Im Auftrag der Radfreundlichkeit

Erol Kamisli

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- © Bernhard Preuss
Auf Radtour in Detmold: Manfred Wiehenkamp und LZ-Redakteur Erol Kamisli (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Schlecht einzusehende Kreuzungen, fehlende Abstellmöglichkeiten, Beschwerden unwissender Fußgänger über Radler, die deren Meinung nach auf der falschen Straßenseite unterwegs sind – immer wieder klagen Radfahrer über mangelnde Wertschätzung. Sie kennen zahlreiche Ärgernisse, die seit Jahren nicht behoben werden. Gemeinsam mit dem ADFC und Radio Lippe testen wir die Radfreundlichkeit der Region und bitten die Verantwortlichen um Stellungnahme. Angefangen haben wir mit Manfred Wiehenkamp, Vorsitzender des ADFC, in Detmold. Weitere Checks in Lippe folgen.

Ärgernis Bahnhofsvorplatz

ADFC: „Die Radwegeführung ist unübersichtlich und eine Gefahr", sagt Wiehenkamp. Die Interessen der Fahrradfahrer seien bei der Umgestaltung nicht berücksichtigt worden. So seien die Bürgersteige im Bereich der Hermannstraße in Richtung Vorplatz nicht abgesenkt worden. „Eine verständliche und sichere Verkehrsführung existiert nicht, da das Verkehrsmittel Zweirad für die Verantwortlichen eine sehr nachgeordnete Rolle spielt", kritisiert Wiehenkamp.

Stadt Detmold: Beim Umbau des Vorplatzes und der Bahnhofstraße seien städtebauliche Vorgaben maßgeblich gewesen. Aber: Um die Rad-Abstellanlagen erreichen zu können, sei der Vorplatz verkehrsrechtlich mit „Gehweg Radfahrer frei" ausgewiesen worden, sagt Michael Forst, Radbeauftragter der Stadt. Die Hermannstraße sei seit geraumer Zeit in Gegenrichtung der Einbahnstraße frei.

Ärgernis Elisabethstraße

ADFC: „Diese Straße ist eine Katastrophe für Radler", betont Wiehenkamp. Die Bürgersteige, eingeteilt für Fußgänger und Radler, seien eng und gefährlich, doch die Stadt unternehme seit vielen Jahren nichts. Sein Vorschlag: Radfahrer sollen runter vom Bürgersteig. Die gesamte Elisabethstraße, mit vielen Ein- und Ausfahrten, soll zur Tempo-30-Straße werden.

Stadt Detmold: Nach einem Ortstermin mit ADFC und Polizei sei das Problem fast gelöst, sagt Forst. Es sei vorgesehen, Radverkehr nur noch auf der Fahrbahn zuzulassen und die Geschwindigkeit für Autofahrer auf Tempo 30 zu reduzieren – Umsetzung der Maßnahmen seien fürs 2019 vorgesehen.

Ärgernis Fahrrad-Baustellen

ADFC: In der Stadt gebe es 20 bis 30 „Fahrrad-Baustellen", sagt Wiehenkamp. – darunter die Paulinenstraße und den gesamten Innenstadtbereich. Es fehle grundsätzlich ein verbindliches Radwegekonzept für das gesamte Stadtgebiet.

Stadt Detmold:Die Paulinenstraße sei 1988-93 als Bundesstraße ausgebaut geworden und 2009 zur Stadtstraße geworden, sagt Forst. Die Einrichtung von Radverkehrsführungen im Bestand sei schwierig und führe immer zu Konflikten mit anderen Gruppen. „Natürlich werden die Belange des Radverkehrs bei Sanierungs- und Umbaumaßnahmen berücksichtigt." Aktuelles Beispiel sei der Willy-Brandt-Platz. Ein weiteres Beispiel sei die Umsetzung „Veloroute West", mit Vorfahrten für Radler und der Diagonalquerung am Knotenpunkt Bielefelder/Heidenoldendorfer Straße.

Ärgernis Abstellplätze

ADFC: „Es fehlt an geeigneten und sichereren Abstellplätzen für Fahrräder, die inzwischen einige tausend Euro kosten", sagt Wiehenkamp. Touristen, die mit teuren Rädern unterwegs seien, wünschten sich sichere Radboxen für ihre teuren Räder. Diese müssten an touristischen Zielen stehen und nicht an der Jugendherberge, kritisiert er.

Stadt Detmold: Aktuell bestünden in der Innenstadt mehr als 300 Anschließmöglichkeiten für Fahrräder, entgegnet Forst. Zuletzt seien vor der Post neue Anlehnbügel sowie am Bahnhof und im Parkhaus Finanzamt auch einige Abschließmöglichkeiten installiert worden.

Blick in die Zukunft

ADFC: Die Stadt Detmold ist nicht Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte (AGFS) – Lemgo und der Kreis Lippe jedoch schon. „Es ist ein Armutszeugnis für die größte Stadt in Lippe", urteilt Wiehenkamp.

Stadt Detmold: 1996 sei der Antrag auf Aufnahme abgelehnt worden, sagt Michael Forst. Aktuell habe der Rat der Stadt beschlossen, einen neuen Antrag zu stellen, um dann vom Jahr 2020 an doch noch AGFS-Mitglied zu werden.

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