Detmolder Tierheilpraktikerin hat mit Verfassungsbeschwerde Erfolg

Jana Beckmann

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Tierheilpraktikerin Ricarda Dill mit Hund im Garten. - © Robert von Aufschnaiter, Sulzbeckstr. 1, 80689 München
Tierheilpraktikerin Ricarda Dill mit Hund im Garten. (© Robert von Aufschnaiter, Sulzbeckstr. 1, 80689 München)

Detmold-Heiligenkirchen/Karlsruhe. Ende Januar ist das neue Tierarzneimittelgesetz in Kraft getreten, inklusive des sogenannten Tierarztvorbehalts. Demnach dürfen nicht verschreibungspflichtige Medikamente (sogenannte Humanhomöopathika), die eigentlich für Menschen gedacht sind, nur dann Tieren verabreicht werden, wenn sie zuvor von einem Tierarzt verschrieben worden sind. Tierheilpraktiker und -homöopathen gingen auf die Barrikaden.

Dazu gehört auch Tierheilpraktikerin Dr. Ricarda Dill aus Heiligenkirchen, die in Jura promoviert hat. „Für mich bedeutet das praktisch ein Berufsverbot", hatte sie im vergangenen Jahr gegenüber der LZ erklärt. Die homöopathischen Arzneimittel, um die es geht, seien meist aus reinen Kostengründen nicht für Tiere registriert. Die Auswirkungen für ihren Berufsstand seien dagegen fatal: "Das Gesetz schafft die Berufsfreiheit der klassischen Tierhomöopathen praktisch ab. Wir halten das für verfassungswidrig."

Unterstützung von Verbänden

"Wir", das sind Ricarda Dill und drei Kolleginnen, die bereits seit einem guten Jahr gegen das besagte Gesetz kämpfen und dabei Unterstützung eines Konsortiums aus neun Berufsverbänden und eines Einzelverbandes erhalten. Wie das Bundesverfassungsgericht in seiner Ausführung zum Sachverhalt erklärt, behandeln sie Hunde, Katzen, Pferde und teilweise Kleintiere und arbeiten nahezu ausschließlich klassisch homöopathisch. Dabei verwenden sie hochpotenzierte Humanhomöopathika, die registrierungspflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig seien.

Darin, dass an dieser Stelle nun immer ein Tierarzt einbezogen werden muss, sehen die Tierheilpraktikerinnen und -homöopathinnen einen Verstoß gegen den Artikel 12, Absatz 1 des Grundgesetzes erfüllt, der die freie Wahl des Berufes sichert. Das Bundesverfassungsgericht sieht das ähnlich, wie es am Mittwoch mitteilte.

Es hatte zu prüfen, was stärker wiegt - der Eingriff in die Berufsfreiheit oder die Gefährdung des Tierschutzes. "Der Gesetzgeber verfolgt mit dem Tierarztvorbehalt den legitimen Zweck, die Qualität von Diagnostik und Therapie bei Heilbehandlungen von Tieren zu sichern. Es dient dem Tierschutz und der Gesundheit von Mensch und Tier, wenn Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen durch nicht ärztliche Personen vermieden werden", erklärt das Gericht dazu.

Nachweis von Tierheilkundekenntnissen

Gleichwohl könnten diese auch durch eine Pflicht zum Nachweis von Tierheilkunde-Kenntnissen gemindert werden. Dazu komme, dass bei nicht verschreibungspflichtigen Tierarzneimitteln (etwa Tierhomöopathika) oder alternativen Heilmethoden (etwa Pflanzenheilkunde) auch kein Tierarzt hinzugezogen werden müsse.

Der Tierarztvorbehalt sei an dieser Stelle nicht verhältnismäßig: "Tierheilpraktiker und Tierhomöopathen, die klassisch homöopathisch arbeiten und daher nahezu ausschließlich hochpotenzierte, nicht verschreibungspflichtige Humanhomöopathika anwenden, sind im Kern ihrer Tätigkeit betroffen. Eine weitere berufliche Tätigkeit ist auf diesem Gebiet ganz weitgehend nicht möglich." Der Eingriff in die Berufsfreiheit sei verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt.

Somit dürfen Tierheilpraktiker und auch Tierhalter die besagten Mittel ab sofort wieder verwenden - bei Hunden, Katzen und allen Tieren, die nicht der Lebensmittelgewinnung dienen. "Ich bin persönlich erleichtert und es freut mich für meinen Berufsstand, für alle Tierheilpraktiker und Tiere, dass wir weiterhin die klassische Homöopathie ausüben dürfen", sagte Ricarda Dill.

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