Lemgo. Die Kunstwerkstatt der Stiftung Eben-Ezer gibt es bereits seit 25 Jahren. Bewohner können sich dort frei künstlerisch betätigen. Zum ersten Mal wird es nun ein offenes Atelier im Rahmen einer Veranstaltung geben, bei der Menschen mit und ohne Behinderung sowie externe Gäste zusammen Kreatives schaffen. Dafür sind noch Plätze frei. Das alles ist eingebettet in die Veranstaltung „Sommerkunst“ der Stiftung Eben-Ezer mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Charlotte Betzemeier unter dem Motto „Farben, Klänge und Visionen“. Los geht es am Samstag, 20. September, um 13 Uhr mit einem Konzert zum 40. Bestehen des inklusiven Hausmusikkreises Linde und einer Klangperformance von Sonja Bennefeld zu den Bildern des Künstlers Igor Oster. Ab 14.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen. Und von 15 bis 17 Uhr verwandelt sich die Wiese hinter dem kirchlichen Zentrum von Eben-Ezer, Alter Rintelner Weg 29, dann in das offene Atelier unter freiem Himmel mit Workshops. Künstlerinnen und Künstler mit und ohne Assistenzbedarf laden zum Mitmachen, Staunen und einem kreativen Austausch ein. „Malerei, Druckgrafik, Mixed Media und Performance-Kunst machen Vielfalt erlebbar - inklusiv, barrierefrei und gemeinschaftlich“, heißt es in einer Mitteilung. Ziel sei es, die Talente der Künstler der Stiftung sichtbar zu machen und Kunst als verbindendes Element zu nutzen. Sigrid Rutz: Seit 25 Jahren dabei Eine der Künstlerinnen aus der Kunstwerkstatt ist Sigrid Rutz. Sie ist schon - mit Unterbrechungen - fast von Anfang an dabei. Einmal in der Woche kommt sie zum Malen in die Werkstatt, die sich seit 2010 im Haus der Vielfalt in der Mittelstraße 6 befindet. „Die meisten Künstler kommen nach der Arbeit hier in die Kunstwerkstatt“, sagt Leiter Igor Oster, der seit 2012 dabei ist. Doch Sigrid Rutz ist mit ihren 71 Jahren längst im Ruhestand, hilft aber noch in der Gärtnerei der Stiftung - weil es ihr Spaß macht. Genauso wie das Malen: „Das Schönste am Tag ist, wenn ich male. Was anderes muss ich nicht machen. Ohne Malen geht nicht“, sagt die Lemgoerin, die auch daheim viel male. Gerade hat sie ein Porträt von einem alten Mann mit Bart und Pfeife fertig, das sie mit Acrylfarbe abgemalt habe. Jetzt sitzt sie an einem Kalenderbild von einer jungen Frau, das sie mit Feder und Tusche abzeichnet. „Keine Therapie“ Rutz malt aber auch frei, Abstraktes, Landschaften, schwarz/weiß, mal mit Buntstiften, mal mit Bleistift oder Acryl. Ein paar ihrer Bilder sind derzeit im Café Vielfalt nebenan zu sehen. „Jeder malt, wie er kann“, sagt Oster. „Wir machen keine Kunsttherapie, sondern ein offenes Atelier. Wir greifen nicht ein, sondern unterstützen.“ Manche Teilnehmer würden immer das gleiche Motiv malen, beziehungsweise sehe es für Außenstehende so aus. „Wenn man aber länger dabei ist, sieht man die Entwicklung über die Jahre. Da brauch es Geduld“, so Oster. Für ihn als Künstler sei das eine Inspirationsquelle: „Die Kunst hier ist ehrlich. Die Künstler malen für sich, das, was sie gerne möchten.“ Während andere gerne ihrem Stil oder Motiven treu bleiben, probiere Rutz gerne neue Techniken aus. Ein bis zwei Sitzungen brauche sie für ein Bild. Und sie freue sich, auch mal mit anderen zusammen malen zu können - wie bei der Veranstaltung Sommerkunst vorgesehen. Suche nach kreativen Talenten An der Kunstwerkstatt nehmen rund 20 Künstlerinnen und Künstler teil. Die meisten hätten schon ein höheres Alter. „Wir würden uns daher freuen, durch die Veranstaltung neue Talente gewinnen zu können. Es ist auch eine Chance, uns zu präsentieren“, sagt Oster. Zwar gebe es viele Ausstellungen, an denen die Kunstwerkstatt teilnimmt, aber die „Sommerkunst“ habe einen anderen Rahmen. Das Material, Tische, Stühle, Staffeleien, Leinwände, Farben und mehr werde gestellt. Falls das Wetter nicht mitspielt, gibt es Pavillons. Zur Not könnten die Teilnehmer auch in die Kirche ausweichen. Interessierte melden sich per E-Mail an kunstwerkstatt@eben-ezer.de an. Oster sei schon gespannt, wie das Angebot angenommen wird. Zum Ausklang wird es gegen 17.30 Uhr eine musikalische Darbietung von Anna Ikramova am Klavier und Sängerin Miriam Ludewig geben.