Extertal-Bösingfeld. Das Unbehagen war vielen Kommunalpolitikern anzumerken. Wie sollten sie sich für den Bau einer neuen Schulmensa entscheiden, wenn sie einen wesentlichen Punkt nicht kannten? Nämlich, wie hoch die Kosten für die Mensa sein würden. Genau das war das Problem in der jüngsten Sitzung des Extertaler Bauausschusses. Doch die Zeit drängte – und so fiel die Entscheidung für den Neubau an der Grundschule Bösingfeld trotzdem und einstimmig, wenn auch nach hitziger Debatte und mit fast hörbarem Zähneknirschen. Hintergrund ist die Tatsache, dass der Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz zum Schuljahr 2026/27 kommt. Die Mensa muss zum September kommenden Jahres fertig werden, damit die Kinder ihr Mittagessen einnehmen können. 120 Kinder sollen dort in Schichten essen. Das ist im Keller der Grundschule, wo die OGS-Mensa derzeit untergebracht ist, unter keinen Umständen möglich, sagte Bauamtsleiter Sven Herzog der LZ. Eigentlich liefen die Planungen für das Gebäude schon seit längerer Zeit. Es soll auf dem Schulhof an der Stelle des früheren Musikschulpavillons entstehen, der bereits abgerissen wurde. Auch ein Kanal wurde schon umgelegt. Doch es kam anders als gedacht. Nichts übernommen Denn die bisher vorliegenden Planungen wurden komplett verworfen, nach dem Beschluss in einer interfraktionellen Runde wurde der Architekt gewechselt. Künftig soll Gerhard Seidler den Bau vorantreiben. Was zu dem Architektenwechsel geführt hat, dazu gab es auch auf Nachfrage der LZ keine Angaben. Fest steht aber: „Wir haben nichts aus der alten Planung übernommen“, wie Seidler auf Nachfrage von Christian Sauter (FDP) sagte. Der Extertaler Seidler war durch persönliche Kontakte zum Ausschussvorsitzenden Heinrich-Wilhelm Tölle ins Spiel gekommen, wie der CDU-Kommunalpolitiker berichtete. Die im Ausschuss vorgestellten neuen Pläne habe Seidler zunächst auf eigene Verantwortung erstellt, sagte Tölle. Nach der Vorlage der Gemeindeverwaltung für die Bauausschuss-Sitzung kosten die neuen Planungen mit Innenausstattung und Außenbereich 800.000 Euro mehr als die bislang veranschlagten 1,7 Millionen Euro (inklusive Pavillon-Abriss und Kanalumlegung). Doch diese Zahlen waren offenbar noch nicht ausgegoren, so dass in der Sitzung keine belastbare Angabe der Kosten vorlag. Und dennoch sollte ein Beschluss fallen, denn der Zeitplan ist auch so schon eng: „Bis Weihnachten muss der Rohbau stehen“, sagte Seidler. Das sei machbar, setze aber Disziplin beim Planen und Bauen sowie „Entscheidungsfreude“ voraus. Bei einem positiven Votum könne schnell der Bauantrag gestellt werden, auch Angebote könnten flott eingeholt werden. „In der Bredouille“ „Wir sind in der Bredouille“, sagte Tölle. Abgesichertes Zahlenmaterial soll bis zu einer Sondersitzung des Rats am 9. Oktober vorhanden sein. Ralf Wilde (SPD) stellte die rhetorische Frage, welche Möglichkeiten der Rat noch habe, wenn ihm im Oktober belastbare, aber zu hohe Zahlen präsentiert würden. Antwort: offenbar keine. Außer der, das Projekt abzublasen, so Tölle. „Das Verfahren geht so eigentlich überhaupt nicht“, kritisierte Christian Sauter (FDP) und erinnerte an andere Projekte, die „aus dem Ruder gelaufen“ seien. Dennoch unterstütze die FDP den Bau. Ähnlich äußerte sich Ulrich Hilker (CDU), der daran erinnerte, dass die Kostenschätzung für die Mensa am Anfang deutlich niedriger gewesen sei und jetzt 2,5 Millionen Euro im Raum stünden. Das etwa 400 Quadratmeter große Gebäude, das direkt neben der Sporthalle entstehen könnte, soll nach den Worten des neuen Architekten „keine Betriebskantine“ mit dem „Charme eines Aldimarkts“ werden, sondern ein heller, freundlicher Ort der Begegnung für die Grundschüler. Hell unter anderem deswegen, weil das geneigte Dach des Massivbaus mit vielen Oberlichtern ausgestattet werden soll. Der Raum wird von großen Holzbalken gehalten, sogenannten Leimbindern. Der große offene Speiseraum kann mit Stellwänden flexibel gestaltet werden. Die Technik soll platzsparend in einem Raum oberhalb der Küche untergebracht werden. Unter die Decke können nach Seidlers Worten Schallabsorber gehängt werden, damit der Lärmpegel nicht zu groß wird. Bauamtsleiter Herzog betonte den Zeitdruck und sagte, der Bau müsse auf jeden Fall bis zum Schuljahresbeginn im Sommer kommenden Jahres fertig werden: „Wir stehen da in der Pflicht.“