Detmold. Wie lebt es sich in Detmold? Was ist gut und wo hakt es? Das wollten die LZ und das Meinungsforschungsunternehmen „Co-Mind“ kürzlich beim „Lippe-Check“ herausfinden, an dem 3034 Teilnehmer aus der Residenzstadt teilnahmen. Das Ergebnis zeigt: Es hakt beim Thema Immobilien, das mit 5,06 von 10 möglichen Punkten auf dem vorletzten Platz landete. Und auch in den Kommentaren, die Teilnehmer hinterließen, wurde der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum laut. Die LZ hörte sich bei Menschen um, die auf der Suche nach Haus oder Grundstück sind – viele davon frustriert bis verzweifelt. Beispiel 1: Einfamilienhaus Alexander (38) und Frauke (36) aus Pivitsheide sind seit einem Dreivierteljahr auf der Suche nach einem Einfamilienhaus oder einem Grundstück in ihrem Ort oder der Umgebung und recherchieren dazu viel in Online-Portalen wie „ImmoScout“ und Ebay-Kleinanzeigen, wo von privat und ohne Makler-Gebühr verkauft wird. „Es ist furchtbar schwer, einen Fuß in die Tür zu bekommen“, sagt die 36-Jährige. Sie vermute, dass viele Häuser oder Grundstücke gar nicht erst auf den freien Markt kämen und unter der Hand weggingen. Man brauche also viel Vitamin B. Bei den Gebrauchtimmobilien, die angeboten werden, gebe es oft einen Renovierungsstau, so dass auch dafür noch Kosten anfallen. Oder die Häuser seien auf dem Stand der Technik und deshalb gleich teurer. „Für ein Haus und die Renovierung oder einen Neubau muss man im Moment so 500.000 bis 600.000 Euro in die Hand nehmen. Das ist schon eine ordentliche Summe für ein Einfamilienhaus“, berichtet der 38-Jährige mit Blick auf Pivitsheide. In der Innenstadt würden noch einmal ganz andere Preise aufgerufen. „Wenn etwas von der Preiskategorie passt, muss man unfassbar schnell sein“, sagt die Pivitsheiderin. Die Zahl der Interessenten ist groß. Einmal seien sie von einem Makler nach einer Besichtigung so sehr unter Druck gesetzt worden, dass sie sich innerhalb von zwei Tagen entscheiden mussten – was sie nur getan hätten, weil es ein wirklich schönes Haus auf einem Filetgrundstück zu einem vernünftigen Preis gewesen sei. Um die Zusage zu besiegeln, mussten sie dem Makler, wie sie berichten, ein Formular für die Beauftragung eines Notars seiner Wahl unterschrieben. „Beim Osterfeuer gab es dann das Gerücht, dass jemand anders das Haus kauft und schon eine Woche vor uns einen Notartermin hat“, sagt die 36-Jährige. Auf Umwegen fanden sie heraus, dass sie tatsächlich nur die zweite Wahl waren – vermutlich, so glauben sie im Nachhinein, weil sie um einen zweiten Besichtigungstermin gebeten und weitere Fragen gestellt hatten und zudem erst ihren Kreditvertrag in trockenen Tüchern haben wollten. Und es kam noch schlimmer: Das Haus war verkauft, aber die Pivitsheider hatten ja schon einen Notar beauftragt. Dafür hätten 4000 Euro an Kosten im Raum gestanden, um die sie nur herumgekommen seien, weil der Notar Nachsicht gehabt habe. Auch interessant: Diese Tipps gibt ein Detmolder Experte für die Immobiliensuche Beispiel 2: Reihenmittelhaus Thorsten (36) und Lisa (33) aus der Innenstadt haben gut zwei Jahre lang nach einem Haus gesucht, etwa zehn Besichtigungen gehabt und noch viel mehr Angebote, die sie bei Maklern, auf „ImmoScout“ oder Ebay-Kleinanzeigen gefunden hatten, angefragt. „Bei etwa 50 Prozent gab es keine Antwort“, berichtet die 33-Jährige. Die Nachfrage sei so groß, dass sich Makler und Verkäufer die Interessenten quasi aussuchen könnten. Insbesondere Häuser in Stadtnähe seien sehr begehrt. Bezahlbar seien aber nur „Ruinen“, in die man dann noch einmal richtig investieren müsse; Neubauten dagegen „wahnsinnig teuer.“ Für eine neu errichtete Doppelhaushälfte in der Marienstraße seien 550.000 Euro aufgerufen worden – zu teuer für das Paar, das sich Richtung Heidenoldendorf und Pivitsheide umorientierte, wo es zumindest ein bisschen günstiger sei. Auch dort müsse man aber mit rund 350.000 Euro plus Nebenkosten für ein Haus rechnen. Immobilien, die nicht so stark sanierungsbedürftig seien und zu einem guten Preis angeboten würden, seien umkämpft. Auch sie seien auf ihrer Suche schon von einem Makler, ebenfalls im Raum Pivitsheide, unter Druck gesetzt worden, der sie zu schnellen Terminen und Entscheidungen drängen wollte. Immer mal wieder kommt es zudem zu Bieterverfahren, bei dem es einen Mindestpreis gibt und die Interessenten dann um Angebote gebeten werden. „Wenn es viele Interessenten gibt, würden viele auch mehr zahlen als den festgelegten Preis“, berichtet die 33-Jährige. Einmal hätten sie mitgeboten, aber schon vorher angenommen, dass sie nicht das höchste Angebot abgegeben haben. Man müsse Abstriche machen aufgrund des Preises, auch wenn die Zinsen gerade wieder etwas runtergegangen seien und nun bei etwa 3,8 Prozent lägen. Deshalb entschied sich das Paar, nicht nur nach Einfamilienhäusern, sondern auch nach Doppelhaushälften zu schauen. Mittlerweile ist es fündig geworden und besitzt nun ein Reihenmittelhaus in Heidenoldendorf. „Es war ein langer Weg und auch ein bisschen frustrierend. Ich hätte nicht gedacht, dass es zwei Jahre dauern würde“, sagt die Detmolderin. Beispiel 3: Grundstück für Neubau Einen guten Vergleich zwischen früher und heute hat Waldemar aus Heidenoldendorf (50), der seit vier Jahren nach einem kleineren Zuhause für sich und seine Frau (47) im Raum Detmold sucht; die beiden Töchter sind so gut wie aus dem Haus. „Als wir vor 18 Jahren gebaut hatten, ist meine Frau zwei Jahre später studieren gegangen. Damals konnte man sich das mit einem Gehalt leisten, und zwei Kinder haben“, berichtet der 50-Jährige, der sich mit einem fast abbezahlten Haus in der Hinterhand nun in einer etwas entspannteren Position bei der Immobiliensuche befindet. Andere müssten es sich dagegen zehn Mal überlegen, ob sie sich ein Haus kaufen sollten, auch wenn beide Partner gut ausgebildet seien und gut verdienten. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass der Immobilienmarkt sehr angespannt ist, es kaum Immobilien und Grundstücke gibt oder die Häuser entweder in die Jahre gekommen oder viel zu teuer sind. Gebrauchtimmobilien in schlechtem Zustand würden für 350.000 bis 400.000 Euro angeboten, für Grundstück und Neubau kämen schnell 550.000 Euro und mehr zusammen. Sieben bis acht Immobilien haben seine Frau und er bislang besichtigt, in drei Fällen sei plötzlich ein Bieterverfahren ausgerufen worden, weil angeblich so viele Interessenten da gewesen seien. „Ich habe das Gefühl, das ist gerade auch eine Masche“, sagt der Heidenoldendorfer. Und die Makler setzten einen von vorneherein unter Druck und betonten, man müsse schnell reagieren. „Da kann man nicht sagen, man kommt nochmal mit einem Gutachter wieder.“ Schnelligkeit brachten ihn und seine Frau mittlerweile ans Ziel: Nachdem sie auf einen Grundstückskauf für einen Neubau umgeschwenkt waren, wurden sie in Pivitsheide fündig. „Unser Vorteil war, dass wir alles parat hatten (Finanzberater, Bank) und so ziemlich die ersten waren. Danach kamen noch 50 andere“, erzählt der 50-Jährige. Der Kauf sei innerhalb von einer Woche über die Bühne gegangen, bei einem Grundstück könne man ja nicht so viel falsch machen wie bei einer Gebrauchtimmobilie. Danach warteten Käufer und Verkäufer aber noch fünf Monate, bis der Grundbucheintrag geändert war und das Geld fließen konnte. Das Traurige: Der Ehemann, ein älterer Herr, war kurz zuvor verstorben. Alle Namen in diesem Artikel sind auf Wunsch der Gesprächspartner geändert worden.