Ehemaliger Kurdirektor Horst Paulussen geht Sammelleidenschaft nach

Axel Bürger

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Im persönlichen Archiv: Horst Paulussen war bis 1999 Kurdirektor in Bad Meinberg. Heute füllt er für eine Familien- und Schachchronik im Keller Ordner um Ordner. - © Axel Bürger
Im persönlichen Archiv: Horst Paulussen war bis 1999 Kurdirektor in Bad Meinberg. Heute füllt er für eine Familien- und Schachchronik im Keller Ordner um Ordner. (© Axel Bürger)

Horn-Bad Meinberg. Es war kein Zuckerschlecken, damals, als Kurdirektor Horst Paulussen „von Bord ging". Die Bäderkrise hatte deutschlandweit Folgen für den regionalen Arbeitsmarkt und die Infrastruktur der Städte und Gemeinden. Aber Paulussen blieb wegen eines Herzfehlers keine andere Wahl. Was macht der Pensionär heute?

„Höchste Priorität haben meine Kinder und Enkelkinder", da legt sich der 76-Jährige sofort fest. Das Gespräch mit der LZ findet in seinem ehemaligen Schachkeller statt. In dem Eigenheim in Fissen᠆knick wird der Schachkeller jedoch nun für die Sammelleidenschaft des gebürtigen Detmolders genutzt. Jetzt stehen an drei Wänden Leitz-Ordner. Sie sind kunterbunt und erinnern an die eigene Familiengeschichte, an Kriegerwitwen (Paulussens Mutter) oder an den Schachsport in Lippe, sie beherbergen Urkunden, Zeitungsausschnitte und Literatur. Horst Paulussen ist ein Bewahrer.

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Die Serie

Mit der Serie „Was macht eigentlich..." will die LZ Personen porträtieren, die in Lippe eine Rolle gespielt haben, dann aber aus der öffentlichen Wahrnehmung getreten sind. Horst Paulussen ist der erste. Er wurde 1940 geboren, begann 1957 eine Ausbildung bei der Stadt Detmold, wurde Leiter des Amtes für Fremdenverkehr und Kultur und wechselte 1985 ins Staatsbad Meinberg, 1989 wurde er Kurdirektor. 1999 musste er sich pensionieren lassen.

Der ehemalige Kurdirektor umschiffte direkt nach seiner Frühpensionierung das vermeintlich schwierige Loch der Langeweile, in das viele Rentner tappen. Paulussen: „Ich habe einen Bogen um die Phase der Anpassung gemacht." Sein Herzleiden zwang ihn zwar, seinen Job an den Nagel zu hängen, aber ein Jahr nach Reha und Klinikaufenthalt widmete sich der Krawattenträger („Sie werden mich nicht ohne erwischen") neuen Zielen.

Dabei musste er sich anfangs von der Struktur eines Zwölf-Stunden-Tages befreien. Paulussen war als Kurdirektor ein Arbeitstier im besten Sinne. Morgens einer der ersten im Büro, abends einer, der oft das Licht ausgemacht hat. Dazwischen Termine, Telefonate, Verhandlungen mit Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern in Berlin oder anderswo.

Herr Paulussen, waren Sie womöglich in Bad Meinberg eine Art „Mädchen für alles"? Die Antwort fällt knapp aus: „Ja." Der hochgewachsene Mann schlägt die Beine übereinander und blickt 20 Jahre zurück. „Wir mussten mit Beginn der Bäderkrise für die Auslastung des Staatsbades sorgen. Und wir hatten dabei immer die ganze Stadt im Blick, also ging es um die Kommunikation mit dem Verkehrsverein, der Dehoga, der Stadtverwaltung, ich denke, so wird man schnell ein ,Mädchen für alles‘."

Nach 21 Uhr: Blitzpartien im Netz

246 Arbeitsplätze fand er im Juni 1989 vor, als er die Stelle antrat. 96 waren geblieben, als er 1999 ging. Die große Kostendämpfung für Becken, Wannen und Moorbäder hatte Tribut gefordert.

Das ist lange her, und der 76-Jährige hat längst ein Privatleben mit allerlei Akzenten. Zweimal in der Woche besucht er mit seiner Frau Gisela die Enkelkinder in Holzhausen und Bielefeld. „Ein positives Familienleben stabilisiert die Gesellschaft", sagt er mit einer gewissen Portion Pathos. Abends spielt er im Internet Schach. „Nach 21 Uhr und immer nur Blitzpartien."

Hinzu kommt die Arbeit an der Familienchronik. Nur im Garten ist er Befehlsempfänger, „da werde ich eingesetzt von meiner Frau." Und neben der Krawatte, die auch an einem ganz normalen Mittwoch angelegt wird, ist noch eine andere Sache aus dem Job übriggeblieben. „Wir stehen immer noch gegen 6.30 Uhr auf", sagt Horst Paulussen, der, wenn der Tag noch ein Zeitfenster erübrigt, Trompete spielt.

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