Neue Corona-Regeln: Dies gilt ab Samstag in Lippe

Silke Buhrmester

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Einsame Straßen nach Einbruch der Dunkelheit – wie hier die Adolfstraße in Detmold – dürften künftig keine Seltenheit sein. In Lippe gibt es ab sofort eine Ausgangssperre zwischen 22 und 6 Uhr. - © Till Sadlowski
Einsame Straßen nach Einbruch der Dunkelheit – wie hier die Adolfstraße in Detmold – dürften künftig keine Seltenheit sein. In Lippe gibt es ab sofort eine Ausgangssperre zwischen 22 und 6 Uhr. (© Till Sadlowski)

Kreis Lippe. Ein Inzidenzwert von über 300 über mehrere Tage: Der Kreis Lippe ist Hotspot bezogen auf die Coronavirus-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Die Inzidenzzahl ist innerhalb von einer Woche um über 120 Punkte gestiegen. Das hat ab Samstag, 12. Dezember, weitere Konsequenzen für den Alltag in Lippe. Landrat Dr. Axel Lehmann appellierte an die Bürger, alles zu tun, um das Infektionsgeschehen einzudämmen: „Wir Lipper haben es selbst in der Hand."

Die Gründe

Der Kreis führt den hohen Wert zum einen auf die Teststrategie zurück – ist ein Familienmitglied positiv, werden alle anderen automatisch getestet. Zum anderen gebe es ein besonders hohes Infektionsgeschehen in Großfamilien sowie Alten- und Behindertenheimen, Kitas, Schulen und bestimmten Freikirchen.

In der Öffentlichkeit

Ab sofort dürfen sich nur noch zwei Personen aus verschiedenen Haushalten treffen. Es herrscht ein strenges Alkoholverbot. Ausgangssperren gelten täglich von 22 bis 6 Uhr, mit Ausnahme der Neujahrsnacht (3 bis 6 Uhr). Innerhalb dieser Zeiten dürfen Bürger nur aus triftigem Grund das Haus verlassen. Beispiele: Der Weg zu Schule, Arbeit, Kita, zum Arzt, der Ausgang mit dem Hund oder etwa für die Unterstützung Hilfsbedürftiger. Damit, erläuterte Lehmann, solle verhindert werden, dass sich Menschen in größeren Gruppen zuhause treffen. Kontrolliert werden solle die Einhaltung von Ordnungsämtern und Polizei. Wer sich nicht daran hält, dem droht ein Bußgeld – im Regelfall 250 Euro, so Kreiskämmerer Rainer Grabbe.

Im Privaten

Weihnachten hin oder her: Ab einem Inzidenzwert von über 350 wird es auch im häuslichen Umfeld ernst: Dann dürfen sich selbst im eigenen Heim nur noch maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen. Kinder unter 14 Jahren zählen nicht.

Pflegeeinrichtungen

Altenheime und Behinderteneinrichtungen haben besonders mit Coronavirus-Ansteckungen zu kämpfen: 37 Pflegeeinrichtungen sind derzeit betroffen. Der Inzidenzwert der über 90-Jährigen liegt derzeit bei 1220, der der 80- bis 89-Jährigen bei 377. Um die Älteren besonders zu schützen, werden alle Mitarbeiter mindestens zweimal wöchentlich einem Corona-Schnelltest unterzogen. Besucher müssen ab sofort in den Heimen eine FFP2-Maske (ohne Ventil) tragen, eine Alltagsmaske reicht nicht mehr aus.

Religionsgemeinschaften

 War das Singen in manchem Gottesdienst bislang noch üblich, so ist es ab sofort untersagt – Ausnahme: unter freiem Himmel mit Maske. Darüber hinaus dürfen nur noch zwei Menschen in einem Gottesdienst singen, mit ausreichendem Abstand. Religionsgemeinschaften müssen zudem ihr Hygienekonzept anpassen: Pro Besucher gilt eine Fläche von sieben Quadratmetern, Maskenpflicht besteht auch auf dem Platz, Gebete dürfen in Zimmerlautstärke gesprochen werden. Der Landrat unterstrich, dass viele Kirchen die Hygienevorschriften sehr ernst genommen hätten. Aber unter den rund 80 Freikirchen in Lippe habe es auch Ausnahmen gegeben: Konkret benannte Lehmann einen Gottesdienst einer Freikirche am 22. November mit 165 Personen – 65 Personen wurden später positiv getestet.

Schulen

Große Sorgen bereitet dem Landrat die Gruppe der 10- bis 19-Jährigen. Hier liege der Inzidenzwert mit 388 ungewöhnlich hoch, so Lehmann. Zum Vergleich: Die niedrigste Inzidenz hat die Gruppe der 70- bis 79-Jährigen mit 124. Deshalb gilt in Lippe ab sofort auch eine Maskenpflicht für alle Schüler im Präsenzunterricht. Der Sportunterricht wird ausgesetzt, schuleigene Sporthallen und Schwimmbäder geschlossen. Im Umfeld aller Schulen gilt Maskenpflicht. Zudem müssen alle Schulen bis zum Winterferienende ihr Hygienekonzept überarbeiten. Die aktuellen Bestimmungen des Schulministeriums bleiben unberührt.

Zeitrahmen

Die Allgemeinverfügungen, mit denen der Kreis die Maßnahmen regelt, gelten ab sofort und zwar so lange, bis der Inzidenzwert an sieben aufeinanderfolgenden Tagen unter 200 liegt, so Kämmerer Grabbe. Die Regeln für den privaten Raum gelten ab dem ersten Tag, an dem der Wert über 350 liegt. Zur Aufhebung der Maßnahmen muss der Inzidenzwert ebenfalls sieben Tage hintereinander unter 350 liegen.

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