150 Teilnehmer protestieren beim Steinheimer Bürgerforum gegen den Windpark Belle

Burkhard Battran

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Windpark - © Symbolbild
Windpark (© Symbolbild)

Steinheim. Am Tage hatte in Berlin ein ergebnisloser Krisengipfel zum Erlahmen des Ausbaus Erneuerbarer Energien getagt. Die Branche sucht händeringend nach Wegen, wieder mehr Schwung in den Ausbau zu bringen.

Hätten sie einfach mal am Abend beim Bürgerforum in Steinheim reingehört, dann wüsste die Windwirtschaft zumindest, wo sie ihren Kredit bei der Bevölkerung verspielt hat. „Es ist genau wie bei der dreckigen Energie: Den Profit stecken sich einige Wenige ein und die negativen Auswirkungen werden der Gesellschaft aufgebürdet", sagte ein Teilnehmer. „Bayern tut nichts für die Energiewende und an uns bleibt es hängen", sagte ein anderer Teilnehmer.

Die Windkraft sei gar nicht so sauber, wie sie tut. Landschaftsverbrauch, Schattenwurf, Lärm und Vogelsterben sind negative Folgen. Getragen würden diese Kosten von der Allgemeinheit. Insbesondere von der Bevölkerung, der die Anlagen direkt vor die Nase gesetzt werden sollen. Die Profite steckten sich Landeigentümer und Betreiber ein.

"Wir werden nicht tatenlos zusehen"

„Im Moment müssen wir abwarten, aber wir werden nicht tatenlos zusehen, dass über unsere Köpfe hinweg entschieden wird", sagte Bürgermeister Carsten Torke vor rund 150 Teilnehmern in der Aula des Steinheimer Schulzentrums. 506 Einwendungen hatten Steinheimer Bürger gegen den Windpark Belle eingebracht. Der Bremer Projektierer Energiequelle plant nördlich von Steinheim auf Lipper Gebiet die Errichtung von sechs Anlagen. Genehmigungsbehörde ist der Kreis Lippe. „Man könnte meinen, dass sie extra nah an Steinheim heranrücken, um im Kreis Lippe keinen Staub aufzuwirbeln", sagte eine Zuhörerin. Bis auf 650 Meter würden die Anlagen an ein dicht besiedeltes Steinheimer Wohngebiet heranrücken. Die Gemeinde Horn-Bad Meinberg hat sich gegen das Vorhaben ausgesprochen. Der Kreis hat noch nicht entschieden.

Plan-Offenlegung im nächsten Jahr

Es gibt aber noch ein zweites Ansiedlungsvorhaben auf Höxteraner Kreisgebiet. Der Energiekonzern plant, westlich von Steinheim und östlich von Vinsebeck im Steinheimer Becken fünf Anlagen zu bauen. Der baden-württembergische Konzern hat die Projektierungsrechte von dem ehemaligen Planer für dieses Areal, dem Stadtwerkeverbund Trianel, erworben. Genehmigungsbehörde ist in diesem Fall der Kreis Höxter. Es gibt gute Gründe, diese Ansiedlung zuzulassen. So werden Abstände zur Wohnbebauung von mindestens 1.250 Metern eingehalten. Das Doppelte im Vergleich zum Windpark Belle. Früher spielte die Windhöffigkeit bei der Errichtung von Windkraftanlagen eine entscheidende Rolle. Das Steinheimer Becken ist nicht dafür bekannt, dass es dort besonders windig sei. Mit einer Plan-Offenlegung soll zum neuen Jahr gerechnet werden können.

Eine Umsetzung beider Projekte würde für Steinheim eine weitgehende Umzingelung bedeuten. Dagegen wollen sich Stadt und Bürger wehren. Mit dem Fachanwalt und ehemaligem Münsteraner Verwaltungsrichter Thomas Tyczewski hat sich die Stadt prominenten Rechtsbeistand an die Seite geholt, der am Abend über die allgemeine Rechtslage referiert hatte.

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