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Stadt gedenkt

NS-Verbrechen und Erinnerungskultur: Detmold setzt Zeichen

Zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus finden am 27. Januar in Detmold Gedenkveranstaltungen statt. © Archivbild: Raphael Bartling

Detmold. Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Überall in Deutschland erinnern Menschen am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz an die Opfer der NS-Diktatur sowie an jene, die Widerstand leisteten und NS-Verfolgte schützten.

In Detmold richtet in jedem Jahr eine andere Schule die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt Detmold aus. In diesem Jahr lädt laut Mitteilung der Stadt Detmold das Stadtgymnasium für Dienstag, 27. Januar, 18 Uhr, in die Aula ein. Das von den Schülerinnen und Schülern erarbeitete Programm steht unter dem Titel „Ein kaltes Pogrom - Warnungen, die niemand hören wollte“.

Schüler lesen Textpassagen

„Im Rahmen der öffentlichen Gedenkfeier lesen Schülerinnen und Schüler ausgewählte Textpassagen der Historikerin und Lehrerin Elisabeth Schmitz. Bereits im Jahr 1935 dokumentierte Schmitz eine Vielzahl von Beispielen, die die wachsende Unterdrückung und Verfolgung der sogenannten nichtarischen Bevölkerung des Deutschen Reiches belegten. Einzelne Schicksale sind von der Schülerschaft künstlerisch interpretiert worden und werden im Rahmen einer Ausstellung präsentiert“, schreibt die Stadt.

Eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungen thematisiere in den Tagen um den 27. Januar die Verbrechen der Nationalsozialisten und erinnere an die Opfer. Viele Akteure wie die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, das Landestheater, das Forum offenes Detmold, die Chorgemeinschaft „cantus novus“ und die Johannes-Brahms-Musikschule, die Kirchenchöre Heilig Kreuz und Stapelage, das Landesarchiv NRW, der Naturwissenschaftliche und Historische Verein für das Land Lippe, das Detmolder Stadtarchiv, die Buchhandlung Kafka & Co., die Volkshochschule, die Stadtbibliothek, das Kulturteam der Stadt Detmold und das Gymnasium Leopoldinum hätten Konzerte, Theaterstücke, Vorträge, Lesungen und eine Ausstellung erarbeitet, um dem Publikum einen vielseitigen Zugang zum Thema zu ermöglichen.

Geschichte der Familie Kauders

So geht es in einer Ausstellung des Gymnasiums Leopoldinum um die Lebensgeschichte des jüdischen Ehepaars Frieda und Eduard Kauders: Das Leopoldinum hat die Patenschaft für die Stolpersteine übernommen, die 2025 in der Langen Straße 36 für die Familie Kauders verlegt worden sind. In einem Kunstprojekt haben sich Schüler mit der Lebensgeschichte der Familie beschäftigt und mithilfe der Detmolder Illustratorin Francis Kaiser künstlerische Plakate zum Schicksal des in Auschwitz ermordeten Ehepaars erstellt. Die Ausstellung wird am Freitag, 23. Januar, 17 Uhr, im Leopoldinum eröffnet.

Am Sonntag, 25. Januar, 11.30 Uhr, singt Megan Marie Hart im Landestheater „Letters to Fred“ - und zeichnet damit ein Porträt der Familie Herzberg während des Holocaust. Fred Herzberg konnte 1939 durch einen Kindertransport nach England gerettet werden, seine Eltern und Schwester wurden in Auschwitz ermordet.

Um Erinnern und Gedenken geht es auch am Montag, 26. Januar, 18 Uhr, bei einem Wandelkonzert. „Nach dem Auftakt ,Shalom chaverim‘ der Chorgemeinschaft ,cantus novus‘ führt der Weg vorbei an der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus und den beiden Hofsynagogen zur Aula der Schule am Wall, wo Chorgruppen der Johannes-Brahms-Musikschule zum ,Nachdenken/Nachhören‘ einladen. Den musikalischen Abschluss ,Vater, vergib!‘ in der Heilig Kreuz-Kirche gestalten der Katholische Kirchenchor Heilig Kreuz und der Evangelische Kirchenchor Stapelage“, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Der Todesmarsch von Palmnicken

Ein unbekanntes NS-Verbrechen wird am Donnerstag, 29. Januar, 19 Uhr, in der Stadtbibliothek beleuchtet: Unter dem Titel „Der Todesmarsch von Palmnicken: Erinnerung und Aufarbeitung eines unbekannten NS-Verbrechens an der Küste Ostpreußens“ geht es um den Mord an Tausenden vorwiegend jüdischen Frauen, den Margitta Sünwoldt miterleben musste. Sünwoldt lebt heute hochbetagt in Detmold und wird nach Angaben der Stadt anwesend sein, wenn Dr. Claudia Vollmer von der Fernuniversität Hagen die Eckpunkte des Todesmarsches erläutert. Der Ort des Massakers, der Strand von Palmnicken, liegt seit Kriegsende in der russischen Exklave Kaliningrad.

Für Sonntag, 8. Februar, 11 Uhr, lädt das Forum Detmold dann zum Stadtrundgang „Das jüdische Detmold während der NS-Zeit.“ Los geht es am Marktplatz. Im Mittelpunkt der Führung mit Gudrun Mitschke-Buchholz stehen Orte der religiösen Kultur, der öffentlichen Erinnerung sowie ehemalige jüdische Wohn- und Ge­schäftshäuser.

Detaillierte Informationen zum Programm, zu Anmeldemöglichkeiten und Eintrittspreisen gibt es unter www.detmold.de

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