Detmold/Lemgo. Wer meint, hochkarätige Kunst gäbe es nur in Metropolen, hat wahrscheinlich noch keine Ausstellung der Lippischen Gesellschaft für Kunst (LGfK) besucht. Seit mehr als fünf Jahrzehnten bringt der Kunstverein Lippe nun schon Kreative von Rang und Namen in seine Ausstellungsräume in Detmold und Lemgo. Qualität ist dabei seit jeher oberstes Gebot. Nach der Gründung des Vereins im August 1972 und den Anfängen mit sieben Gründungsmitgliedern - darunter auch Traute Prinzessin zur Lippe und ihr Mann Armin Prinz zur Lippe - zählt der Verein heute rund 420 Mitglieder. Zwei Drittel davon stammen aus Lippe, der Rest aus ganz Deutschland. In der früheren Schlossküche des Residenzschlosses in Detmold und der Galerie Eichenmüllerhaus in Lemgo zeigt der Verein seine Ausstellungen. Die Balance zwischen Bewährtem und Neuartigem ist dabei kein Zufall, sondern Ergebnis eines demokratischen Verfahrens: Zur Vorbereitung auf ein neues Ausstellungsjahr sammeln aktuell 28 Mitglieder aus Beirat und Vorstand Vorschläge, diskutieren über Künstler und deren Werke und stimmen schließlich darüber ab, was gezeigt wird. „Das haben wir immer schon so gemacht“, sagt die erste Vorsitzende der LGfK, Sigrid Verlemann-Müller: „Es funktioniert.“ Ehrenamt mit Anspruch Was in diesem Satz mitschwingt, ist das Selbstverständnis eines Vereins, der sich nicht mit Mittelmaß zufriedengibt. Der Fokus im Jahresprogramm liegt auf Malerei, Bildhauerei und Fotografie. Seltener werden auch Video-Arbeiten oder Konzeptkunst gezeigt. „Uns geht es um Vielfalt, Qualität und künstlerische Substanz“, betont die Vorsitzende. Ihre Vorgänger Armin Prinz zur Lippe, Elisabeth Haberbeck und Almut Schmersal hätten die Messlatte hochgelegt. Nun gelte es, dieses Niveau zu halten. Ein besonderes Format, das die Mitglieder im Jahr 2012 auf den Weg brachten, ist die Reihe „Meister und Schüler“. Unter dieser Überschrift lädt die LGfK arrivierte Künstlerinnen und Künstler dazu ein, gemeinsam mit ihren Studierenden eine Ausstellung zu konzipieren. Mittlerweile haben Größen wie die deutsche Malerin Karin Kneffel, der britische Bildhauer Richard Deacon oder der britisch-deutsche bildende Künstler Tony Cragg mit ihren Meisterklassen in Lemgo ausgestellt. „Gerade auch jungen Künstlern wollen wir so einen Ort bieten, an dem sie gesehen werden.“ Was kostet Kunst? Auch die Finanzierung muss gewissenhaft geplant werden. Rund drei Viertel des Vereinsbudgets stammen aus Mitgliedsbeiträgen und Fördermitteln für Einzelausstellungen. Das übrige Viertel speist sich aus Sponsoring, Einzelspenden und Verkäufen von Plakaten und Jahresgaben. Laut Dietmar Hille, dem stellvertretenden Vorsitzenden, sind die größten Posten bei einer Malereiausstellung die Fahrtkosten, Übernachtungskosten und Honorare für Künstler, Redner oder Musiker. Auch das Erstellen von Einladungen und Plakaten kostet Geld, ebenso wie der Transport der Kunstwerke und die anteilige Miete des Ausstellungsraums. „Bei einer Ausstellung mit Bildhauerarbeiten sind die Transportkosten noch einmal deutlich höher“, erklärt Hille. Immer wenn der Beirat im Herbst das Ausstellungsprogramm für das folgende Jahr beschlossen habe, werden die Budgets für die einzelnen Ausstellungen unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Einnahmen geplant. Allerdings: Fördermittel, etwa vom Land NRW, kommen oft spät. „Wir müssen dann die Ausstellungen, für die Förderanträge gestellt wurden, mit zwei Budgets planen - einmal mit und einmal ohne Förderung.“ Gerade für einen ehrenamtlichen Verein ist all die Bürokratie ein echtes Brett. Einmal, so erinnert sich Hille, habe er für einen Antrag über einen Zuschuss von unter 1000 Euro fast einen ganzen Tag mit Recherche und Dokumentation verbracht. Am Ende erhielt er nicht einmal eine Begründung für die Absage. Neben den Zuschüssen sind die Mitgliedsbeiträge das A und O auf der Einnahmenseite. Wie Hille verrät, sollen sie im kommenden Jahr steigen, da die Ausgaben für Ausstellungen durch die laufenden Einnahmen nicht mehr gedeckt werden können. Einzelpersonen zahlen dann 50 Euro statt bisher 40, Ehepaare 75 Euro. „Ohne Beiträge könnten wir das alles gar nicht bewältigen“, ergänzt die Vorsitzende Sigrid Verlemann-Müller. Großes Engagement Die Vereinsarbeit ist kein Selbstläufer. Künstlerinnen und Künstler müssen kontaktiert, Werke ausgewählt, Transporte organisiert, Plakate gedruckt, Redner engagiert werden. „Das ist eigentlich ein Fulltime-Job“, sagt die Vorsitzende. Doch niemand im Vorstand steht alleine da. Die Aufgaben sind verteilt, die Stimmung ist kollegial. „Wir bewältigen alles als Team. Nur so bleibt unser Verein auch zukunftsfähig.“ Und der hohe Qualitätsanspruch soll weiterhin gelten. „Es ist nicht leicht, all diese viel beschäftigten Künstler nach Lippe zu holen“, gesteht Verlemann-Müller. Die Vorstandsmitglieder besuchen regelmäßig Kunstmessen und allerlei Ausstellungen - aus Eigeninteresse, aber auch, um potenzielle Kandidaten für die kommenden Ausstellungen auszumachen. „Man muss mit offenen Augen durch die Kunstwelt gehen“, so die Vorsitzende. Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Die Gesellschaft wird älter, das Ehrenamt ist unter Druck. Nichtsdestotrotz will der Verein weiter wachsen: qualitativ, nicht zwangsläufig quantitativ. „Gerade für eine Kulturstadt wie Detmold ist es wichtig, dass es Kunstvereine wie unseren gibt“, betont die Vorsitzende.