Detmold. Mit zwei restlos ausverkauften Konzerten und weit mehr als 1000 begeisterten Gästen im Konzerthaus hat die Hochschule für Musik Detmold ein eindrucksvolles musikalisches Ausrufezeichen auf hohem Niveau zum neuen Jahr gesetzt. Kein Wiener Walzer mit Radetzkymarsch - das festliche Neujahrskonzert stand unter dem klug gewählten Motto „Oper zwischen Witz und Wahnsinn“ und bot ein ebenso unterhaltsames wie anspruchsvolles Programm, das historische Würdigung, solistische Brillanz und zeitgenössische Akzente überzeugend verband. Bestens disponiertes Hochschulorchester Den Auftakt gestaltete das bestens disponierte Hochschulorchester unter Leitung von Florian Ludwig mit der Ouvertüre der Oper „Euryanthe“ (1823) von Carl Maria von Weber (1786-1826). Anlässlich des 200. Todestages des Komponisten gelang eine Interpretation von großer Spannweite: Blechbläser setzten kraftvolle Akzente, während die Streicher mit feiner Transparenz und lyrischer Sensibilität kontrastierten. Bereits hier zeigten sich die hohe orchestrale Qualität und die sichere stilistische Führung des Dirigenten, der charmant das facettenreiche Konzert moderierte und überraschende Zusammenhänge herstellte. Ein weiterer Jubilar prägte das Programm: Albert Lortzing (1801-1851), der vor genau 200 Jahren seine Tätigkeit am Hoftheater Detmold aufgenommen hatte. Mit Auszügen seiner Opern „Zar und Zimmermann“, „Der Waffenschmied“ und der Ouvertüre zu „Undine“ wurde Lortzings musiktheatralischer Witz und seine melodische Erfindungskraft gewürdigt. Auch Webers „Freischütz“ durfte nicht fehlen. Schaurige Arie voller Dramatik Sopranistin Yjae Kim meisterte daraus die schaurige Arie „Einst träumte meiner sel`gen Base“ voller Dramatik. Sie nahm einen gelungenen Dialog mit der Solobratsche auf. Gute Textverständlichkeit und eine leichte Stimmgebung bis hin zu den Spitzentönen sorgten für einen makellosen Vortrag. In halbszenischer Inszenierung bannten Ausschnitte der Schauspielmusik „Faust“ von Peter Joseph von Lindpaintner (1791-1856), denen als Solisten Bassbariton Mark Grishin und Sopranistin Fromba Krasniqi viel Glanz schenkten. In der Hexenszene bewiesen die Sprecher David Tobias Peusch als Faust, Sofia Ognevskaia als Mephisto und Victoria Maria Zyffert als Hexe ihr schauspielerisches Talent. Ein besonderer Höhepunkt war das Cellokonzert Nr. 1 in C-Dur von Joseph Haydn, mit dem sich der neue italienische Celloprofessor Paolo Bonomini vorstellte. Mit souveräner Technik, warmem Ton und musikalischer Eleganz setzte er ein starkes persönliches Zeichen und wurde vom Publikum gefeiert. Für den lang anhaltenden Applaus bedankte er sich mit dem Cappricio Nr. 8 für Cello Solo von Joseph Dall`Abaco als tänzerische Zugabe. Zeitgenössischen Esprit brachte die Uraufführung von Roni Glasers Werk „What’s in My Bag“, das mit origineller Klangsprache und humorvollem Zugriff einen reizvollen Kontrast zum klassischen Repertoire bildete. Glaser, Student der Kompositionsklasse Mark Baden, vertonte damit den Text von Alice Muitoevoli Rugari, der beschreibt, was sich in einer Survival-Tasche befinden sollte, um die ersten 72 Stunden einer Krise zu überleben. Bariton Franco Oportus Vergara setzte das zynisch klingende Stück stimmlich wie gestisch beeindruckend in Szene. Die trotzige Irmentraut-Arie „Welt, du kannst mir nicht gefallen“ aus Lortzings Oper „Der Waffenschmied“ interpretierte Mezzosopranistin Merle Dräger überzeugend grimmig. Musikalische Juwelen funkeln virtuos In Strawinskys „No Word from Tom“ der Oper „The Rake’s Progress“ nahm Sopranistin Jennifer Michelle Fast Klassen einen bestechenden Dialog mit dem Fagott auf und in „Glitter and Be Gay“ der Operette „Candide“ von Leonard Bernstein ließ Sopranistin Sujin Kim virtuos die musikalischen Juwelen funkeln. Als „Rampensau“ brillierte Bassbariton Mark Grishin in der Arie „O sancta justitia“ der Oper „Zar und Zimmermann“ von Lortzing. Hier könnte Trump noch was lernen. Lortzing karikiert den ebenso aufgeblasenen wie inkompetenten Bürgermeister Van Bett, der sich selbstverliebt um sein Spiegelbild dreht. In einer gelungenen Aktualisierung besang der sonore Bassist sein Plakat mit der Aufschrift: „Für ein Lippe, in dem endlich wieder alles „bässer“ wird!“ Als Zugabe gaben sich Mezzosopranistin Virág Fórizs und Tenor Jonas Domeier ein amüsantes Stelldichein mit einem Duett aus Lortzings Schauspielmusik „Der reisende Student“. Es gab viel Applaus für das kontrastvolle Konzert, das unter der Regie von Birgit Kronshage einen überzeugenden dramaturgischen Bogen spannte.