In diesen zehn Branchen haben es Jobsuchende besonders schwer

Seda Hagemann

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Viele Handwerksberufe brauchen dringend Nachwuchs. - © Sebastian Kahnert/ZB/dpa
Viele Handwerksberufe brauchen dringend Nachwuchs. (© Sebastian Kahnert/ZB/dpa)

Kreis Lippe. Der Ausbildungsmarkt scheint wie leer gefegt: Erstmals gibt es deutschlandweit mehr offene Stellen als Ausbildungsplatzsuchende. Für viele Unternehmen wird das zu einem Problem.

In Lippe sucht vor allem die Kunststoffindustrie. 53 offenen Stellen standen im vergangenen Jahr 16 Bewerber gegenüber. Die Tendenz dürfte sich auch in diesem Jahr ungemindert fortsetzen. Der Einzelhandel und die Gastronomie suchen ebenfalls verzweifelt nach Bewerbern. Im Versicherungs- und Finanzdienstleistungssektor wird es für Unternehmen auch eng. Dort kamen auf mehr als 110 Stellen im vergangenen Jahr nur rund 80 Bewerber.

Auffällig ist in einigen Regionen auch, dass sich junge Menschen wenig für die Branchen interessieren, die dort Stellen anbieten. Die Zahlen, die das Recherchezentrum Correctiv nun für jeden Kreis in Deutschland veröffentlicht hat, sprechen eine eindeutige Sprache.

Die erste Karte zeigt nach Kommunen gegliedert, wie viele Ausbildungsplatzsuchende 2018 auf eine offene Ausbildungsstelle kamen. Aus Sicht der Unternehmen wird erkennbar, in welchen zehn Branchen es besonders viele offene Stellen gab.


Auf der zweiten Karte sehen Sie mit einem Klick, ebenfalls nach Kommunen gegliedert, wie viele Ausbildungsplatzsuchende 2018 auf eine offene Ausbildungsstelle kamen. In diesem Fall wird aufgezeigt, in welchen Branchen junge Menschen Schwierigkeiten haben, Plätze zu finden.

Der Blick auf Lippe zeigt, dass offenbar viele junge Menschen weiter auf der Suche nach einem Bürojob sind. So kommen auf 54 offene Stellen knapp 200 Bewerber für den Bereich Büro/Sekretariate. Ähnlich prekär ist die Lage in den Bereichen Mediengestaltung, Chemie, Immobilienwirtschaft und Veranstaltungsmanagement.



Insgesamt gibt es aber in NRW immer noch mehr Gesuche als offene Stellen, wie die letzte Grafik zeigt.


„Vor den Folgen des Akademisierungswahns hat das Handwerk jahrelang gewarnt, unsere Warnungen verhallten allerdings ungehört. Jetzt zeigt sich, dass die Warnungen berechtigt waren: Die gesellschaftliche Wertschätzung für eine berufliche Ausbildung und eine berufliche Tätigkeit im Handwerk ist gesunken. Die Folge ist, dass sich selbst Jugendliche, die gern eine handwerkliche Ausbildung machen würden, oft dagegen entscheiden. Trotz dieses Trends ist der Abiturientenanteil unter unseren Azubis gestiegen: Er lag vor einigen Jahren noch bei sechs Prozent. Er beträgt mittlerweile 13 Prozent. Das ist natürlich ein beachtlicher Erfolg", sagt Sarah Kempf vom Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Information

Recherchezentrum erfasst Zahlen

Diese Recherche ist Teil einer Kooperation der LZ mit CORRECTIV.Lokal, einem Netzwerk für Lokaljournalismus, das datengetriebene und investigative Recherchen gemeinsam mit Lokalpartnern umsetzt. CORRECTIV.Lokal ist Teil des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV, das sich durch Spenden von Bürgern und Stiftungen finanziert. Mehr unter correctiv.org

*In den Daten sind die erhoben, die sich bei der Arbeitsagentur als suchend gemeldet haben. Nicht enthalten ist die Zahl derer, die sich direkt bei Betrieben und nicht bei den Agenturen gemeldet haben.

*Gut zwei Drittel aller institutionell erfassten Ausbildungsinteressierten melden sich bei uns als Bewerber. (…) In der Realität ist es so, dass drei von vier Betrieben der Bundesagentur für Arbeit ihre Ausbildungsstellen melden.

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