Fall Lügde: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Opfer-Mutter ein

Janet König und Erol Kamisli

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Ort des Grauens: Die Parzelle von Andreas V. auf dem Campingplatz ist inzwischen geräumt worden. - © Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle
Ort des Grauens: Die Parzelle von Andreas V. auf dem Campingplatz ist inzwischen geräumt worden. (© Archivfoto: Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold/Lügde. Während im Lügde-Prozess das Urteil naht, laufen die Ermittlungen im Hintergrund weiter. Die Detmolder Staatsanwaltschaft hat nun das Verfahren gegen eine 40-jährige Mutter, deren zwei Töchter von Andreas V. missbraucht worden seien sollen, wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch eingestellt.

Die Mutter hatte gegenüber der LZ zum Prozessauftakt Ende Juni die Vorwürfe bestritten: „Ich habe Andreas V. über eine Bekannte kennengelernt und meine beiden Töchter in den vergangenen Jahren regelmäßig über Tage und Wochenenden bei ihm auf dem Campingplatz untergebracht, aber ich hatte keine Ahnung von den Übergriffen."

Als "Märchen" eingestuft

Im Prozess hatte die 40-Jährige wegen des laufenden Verfahrens nicht aussagen können. Ihre Opferhelferin Anke Heldt, die die Familie vor dem Landgericht betreut, hatte gegenüber der LZ gesagt, dass sie es für möglich halte, dass die Kinder schon vor der Verhaftung des Andreas V. von den Übergriffen berichtet haben könnten, doch die Eltern ihnen nicht geglaubt und die Schilderungen als „Märchen" eingestuft hätten.

Die heute 19-jährige Tochter habe bereits im Alter von 15 Jahren Missbrauchsandeutungen gemacht, die seien aber nicht ernst genommen worden. Anschließend habe auch ihre jüngere Schwester (8) immer wieder Andreas V. auf dem Campingplatz besucht. „Aber ich glaube nicht, dass Eltern den Missbrauch ihrer Töchter aktiv unterstützt haben", betont Anke Heldt. Die 40-jährige Mutter sei sehr erleichtert, dass die Ermittlungen eingestellt worden seien.

Erleichertungen bei Tochter

Laut Rechtsanwältin Zeliha Evlice, die die 19-jährige Tochter im Lügde-Prozess vertritt, sei ihre Mandantin mit Sicherheit „sehr glücklich" über die Einstellung des Verfahrens. „Die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis und meine Mandantin hat ihre Mutter auf keinen Fall belasten wollen", sagt Evlice. Für die Tochter seien die Ermittlungen gegen ihre Mutter äußerst schwer gewesen. „Die Einstellung zeigt jetzt, dass der Verdacht ein Irrläufer war", sagt Evlice.

Die Tochter habe in ihrer Aussage erwähnt, dass ihre Mutter über die Besuche bei Andreas V. Bescheid gewusst hätte. „Damit war aber nie der Missbrauch gemeint", sagt Evlice. Die Polizei hätte dadurch den Eindruck gewonnen, dass die 40-Jährige von den Missbrauchsvorwürfen gegen Andreas V. wusste, aber ihre beiden Kinder weiter auf den Campingplatz untergebracht hat. „Dieser Eindruck kann entstehen, wenn es danach weiter zu Taten kommt", sagt Oberstaatsanwalt Vetter. Seine Behörde habe keine Hinweise darauf, dass die Mutter von den Übergriffen gewusst und ihre Kinder dort abgegeben habe.

Am Donnerstag, 30. August, sollen die übrigen Plädoyers der Nebenklagevertreter und Verteidiger gehört werden, die Angeklagten haben dann das letzte Wort. Am Donnerstag, 5. September, um 9 Uhr will die Jugendschutzkammer die Urteile verkünden.

Information
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