuellen Hand schon Fünftklässler beherrschen, die den Distanzunterricht der Corona-Zeit noch gar nicht an der Schule miterlebt haben, zeigten sich bei genauem Blick sogar echte Stärken des digitalen Unterrichtens, sagt Precker. Gruppenarbeiten zum Beispiel ließen sich so hervorragend in Kleingruppen organisieren, betont Jenny Wolf. Außerdem sei die Lehrerin oder der Lehrer jederzeit ansprechbar - wie im Klassenraum. Für André Kahle fällt auch die Ablenkung geringer aus als vor Ort. Denn viele Kolleginnen und Kollegen entscheiden sich dafür, dass nur der Pädagoge alle sieht, die Schüler sich untereinander aber nicht. „Es wird weniger Quatsch gemacht“, sagt Kahle. Und manch in der Klasse eher stille Schüler entpuppt sich online als echter Leistungsträger. Notbetreuung bleibt verfügbar Auch Marlon Levi sieht die regelmäßigen „Digitalen Tage“ positiv. Schon alleine, weil viele zwar auf dem Handy daddeln, aber „sonst nicht sinnvoll auf dem Tablet oder Computer arbeiten“. Wenn man das Ganze weiterdenke, meint André Kahle, könne man sogar darüber nachdenken, dass ein erkälteter Kollege lieber per Videokonferenz unterrichte, als möglicherweise andere anzustecken. Er selbst hat Freitag auch ein Elterngespräch ins Netz verlegt. Wenn Schüler in Kur sind, werden sie schon heute in Klassenratsstunden zugeschaltet, um up to date zu bleiben, was das Geschehen in der Klasse angeht. Wer allzu große Schwierigkeiten mit Selbstdisziplin hat und nicht rechtzeitig vorm Bildschirm sitzt oder kein stabiles Netz hat, für den bietet die Sekundarschule vor Ort immer noch eine Notbetreuung an. Humor gehört dazu Mehr als 15 Schülerinnen und Schüler sitzen dort aber selten. „Insgesamt“, fasst Schulleiterin Precker zusammen, „haben beide Seiten - Lehrer wie Schüler - in den vergangenen Jahren immense Fortschritte gemacht“. Fortschritte, die den Nachwuchs auch auf spätere Jobs vorbereiten, zeigt sich die Rektorin überzeugt. Nicht fehlen darf auch der Humor. Etwa, wenn der erfahrene Kollege, seit Jahrzehnten im Dienst, von seinen Schülern darauf hingewiesen wird, sich mal ein ordentliches Mikro zuzulegen. Oder wenn, wie am Montag, ein Mitschüler in der Mittagspause erst mal Schlittenfahren geht, weil er die Zeit gewonnen hat, die er sonst im Schulbus sitzt.